Wirtschaftlichkeit braucht derzeit noch Förderung

Effizienzhaus Plus bewährt sich im Monitoring

Beim ersten Effizienzhaus Plus waren viele Nachjustierungen notwendig. © EnBauSa.de

47 Gebäude sind mittlerweile im Monitoring des Netzwerks Effizienzhaus Plus. Auch internationale Ausstrahlung gewinnt der Standard. Im japanischen Takamatsu steht bereits seit 2013 ein Passivhaus in Plusenergiebauweise. In Tschechien ist vor kurzem eine erste Schule in das Netzwerk aufgenommen worden. Aktuelle Monitoring-Ergebnisse stellte ein Workshop im Rahmen der BAU 2019 vor.

Aus Sicht der Bundesregierung sollen Effizienzhäuser Plus einen wichtigen Beitrag zur Klimabilanz erbringen. Monika Thomas, Ministerialdirektorin im Bundesinnenministeriumn, zu dem mittlerweile auch der Baubereich gehört, verwies dazu 2018 auf einem vorangegangenen Workshhop des Netzwerks auf die vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) im Rahmen der Begleitforschung angefertigte Studie zum CO2- Minderungspotential durch Effizienzhaus-Plus-Bauten. Bei einer Marktdurchdringung von 15 Prozent bei Neubauten und sanierten Bestandsgebäuden ließen sich bis 2050 zusätzlich jährlich 14 Millionen Tonnen CO2 gegenüber dem heutigem EnEV-Standard einsparen. Dass es zu einer auch nur annähernd so hohen Marktdurchdringung kommt ist allerdings unwahrscheinlich.

36 Abschlussberichte aus dem Monitoring liegen mittlerweile vor, berichtete Arnd Rose vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Er verwies dabei auch auf eine Analyse der Global-Warming-Potentiale. Er hat dazu im Rahmen eines Forschungsgutachtens das CO2-Einsparpotenzial unterschiedlicher Gebäude-Energiestandards untersucht. Hierbei wurden sowohl der Energiebedarf für den Gebäudebetrieb als auch die Umweltauswirkungen der erforderlichen Baustoffe für Bau- und Instandhaltung während des Lebenszyklus betrachtet. Die untersuchten Effizienzhäuser Plus schnitten dabei gut ab. Durch größere Energieeffizienz werde die graue Energie, die zur Herstellung der Baustoffe benötigt werde wichtiger für eine Bilanz, sie mache einen großen Unterschied aus. Abweichungen nach oben ergaben sich häufig beim Strom, die veranschlagten 20 kWh/m2/a reichten meist nicht.

Zentral ist zudem die optimale Nutzung des erzeugten Stroms auch in Quartieren. Getestet wurde das unter anderem in der Living Lab Plusenergiesiedlung in Wuppertal. Durch eine Ringleitung, die den auf den Dächern erzeugten Strom verteilte, erhöhte sich die PV-Nutzung um 15 Prozent. Bei Einzelhäusern lag der Eigenverbrauchsanteil bei 21 Prozent, bei einer Quartiersnutzung bei 37 Prozent. Die Kosten für die Verteilung sind aber so hoch, dass es nicht wirtschaftlich ist.

Gebäudehülle 40 Prozent besser als Standard

Einen Vergleich der Objekte im Effizienzhaus-Plus-Monitoring zum EnEV-Referenzgebäude zog Antje Bergmann vom Fraunhofer Institut für Bau- und Raumplanung (IBP). Die Gebäudehülle sei bei den Effizienzhäusern Plus im Schnitt 40 Prozent besser als die des EnEV-Referenzgebäudes. Immerhin 44 Prozent arbeiten mit Erdwärmepumpen. Nicht zufriedenstellend seien die durchschnittlichen Arbeitszahlen von 2,6 bei Luftwärmepumpen und 3,2 bei Erdwärmepumpen. Um den Strombedarf zu decken, verfügen die untersuchten Häuser über 0,5 Quadratemter PV pro Quadratmeter Wohnfläche. 15 Prozent der Häuser haben einen Speicher. Das Resümee der Forscherin dazu ist zwiespältig: "Teilweise liegen die Speicher gut, teilweise gab es auch hohe Ausfallzteiten und Verluste." Da habe sich aber in den vergangenen Jahren viel getan. Dennoch sieht Bergmann noch Untersuchungsbedarf. Abweichungen nach obeb gab es beim Endenergiebedarf. Die Einfamilienhäuser lagen 11 Prozent über den Berechnungen, die Mehrfamilienhäuser noch deutlich höher.

Georg Lange, Technischer Leiter des Bundes Deutscher Fertigbau, hat unterschiedliche Konzepte zur Versorgung kompletter Quartiere vorgestellt und Praxiserfahrungen aus gebauten Objekten referiert. Er verwies darauf, dass sich nach den Auswertungen aus der Wuppertaler Fertighaussiedlung nur wenige Konzepte wirtschaftlich rechnen, auch wenn ein energetischer Nutzen durch den Energieüberschuss gegeben ist. Wirtschaftlich ließen sich bei den untersuchten Gebäuden, die allerdings aus dem Jahr 2015 stammen, weder Batteriespeicher noch Wärmenetze darstellen. Die Speicherpreise sind aber seit 2015 stark gefallen. Quartiersstromnetze mit einer Quartiersbatterie ermöglichten eine Entlastung der Stromnetze.

Bei Plusenergiegebäuden müssen alle Stellschrauben genutzt werden

Über Erfahrungen bei der Errichtung des ersten Plusenergie-Bürohochhauses in Österreich referierte beim Workshop Helmut Schöberl vom Planungsbüro Schöber und Pöll. Seine wichtigste Botschaft: Die eine Stellschraube in Richtung Plusenergiehochhaus gebe es nicht. Entscheidend sei es, alle Bereich unter die Lupe zu nehmen und dabei auf eine extreme Optimierung des Verbrauchs zu achten. 9300 Komponenten haben er und sein Team beim Verbrauch betrachtet und so den Primärenerbedarf von 800 KWh/m2/a inklusive Strom auf 56 KWh/m2/a reduzieren können. von Pia Grund-Ludwig

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