Gebäudekonzepte und Zertifizierungen

Es grünt so grün im Label

Moderne Passivhausreihenhäuser in Darmstadt. Quelle: Passivhaus Institut

National und international gibt es heute einen nur schwer zu durchdringenden Dschungel von Bau- und Sanierungsstandards. Mit diesem Artikel bringen wir Licht ins Zertifizierungsdickicht.

3-Liter-Haus, BREEAM, CASBEE, Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen, Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat, Effizienzhaus, Effizienzhaus Plus, Energiesparhaus, Green Building, Green Star, HQE, LEED, LENOZ, NahWoh, Niedrigenergiehaus, Niedrigstenergiehaus, Nordic Swan Ecolabel, Nullenergiehaus, Passivhaus, Plusenergiehaus, Sonnenhaus: Hand aufs Herz, wer kennt sie alle?

Am Anfang stand eine ganz einfache Frage: Wie kann die Energieeffizienz von Gebäuden vergleichbar gemacht werden? Schnell zeigte sich, dass es nicht ganz leicht ist, eine Antwort darauf zu finden. Fast alle Energiestandards legen unter anderem fest, wie hoch der Energiebedarf eines Gebäudes pro Quadratmeter Energiebezugsfläche und Jahr sein darf. Im Wohnungsbereich findet man außerdem noch häufig den sogenannten Verbrauchsausweis, der den tatsächlichen Verbrauch von Wärmeenergie wiedergibt, aber kaum eine Aussage über die energetische Qualität des Gebäudes ermöglicht.

Seit den Anfängen der Energieeffizienzpolitik mit der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 haben sich national und international viele Energiestandards und Bezeichnungen etabliert, die teilweise durch Verordnungen und Normen festgelegt sind. Viele Standards sind heute zertifiziert beziehungsweise qualitätsgesichert.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die übliche Maßzahl des Energiebedarfs Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr [kWh/(m²•a)]. Der Energiebedarf kann umgerechnet werden in andere Größen: 1 kWh/(m²•a) entspricht 3,6 MJ/(m²•a) beziehungsweise 0,114 W/m² beziehungsweise 0,1 l/(m²•a) Heizöläquivalent. Daher stammt der Begriff 3-Liter-Haus, was etwa 30 kWh/(m²•a) entspricht.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, denn es gibt Abgrenzungsschwierigkeiten. Je nachdem, was gemeint ist, unterscheiden sich die Werte erheblich voneinander. Um aussagekräftige und vergleichbare Werte zu bekommen, müssen Art und Zweck der Energie, zum Beispiel Primär-, Nutz- oder Endenergie sowie Heizwärme bestimmt werden. Das gleiche gilt für die Art und Berechnung der Fläche. Im Laufe der Zeit sind je nach Zertifikat weitere Nachhaltigkeitskriterien hinzugekommen, wie Graue Energie1, die ökologische Qualität von Baustoffen, die Betrachtung des Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus, aber auch die Qualität von soziokulturellen und technischen Faktoren sowie des Prozesses.

Von Platin bis Bronze:
Die Auszeichnungslogik der DGNB
  Platin Gold Silber Bronze
Gesamterfüllungsgrad ab 80% ab 65% ab 50% ab 35%
Mindesterfüllungsgrad 65% 50% 35% – %
*Diese Auszeichnung gilt nur für das Bestandszertifikat bzw. für das Zertifikat "Gebäude im Betrieb".

Niedrigenergiehaus

Eine einheitliche Festlegung über den Begriff Niedrigenergiegebäude gibt es in Deutschland nicht. Im Allgemeinen wird von Niedrigenergiegebäuden gesprochen, wenn der Energieverbrauch deutlich unter den rechtlich zulässigen Werten der EnEV liegt. In Norddeutschland gibt es den „Niedrig-Energiehaus-Standard Schleswig-Holstein“ für den spezifische Anforderungen gelten  – hier muss der nach EnEV für das Gebäude maximal zulässige Primärenergiebedarf [Q''p in kWh/(m²•a)] um mindestens 20 Prozent und der maximal zulässige spezifische (auf die Hüllfläche als wärmeübertragende Gebäude-Umfassungsfläche bezogene) Transmissionswärmeverlust [H'T in W/(m²•K)] um mindestens 30 Prozent unterschritten werden.

