Allzeithoch bei Dämmung und Heizung

DESAX: Interesse an Fenstern bricht drastisch ein

Die Entwicklung des Deutschen Sanierungsindex DESAX 2018. © EnBauSa

Der Deutsche Sanierungsindex DESAX zeigt für das Jahr 2018 eine sehr unterschiedliche Entwicklung in den drei betrachteten Segmenten Dach & Dämmung, Heizung und Fenster. Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung im Bereich Fenster: Nach einem Rekordhoch im März stürzte der Indexwert im Dezember dramatisch ab.

Mit 39 erreichte der Wert für Fenster zum Ende des Jahres den absoluten Tiefstwert seit dem Start des DESAX 2014. Die Marke 100 des DESAX kennzeichnet den Durchschnitt der Sanierungsanfragen im Referenzjahr 2012. Im Dezember 2018 gingen also nur etwa 40 Prozent der durchschnittlichen Anfragen nach neuen Fenstern im Jahr 2012 ein. Im März – traditionell der jährliche Höhepunkt in diesem Segment – hatte der Wert noch bei 237 gelegen und damit ein Rekordhoch erreicht.

Aus der Marktentwicklung heraus lasse sich diese Entwicklung des DESAX nicht erklären, berichtet der Verband Fenster + Fassade. Denn der Fenstermarkt sei weiterhin stabil mit leichtem Wachstum. Die Zahl der abgesetzten Fenstereinheiten stieg laut VFF im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 1,9 Prozent auf 14,4 Millionen, gerechnet hatte der Verband in seinem Marktbericht zu Jahresbeginn allerdings mit einem Absatz von 14,6 Millionen Fenstereinheiten. Dass diese Prognose nicht eingetreten ist, führt Geschäftsführer Ulrich Tschorn darauf zurück, dass die erwartete Erholung im Sanierungsmarkt nicht eingetreten ist. Dieser stagniert bereits seit längerem. 2018 wurden lediglich 0,5 Prozent mehr Fenstereinheiten abgesetzt als im Vorjahr, im Neubausegment dagegen betrug das Wachstum 3,6 Prozent. Eine Fenstereinheit entspricht einer Fläche von 1,69 Quadratmetern.

"Unsere Erwartungen vom Frühjahr 2018 auf ein Wachstum der Sanierung basierten auf der politisch beabsichtigten Einführung steuerlicher Abschreibung auf energetische Gebäudesanierung – so steht es im Koalitionsvertrag der derzeitigen Regierung. Da diese Abschreibungsmöglichkeit weder für 2018 noch für 2019 umgesetzt wurde, haben wir im Oktober 2018 mit einer weiteren Stagnation des Sanierungsmarktes rechnen müssen und die Gesamterwartung  von 14,6 auf 14,4 Millionen Fenstereinheiten herunter korrigiert", so Tschorn. Die Stagnation im Sanierungsmarkt, der mit 57 Prozent den Löwenanteil des Marktes ausmacht, könnte auch den Einbruch des DESAX erklären.

Denn Grundlage für den Index sind Online-Anfragen nach Sanierungsangeboten, die bei der Deutschen Auftragsagentur und ihrem Portal daemmen-und-sanieren.de eingehen. Diese Angebotsplattform wird im Neubau eher weniger genutzt, berichtet DAA-Mitarbeiter Robert Doelling. "Im Neubau entscheiden in der Regel Architekten, Planer oder Bauträger über den Fensterkauf. Bei uns gehen uns vor allem Anfragen von Endverbrauchern ein und da geht es wohl eher um die Sanierung."  Das belegen auch die Zahlen: 88 Prozent der Anfragesteller bei der DAA sind Privatpersonen mit Ein- und Zweifamilienhäusern. 84 Prozent davon wünschen die Lieferung plus Einbau, hauptsächlich im Rahmen von Sanierungen (90 Prozent). Rund 50 Prozent fragen zwei bis fünf Fenster an.

Für 2019 rechnet der VFF neuesten Zahlen zufolge mit einem weiteren Wachstum auf 14,7 Millionen abgesetzen Fentereinheiten, die Nachfrage in der Sanierung werde weiterhin stagnieren.

Segmente Dach & Dämmung sowie Heizung erreichen Allzeithoch

Im Marktsegment Heizung lagen die DESAX-Werte 2018 fast das gesamte Jahr über dem Vorjahr. Im Januar - mit 247 schon 2017 ein starker Monat, stieg der Index sogar auf ein Allzeithoch von 283 Punkten. Nach der üblichen Sommerdelle kletterte er bis zum Oktober wieder auf 260 Punkte, um dann im November mit 237 erstmals unter das Vorjahresniveau (252) abzusacken. Ein Wachstumsträger der Branche sind Wärmepumpen. Laut Bundesverband Wärmepumpe wurden mit 84.000 Stück acht Prozent mehr Heizungswärmepumpen verkauft als im Vorjahr. Der Löwenanteil der verkauften Heizungen inDeutschland sind aber nach wie vor Gas-Brennwertheizungen. Trotz der ansteigenden Nachfrage nach neuen Heizungen kann nach Aussage der Verbände aber nach wie vor nicht von einer Wärmewende in deutschen Heizkellern die Rede sein.

Im Segment Dach & Dämmung bewegte sich der DESAX bis Juni 2018 über dem Vorjahresniveau. Mit 247 wurde im April auch hier ein Allzeithoch erreicht (Vorjahr: 109). Ab Juli lag die Nachfrage nach Angeboten dann jedoch unter den Werten des Vorjahres und fiel im Dezember sogar auf ein Allzeittief von 90. Insgesamt jedoch legt der Markt zu. Einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Branchenradar zufolge hat sich die Nachfrage nach Dämmstoffen zur Gebäudedämmung sowie nach Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) im Jahr 2018 moderat beschleunigt. Der Absatz von Dämmstoffen erhöhte sich um zwei Prozent gegenüber Vorjahr auf 37,5 Millionen Kubikmeter. Der Zuwachs bei Wärmedämm-Verbundsystemen lag absatzseitig bei plus 1,5 Prozent.Schwungrad war den Marktforschern zufolge in beiden Warengruppen der Neubau und hier insbesondere der Geschoßwohnbau, wenngleich auch das Bestandsgeschäft Wachstumsbeiträge lieferte. von Silke Thole

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