Praxisnahe Vorträge für Stuckateure

Kongress blickt auf die Fassade der Zukunft

Der Ausbau-Kongress wurde zum regen Informations- und Meinungsaustausch genutzt. © Ausbau und Fassade

Hochkarätige Referenten, mehr als 120 Besucher und eine vom Motorsport geprägte Kulisse sorgten für einen gelungenen Kongress "Fassade der Zukunft", den das Magazin ausbau + fassade am 23. November in der Böblinger Motorworld veranstaltete.

Innovative Bauweisen, die Digitalisierung und neue Wettbewerbssituationen sind Entwicklungen, die das Bauen von Morgen prägen werden. Aber was wird sich alles verändern am Bau? Auf diese Frage gingen die Referenten der Veranstaltung "Fassade der Zukunft" konkret und mit großem Fachwissen ein. Es wurden zahlreiche Informationen bereitgestellt, aktuelle Prognosen geliefert und viele neue Erkenntnisse gewonnen. Besucher und Referenten hatten überdies zwischen den Vorträgen Gelegenheit für einen lebendigen Austausch. Moderiert wurde der Kongress von Prof. Dr. Andreas Kaapke, der kritisch, aber stets souverän und humorvoll durch das anspruchsvolle Programm führte.

Hoher Praxisbezug

Für besondere Praxisnähe sorgten die Vorträge, die unter dem Motto "Für Praktiker von Praktikern" standen. Drei Unternehmer aus dem Stuckateurhandwerk zeigten auf, wie sie ihren Markt entwickeln wollen.

Josef Steidle geht davon aus, dass die Fassade zukünftig mit noch mehr Technik ausgestattet sein wird, zum Beispiel mit Photovoltaikelementen für die Energiegewinnung. Längst gang und gäbe ist auch die Verwendung vieler neuer Materialien. Der Stuckateur ist allerdings zu oft auf die klassische Putzfassade fixiert und hat gegenüber Holz oder Alu-Verbundplatten seine Vorbehalte. Dabei verfügt der Stuckateur über ein großes Fachwissen und Detailkenntnisse, um auch mit diesem Materialmix richtig umgehen zu können. Steidle, der selbst das Stuckateurunternehmen Sauter in Singen führt und mit dem Branchenpreis "Stuckateur des Jahres 2018" ausgezeichnet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, in Zukunft die Fassade mit all ihren unterschiedlichen Komponenten komplett aus einer Hand anzubieten.

Frank Maurer, Stuckateur aus Wangen im Allgäu, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er sieht in dem Bau von Häusern oder in der Aufstockung im Stahlleichtbau seine Marktchance. Ein Objekt hat er schon realisiert. Beim "Tag der offenen Tür" zeigten sich die Kunden vor allem vom Schallschutz begeistert. In Kombination mit einem WDVS bietet diese Bauweise auch unter energetischen Gesichtspunkten Vorteile. Die große Resonanz und das rege Interesse spornen ihn an, diesen Weg in Kooperation mit anderen Gewerken weiterzuverfolgen.

Stuckateur Jürgen Schmid aus Ebersbach macht sich für die energetische Sanierung stark. Darin sieht er einen "riesigen Markt", den es zu bearbeiten gilt. Damit dies gelingt, ist jeder Fachunternehmer aufgerufen, bei seinen Kunden die vorhandenen Vorurteile zurechtzurücken. Er selbst hat das bei einem Auftritt bei dem Privatsender RegioTV getan. Das Magazin "Bauen und Wohnen" bat ihn als Experte um eine sachliche Darstellung zur Dämmung aus Polystyrol.

Innovation: Trockenbau für die Fassade

Einen neuen Aufgabenbereich für den Stuckateur sieht Prof. Dr. Jochen Pfau von der Hochschule Rosenheim bei Fassaden in Trockenbauweise. Einen relativ einfachen Einstieg für ein Stuckateur-Unternehmen mit ihrer Trockenbaukompetenz stellt der Bereich "nichttragende Außenwand/Fassade" dar. Im Prinzip wird hierbei die heute im Wandbereich übliche Trockenbauweise um die Außenwände erweitert. Der Leichtbau bringt dafür viele Vorteile mit wie guten Wärmeschutz, gute bauakustische Eigenschaften, kurze Bauzeiten und Nachhaltigkeit.