Die Gebäude müssen mit einer definierten Be- und Entlüftungsanlage ausgerüstet werden. Die Zertifizierung findet durch die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. (ARGE) statt. Mit der Einführung des europaweiten Niedrigstenergiegebäudes (engl. nearly zero energy building, nZEB) verliert der Begriff zusätzlich an Bedeutung.

Niedrigstenergiehaus

Ein Niedrigstenergiegebäude hat nach Definition der Collaboration for Housing nearly zero-energy renovation (COHERNO) einen Jahresprimärenergiebedarf unter 40 kWh/(m²•a) und einen spezifischen Transmissionswärmeverlust (der Gebäudehülle) von unter 0,28 W/(m²•K). Der Niedrigstenergiestandard ist damit noch unter den Anforderungen eines Passivhauses mit einem Heizenergiebedarf von 15 kWh/(m²•a). Ab 2019/2021 müssen Neubauten gemäß EnEV als Niedrigstenergiehäuser gebaut werden.

Die Projektpartner in den EU-Ländern haben Definitionen für das Niedrigstenergiehaus entwickelt. Den Rahmen für die Definitionen gaben internationale Abkommen, vor allem aber die EU-Richtlinie 2010/31/EU vor. Demnach sind Niedrigstenergiehäuser Gebäude, die die Anforderungen für ein KfW-Effizienzhaus 55 nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 erfüllen oder noch energieeffizienter sind. Gebäude, die vor dem Jahr 2009 saniert wurden, werden als Niedrigstenergiehäuser bezeichnet, wenn der spezifische Jahresprimärenergiebedarf bei maximal 40 kWh/(m2a) liegt und der Transmissionswärmeverlust auf maximal 0,28 W/(m2K) begrenzt wird.

Damit wurde auch für Gebäude, die vor in Kraft treten der EnEV 2009 saniert worden sind, ein etwa gleichwertiger Wert festgelegt: Zum einen liegt der Wert für den spezifischen Jahresprimärenergiebedarf von KfW-Effizienzhäusern 55 nach EnEV 2007 beziehungsweise KfW-40-Häusern nach EnEV 2004 nicht über
40 kWh/(m2a). Zum anderen wird mit einem Transmissionswärmeverlust von 0,28 W/m2K ein 30 Prozent höherer Anforderungswert als für neu gebaute, freistehende Wohngebäude mit einer Wohnfläche kleiner/gleich 350 m² nach EnEV 2009 gefordert.

Das Energiesparhaus

Mit dem Begriff Energiesparhaus werden alle Haustypen bezeichnet, die im Vergleich zu einer ähnlichen Immobilie Energie einsparen. Dazu gehören zum Beispiel das 3-Liter-Haus, das Niedrigenergiehaus, das Passivhaus, das KfW-Effizienzhaus, das Nullenergiehaus und das Plusenergiehaus. Für jedes neu gebaute Energiesparhaus gelten die aktuellen Bestimmungen der EnEV. Energiesparhäuser sollten eine ausgeglichene Energiebilanz zwischen verbrauchter und selbst erzeugter Energie oder einen Energieüberschuss aufweisen.

Effizienzhaus

Ab 2003 betreibt die Dena das Modellvorhaben Effizienzhäuser. Damit wurden rund 460 Immobilien im Wohn- und Nichtwohnbereich nach den neuesten energetischen Erkenntnissen saniert, die als Best-Practice-Beispiele dienen. Wegen des deutlich höheren Aufwands werden die Sanierungsobjekte stärker mit Tilgungszuschüssen und zinsgünstigen Krediten gefördert als andere energetische Modernisierungen.

Mit dem Projekt sollten energetisch anspruchsvolle Neubau- und Sanierungsstandards definiert und erprobt werden. Daraus wurden wirtschaftlich tragfähige Empfehlungen abgeleitet und kommuniziert, um unter anderem die EnEV weiterzuentwickeln. Am Ende sollten auf diese Weise hocheffiziente Standards breitenwirksam im Markt eingeführt werden.

