Passivhaus-Siedlung

Detaillierte Planung für neue Westarkaden Heidelberg

Kalte Loggien im Bauteil 2 gewähren den Bewohnern einen Rückzugsraum und Ruhe. © Moritz Bernoully

Im Südwesten Heidelbergs entsteht seit 2017 die Bahnstadt Heidelberg – die weltweit größte Passivhaus-Siedlung. Mit den Westarkaden entsteht ein Stadtteil- und Nahversorgungszentrum.

Entwickelt und errichtet wurden die Westarkaden von der Firma Unmüssig aus Freiburg, gemeinsam mit dem Projektsteuerungsbüro mdbm aus Karlsruhe. Um die energetischen Vorgaben eines Passivhaus-Standards bei einer Mischnutzung aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie zu erfüllen, war eine detaillierte Planung jeder einzelnen Wärmebrücken notwendig. Hinter einem Passivhaus steht das Baukonzept, Energie zu sparen. Durch besonders energieeffiziente Bauteile und Lüftungstechnik braucht ein Passivhaus 90 Prozent weniger Heizwärme als ein Haus im Baubestand. Passivhäuser stellen somit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit dar.

„Die Herausforderung bei diesem Konzept der Mischnutzung war es, privaten Wohnraum zu gestalten und sicherzustellen und gleichzeitig Zugang zum öffentlichen Leben zu schaffen“, sagt Projektleiter Björn Fenske von WWA Architekten. Gelöst haben das die Architekten über die Divergenz in den Fassaden sowie der Balkone und Loggien. Die unterschiedliche Gestaltung der Balkone und Loggien erforderte eine sehr detaillierte Planung aller möglichen Wärmebrücken, um – wie für die Bahnstadt vorgegeben – den Passivhaus-Standard zu erfüllen. „Bauphysikalisch waren die geometrisch sehr unterschiedlich gestalteten Balkone und Loggien energetisch schwer in den Griff zu bekommen. Beispielsweise sind durch den Energieverbrauch die Vorgaben für Passivhäuser im Bereich Wohnen ganz anders als beim Gewerbe“, berichtet Marcel Schütze, Projektleiter bei Schreiber Ingenieure aus Stuttgart. Auch die angrenzenden Gebäudeteile, wie Tiefgarage und Treppenhäuser, mussten energetisch präzise berechnet werden, ebenso wie die Statik der dicken, massiven Bauteile.

Vorteil Glasfaserverbundwerkstoff: energetisch wärmebrückenfrei

Die Lösung, um die Balkone und Loggien wärmebrückenfrei anzuschließen, fanden die Baubeteiligten im Schöck Isokorb CXT: das „C“ steht bei diesem Bauteil für Combar, einem Glasfaserverbundwerkstoff, aus dem die Zugstäbe bestehen. „Der Glasfaserverbundwerkstoff zeichnet sich durch eine so geringe Wärmeleitfähigkeit aus, dass diese rein rechnerisch nicht ins Gewicht fällt“, erklärt Markus Heck, Produktingenieur bei Schöck. Neben vielen weiteren Eigenschaften, zeichnet sich Combar durch höchste Wärmedämmleistung aus, denn seine Wärmeleitfähigkeit ist im Vergleich zu Edelstahl um das 15-Fache niedriger. Mit dem Isokorb CXT lassen sich Wärmebrücken somit auf ein Minimum reduzieren. Darüber hinaus ist der Isokorb CXT auch durch das Passivhaus Institut zertifiziert. Somit entscheidend für das Projekt Westarkaden.

Rund 5.000 Menschen leben und arbeiten bereits in der Bahnstadt. Mit den Westarkaden soll die Zahl auf über 6.000 wachsen. Ein dreiteiliges Gebäudeensemble bildet zukünftig das neue Eingangstor zur Bahnstadt und soll die Rolle des traditionellen Marktplatzes übernehmen. Aufgesetzt auf einer zweigeschossigen Tiefgarage entstanden im Erdgeschoss circa 11.700 m² Einzelhandels-, Gastronomie- und Gewerbeflächen. In den oberen Stockwerken befinden sich 300 familienfreundliche und barrierefreien Mietwohnungen, sowie Büros und eine Kita. Die ersten Mieter wohnen bereits seit Dezember 2019 im Bauteil 1.

Quelle: Schöck / Delia Roscher

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