Das Anforderungsprofil an eine Fassade ist sehr weitgespannt. Es reicht von Schallschutz über den Feuchteschutz bis hin zur Gestaltung. Um diesen Funktionen gerecht zu werden, bedarf es eines Qualitätsmanagements, das viele Aufgaben und Bereiche abdeckt. Dies machte Harry Luik deutlich und stellte auch Beispiele vor, wo dies nicht funktioniert hat. Der Architekt und Stuckateurmeister unterstrich, wie wichtig die Weitergabe von Informationen von der Geschäftsführung bis zum Mitarbeiter an der Baustelle ist.

Mit der Digitalisierung auseinandersetzen

Prof. Dr.-Ing. Christof Gipperich von der Hochschule Biberach legte den Zuhörern dringend nahe, sich schon jetzt mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Auch wenn der Anfang schwer ist, so schadet das Nichtstun. Schon heute ist der Einsatz von 3D-Visualsierungen und VR-Brillen (Virtual Reality) in der Praxis möglich. Damit wird sich auch der Zugang zum Kunden ändern. Zum Beispiel wird die Bemusterung auf virtuellen Bildern aufgebaut sein und Ausschreibungen nur noch digital erfolgen. Darauf muss der Unternehmer schon heute achten und einen Plan entwickeln.

Berufsstolz prägt das Image

Die Zukunftsfähigkeit eines Berufes hängt auch davon ab, wie die Mitarbeiter und Auszubildenden ihre Tätigkeit empfinden. Auf diesen Faktor der "Sinnstiftung" wies Dr. Roland Falk vom Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade hin. Der Berufsstolz prägt auch das Image einer Branche. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Aktivitäten und Projekte des Bundesverbandes Ausbau und Fassade zu verstehen. Falk hob hier das Nationalteam der Stuckateure, den Wettbewerb "Stuckateur des Jahres", den Ausbildungsgang Ausbau-Manager oder das Kooperationsmodell von Meisterschülern und Architekturstudenten "Design und Funktion" hervor.

Wie die Zusammenarbeit zwischen Energieberatung und Fachhandwerkern funktionieren kann, zeigte Jürgen Leppig, Vorsitzender des GIH Bundesverbandes, auf. Gebäudeenergieberater sind Antragsteller für KfW-Förderungen und sorgen somit für die Aufträge für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Ein regionales Netzwerk mit Partnern aus dem Handwerk bietet wirtschaftliche Vorteile, sichert regionale Wertschöpfung und qualitätsvolle Ausführung. Voraussetzung dafür ist, dass der Kunde immer im Mittelpunkt steht.

Neue Produkte

Die WDVS Brandlisten der Feuerwehren unterzog Petra Kuhn vom Dämmstoffspezialisten IsoBouw einer kritischen Betrachtung. Sie zitierte dabei die Untersuchung von Werner Eicke-Hennig vom Energieinstitut Hessen. Das Fazit: Das WDVS mit Polystyrol ist ein extrem sicheres Fassadendämmsystem. Im zweiten Teil ihres Vortrags stellte die Produktmanagerin zwei Produktinnovationen vor: Die zweischichtige Fassadendämmplatte Duopor sowie die Dämmplatte Slim Fort für die vorgehängte hinterlüftete Fassade.

Biozide werden an der Fassade eingesetzt, um das Wachstum von Algen und Pilzen zu verhindern. Der Einsatz dieser Gifte gilt als nicht unproblematisch und soll durch Vorschriften eingeschränkt werden. Der Putzhersteller Saint Gobain verfügt mit der Aqua Balance Technologie bereits über eine giftfreie Alternative, die sich in der Praxis bewährt hat.

Der Kongress wurde unterstützt von den Industriepartnern Gutex, IsoBouw und Saint-Gobain Weber sowie dem Bundesverband Ausbau und Fassade (BAF) und den Verband Gebäudeenergieberater Handwerker Ingenieure (GIH). Von Paul Dolt und Damir Mioc

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