Die im Modellvorhaben sanierten Wohngebäude unterschreiten nach Aussage der Dena die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009 (EnEV) an vergleichbare Neubauten durchschnittlich um 45 Prozent und reduzieren die CO2-Emissionen rund 3,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Im Vergleich zum unsanierten Zustand können im Mittelwert rund 80 Prozent Endenergie eingespart werden.

Zulässige Höchstwerte bezogen auf das EnEV 2009-Referenzhaus (Neubau und Sanierung)
Standard Primärenergie-
bedarf
Transmissions-
wärmeverlust
Effizienhaus 40 40 % 55 %
Effizienhaus 55 55 % 70 %
Effizienhaus 70 70 % 85 %
Effizienhaus 85 85 % 100 %
Effizienhaus 100 100 % 115 %
Effizienhaus 115 115 % 130 %
Effizienhaus Denkmal1 160 % 175 %
1 Zielwert bei denkmalgeschützten Gebäuden, hiervon kann unter Umständen auch abgewichen werden.
Obwohl seit dem 1. Mai 2014 die novellierte Einergieeinsparverordnung EnEV 2014 gilt, traten verschärfte energetische Vorgaben für Neubauten erst ab dem 1. Januar 2016 in Kraft (EnEV 2014 mit Änderungen ab 2016). Die KfW bezieht ihre Berechnungen jedoch weiterhin auf das Anforderungsniveau 2009 und vergleicht die Anforderungen mit dem Referenzhaus nach dem Stand der EnEV 2009. Daher muss die Förderung des KfW-Effizienzhaus 70 für Neubauten entfallen.
Zusätzlich zu den Förderstandards der KfW gibt es das Gütesiegel „Effizienhaus“ der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena). Das Siegel bestätigt den KfW-Standard durch ein qualitätsgesichertes Verfahren.

Effizienzhaus Plus

Seit Anfang 2011 hat die Dena das Effizienzhaus Plus entwickelt, die Grundlage für zukünftige klimaneutrale Neubau- und Sanierungsstandards. Das Bundesbauministerium hat ein Förderprogramm für Modellhäuser aufgelegt, die den sogenannten Effizienzhaus-Plus-Standard erfüllen. Mit dem Programm werden Bauherren unterstützt, die Gebäude errichten, die deutlich mehr Energie produzieren, als für deren Betrieb notwendig ist. Diese Energie soll vor allem für Elektromobilität genutzt werden.
Gebäude gelten als Effizienzhäuser Plus, wenn sie sowohl einen negativen Jahres-Primärenergiebedarf (ΣQP < 0 kWh/m2a) als auch einen negativen Jahres-Endenergiebedarf (ΣQE < 0 kWh/m2a) vorweisen können.

Die Bedingungen der EnEV 2014 mit Änderungen 2016 müssen ebenfalls eingehalten werden. Als Nebenforderung müssen Haushaltsgeräte der höchsten Effizienzklassen genutzt werden und Smart Meter – intelligente Zähler – eingebaut sein. Zusätzlich muss der pauschalierte Eigennutzungsgrad der auf dem Grundstück gewonnenen erneuerbaren Energien bilanziert werden.

Die laufenden Modellprojekte werden wie beim Effizienzhaus im Rahmen eines wissenschaftlichen Begleitprogramms ausgewertet. Mit den Ergebnissen soll das Energiemanagement von modernen Gebäuden verbessert werden. Außerdem sollen die notwendigen Komponenten für energieeffiziente Gebäudehüllen und das Nutzen erneuerbarer Energien fortentwickelt werden.

Im Jahr 2012 lobte das Bundesbauministerium in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Neu-Ulm einen Wettbewerb für die Entwicklung eines Sanierungskonzepts für ein Effizienzhaus Plus im Altbau aus. Die Mehrfamilienhäuser wurden so modernisiert, dass sie mehr Energie produzieren als sie für ihren Betrieb benötigen. Seit 2016 stehen in Neu-Ulm die ersten sanierten Mehrfamilienhäuser, die mehr Energie erzeugen, als sie benötigen.

Das Passivhaus

Unter einem Passivhaus versteht man ein Gebäude, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung und eines Wärmetauschers Lüftungswärmeverluste vermeidet, sodass in der Regel keine klassische Gebäudeheizung benötigt wird. Nach den Zertifizierungskriterien des Passivhausinstituts Darmstadt darf ein Passivhaus einen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden (Energiegehalt von etwa 1,5 Liter Heizöl) pro Quadratmeter in einem Jahr nicht übersteigen. Die maximal zulässige Heizlast beträgt 10 W/m² und muss auch im Winter an sehr kalten Tagen über die Zuluft erreicht werden können.

Zusätzlich definiert sich ein Passivhaus durch Grenzwerte im Bereich des Primärenergiebedarfs von 120 kWh/(m²•a), durch Luftdichtheit und maximale Wirkungsgrade. Solche Häuser werden passiv genannt, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus passiven Quellen, wie Sonneneinstrahlung sowie Abwärme von Personen und technischen Geräten gedeckt wird. Das Ergebnis ist eine positive Raumwahrnehmung, gekoppelt mit einem niedrigen Energieverbrauch. Das Passivhaus ist keine neue Bauweise, sondern ein Baustandard, der besondere Anforderungen bezüglich Architektur, Technik und Ökologie festlegt und nicht auf einen bestimmten Gebäudetyp beschränkt ist. Es ist auch möglich, diesen Standard bei Bestandsimmobilien zu erreichen.

Internationale Bewertungssysteme für Green-Building
Australien Nabers, Green Star
Brasilien AQUA, LEED Brasil
China GBAS
Deutschland DGNB, BNB
Finnland PromisE
Frankreich HQE
Großbritannien BREEAM
Hong Kong HK-BEAM
Indien LEED India, TerriGriha
Italien Protocollo Itaca
Kanada LEED Canada, Green Globes
Malaysia GBI Malaysia
Mexiko LEED Mexico
Niederlande

BREEAM Netherlands

Neuseeland Green Star NZ
Österreich ÖGNB-TQB; klima:aktiv; DNGB, seit 2009 - adaptiert durch ÖGN
Philippinen BERDE, PHILGBC
Portugal Lider A
Schweiz Minergie, SNBS
Singapur Green Mark
Spanien VERDE
Südafrika Green Star SA
USA LEED, Green Globes


Weil es technisch und handwerklich anspruchsvoll ist, ein Passivhaus herzustellen, zertifiziert das Passivhausinstitut neben den Gebäuden auch Produkte und Systemlösungen sowie am Bauprozess Beteiligte. Zertifizierte Planer, Berater und Handwerker haben das nötige Fachwissen durch praktische Erfahrung bei einem Passivhaus- oder EnerPhit-Projekt erworben oder durch das Ablegen einer Prüfung nachgewiesen. Das Verwenden von zertifizierten Komponenten soll die Planung von Gebäuden erleichtern und wesentlich dazu beitragen, die einwandfreie Funktion des Passivhauses zu gewährleisten. Die Zertifikate „Zertifiziertes Passivhaus“, „EnerPhit – Zertifizierte Modernisierung“ und „Energiesparhaus“ werden ausschließlich nach genauer Prüfung vom Passivhaus Institut oder anderen akkreditierten Stellen vergeben. Sie sind Qualitätszeichen für das gesamte Gebäude.

Nullenergiehaus, Plusenergiehaus

Nullenergiehaus ist ein Energiestandard für Gebäude, deren externer Energiebezug im Jahresmittel durch den eigenen Energiegewinn aufgewogen wird. Technisch gesehen ist das Nullenergiehaus meist eine Weiterentwicklung der Passivhaus-Idee.

Nullenergiehäuser setzen neben der passiven Wärmerückgewinnung zusätzlich auf solartechnische Anlagen für die Warmwasser- und Stromgewinnung ausgestattet und gleichen damit externe Energielieferungen im Jahresverlauf aus. Wird mehr Energie erzeugt als das Haus selbst verbraucht, spricht man von einem Plusenergiehaus. Nicht berücksichtigt wird die Energie, die zur Erstellung des Hauses benötigt wird.

Bewertungssysteme für Green Building

Bisher haben wir uns mit Effizienz-Standards und energetischen Standards von Gebäuden befasst. Jetzt geht es einen Schritt weiter zum sogenannten Green Building. Als grünes Gebäude (engl. green building) wird ein Gebäude bezeichnet, das unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit entwickelt wurde.

Die Gebäude zeichnen sich unter anderem durch eine hohe Ressourceneffizienz in den Bereichen Energie, Wasser und Material aus, während gleichzeitig schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt reduziert werden. Der Leitgedanke wird dabei idealerweise über alle Phasen des Gebäude-Lebenszyklus von der Projektentwicklung, der Planung und der Konstruktion über den Betrieb, die Wartung und die Demontage verfolgt.

DGNB

Um die Qualität von nachhaltigem Bauen erfassen und bewerten zu können, hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) vor zehn Jahren ein ganzheitliches Zertifizierungssystem entwickelt. Das System schließt Umwelt, Menschen und Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus in seine Bewertung mit ein. Das Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude und Quartiere hilft dabei, über alle Planungs- und Bauphasen hinweg die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen.

Das DGNB-Zertifikat zählt heute zu den international bekanntesten Zertifizierungssystemen für nachhaltiges Bauen. Es berücksichtigt Themen, wie Responsible Sourcing (verantwortliche Materialbeschaffung), Circular Economy (Kreislaufwirtschaft), Innovation, Baukultur und Sustainable Development Goals (Entwicklungsziele im Bereich Nachhaltigkeit).

Das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen war ein gemeinsam vom Bundesbauministerium und dem DGNB entwickeltes Bewertungssystem für nachhaltige Gebäude. Nach der ersten Pilotphase des Gütesiegels haben die Kooperationspartner Bundesbauministerium und DGNB die Bewertungssysteme für nachhaltiges Bauen getrennt fortgeführt. Damit entstanden zwei eigenständige Systeme: das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) und die DGNB-Zertifizierung. Aus dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) wurde 2015 das Ökobilanzierungswerkzeug für Gebäude eLCA, das sich 2018 noch in der Betaphase befindet.

Bei der Bewertung eines Gebäudes bezieht das DGNB-Zertifikat nicht nur ökologische, ökonomische und sozio-kulturelle Aspekte mit ein. Insgesamt wurden sechs Themenfelder definiert, die bei Planung und Bau eines nachhaltigen Bauwerks berücksichtigt werden müssen:

  • Ökologische Qualität
  • Ökonomische Qualität
  • Sozio-kulturelle Qualität
  • Technische Qualität
  • Prozessqualität
  • Standortqualität (fließt nicht in die Gesamtbewertung der Gebäudequalität ein)

Jedes Themenfeld beinhaltet spezielle Kriterien, die je nach Nutzungsprofil (abhängig von Bauwerkstyp, Neubau oder Bestandsbau) mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtbewertung einfließen. Grundsätzlich betrachtet das Zertifikat den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. Je früher diese Kriterien in der Planungsphase berücksichtigt werden, desto konsequenter kann die zu erreichende Qualität eines Bauwerks beeinflusst werden.

Je nach Erfüllung der definierten Anforderungen erhält das Gebäude eine Auszeichnung in Bronze (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 35 Prozent, nur im Bestand), Silber (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50 Prozent), Gold (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 65 Prozent) oder Platin (ab einem Gesamterfüllungsgrad von 80 Prozent). Das Zertifizierungssystem wird kontinuierlich für unterschiedliche bauliche Nutzungen (Nutzungsprofile) und Varianten weiterentwickelt.
Neben den nationalen gibt es auch internationale Standards mit hoher Verbreitung.

BREEAM

Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology (BREEAM) ist ein ursprünglich aus Großbritannien stammendes Bewertungssystem für ökologische und soziokulturelle Aspekte der Nachhaltigkeit von Gebäuden.

Das bereits aus dem Jahr 1990 stammende System wurde zuerst von Building Research Establishment (BRE) publiziert. Das System wurde von einem britischen Forschungsinstitut entwickelt. Heute sind mehr als 250.000 Gebäude nach BREEAM zertifiziert und mehr als 1 Million zur Zertifizierung registriert, die meisten davon in UK, der Rest verteilt sich auf mehr als 50 Staaten.

LEED

Die Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) ist ein 1998 vom U.S. Green Building Council entwickeltes System zur Klassifizierung für ökologisches Bauen. Die weltweit verwendete Nachhaltigkeitszertifizierung definiert eine Reihe von Standards für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen.
In der Version LEED v2.2 für Neubauten und größere Renovierungen von Gewerbeimmobilien gibt es 69 zu vergebende Punkte. Dabei können die Gebäude in vier Qualitätsstufen eingeordnet werden:

  • Certified: 26–32 Punkte
  • Silver: 33–38 Punkte
  • Gold: 39–51 Punkte
  • Platinum: 52–69 Punkte

Im Jahr 2009 wurde die bis dahin gültige Version LEED v2.2 von LEED v3 (LEED 2009) abgelöst. 2013 wurde die neuste Version LEED v4 veröffentlicht. Im aktuellen Regelwerk sind 110 Punkte zu erreichen:

  • Certified: 40–49 Punkte
  • Silver: 50–59 Punkte
  • Gold: 60–79 Punkte
  • Platinum: 80 und mehr Punkte

Diese Punkteverteilung gilt für alle Systemvarianten der LEED-Zertifizierung. Gebäude verschiedenster Nutzungen können im Rahmen der Varianten Building Design + Construction, Interior Design + Construction, Existing Buildings - Operations & Maintenance, Neighbourhood Development und Dynamic Plaque zertifiziert werden.

Mit LEED v4 werden Immobilien anhand diverser Kriterien in den Kategorien Lage und Verkehr, Nachhaltiger Standort, Wassereffizienz, Energie und Atmosphäre, Materialien und Rohstoffe, Innenraumqualität und Komfort sowie Innovation und Regionale Prioritäten bewertet. In Deutschland ist seit 2012 der German Green Building Association (GGBA) offizieller Partner des U.S. Green Building Council (USGBC) und damit auf nationaler Ebene der zuständige Ansprechpartner für die komplette DACH-Region.

HQE – Haute Qualité Environnementale

Im Jahr 1996 wurde in Paris die Association pour la Haute Qualité Environnementale (ASSOHQE) als Plattform für Mitglieder der französischen Bauindustrie gegründet. Ziel des Netzwerks war es, Diskussionen in der Bauindustrie anzuregen und die Bauqualität langfristig zu verbessern. Seit 2005 bietet die ASSOHQE das Nachhaltigkeitszertifikat HQE (Haute Qualité Environnementale = hohe Umweltqualität) an. Es wurde zunächst als Standard für bestehende sowie neue Büro- und Schulgebäude eingeführt, lässt sich aber heute auch bei Einfamilienhäusern und größeren Wohnbauten anwenden. Jörg Bleyhl

Sie finden diesen Artikel spannend?

Dann fordern Sie doch unverbindlich ein Probeheft von Energie Komtakt an.

Eine Verwendung dieses Textes ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich.
Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare (1)

  1. spiegel experimentelle wohnbauforschung aachen
    at 15.07.2019
    Warum haben Verbraucher-, Mieter-, Bauherren- oder Investoren-Verbände, Kammern, Hochschulen oder öffentliche Ämter den seit 2000 öffentlich bekannten Passivhaus-Standard als Stand der Bautechnik und der Bauwirtschaft meines Wissens noch nie gerichtlich feststellen lassen und alle, die Substandart bauen oder dies nicht verhindern, zur Rechenschaft gezogen? Wozu der Kosten treibende Zertifizierungswahn? Warum befassen sich Staatsanwälte oder Kartellbehörden in Deutschland sich nicht mit dieser gigantischen Verschwendung oder Aneignung von Volksvermögen? Wann wird sich der EU-Standard gegen das offensichtlich öffentliche Versagen durchsetzen? Wann CO2 neutrale massivHOLZ-Gebäude?

Neuen Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)

Bitte tragen Sie hier die im Bild dargestellte Zeichenfolge ("Captcha") ein.
Dies dient der Vermeidung von Spam.

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.