VDPM lehnt Verschärfung der Energieeinsparverordnung ab

Dämmverband setzt auf Freiwilligkeit

Hans-Joachim Riechers ist Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel. © VDPM

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) ist 2017 aus einer Fusion des Industrieverbandes WerkMörtel mit dem Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme hervorgegangen. Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Riechers fordert ein eigenes Ministerium für den Baubereich und steuerliche Anreize für die energetische Modernisierung.

Die deutsche Verbändelandschaft ist vielfältig. Man könnte auch sagen: unübersichtlich. Im Bereich Wärmedämm-Verbundsysteme aber ist mit dem VDPM eine klarere Struktur geschaffen worden. "Vorher kam es immer wieder zu Überschneidungen und – bei zwei Verbänden liegt es ja in der Natur der Sache – häufig haben wir dann nicht mit einer Stimme gesprochen, obwohl wir praktisch die gleichen Unternehmen vertreten haben", blickt Riechers zurück. "Ich denke, mit der Fusion haben wir ein richtiges Zeichen gesetzt", meint er.

Riechers will mit guten Argumenten davon überzeugen, dass gedämmte Außenwände das "A und O" für ein energieeffizientes Gebäude mit gesundem Raumklima seien. Denn mit der Begründung "Klimaschutz!" würden gesetzliche Rahmenbedingungen gefordert, die überall dort greifen sollen, wo Bauherren und Hausbesitzer nicht anders zu überzeugen wären. "Von dieser Art Lobbyarbeit möchten wir uns bewusst absetzen. Unsere Mitgliedsunternehmen können zahlreiche intelligente Lösungen – für den Neubau genauso wie für die energetische Modernisierung – anbieten, die alle dafür sorgen, dass die Wärme im Gebäude bleibt und nicht sinnlos durch die Außenwände entweicht. Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz", sagt er.

Für Riechers heißt das in der Konsequenz: "Wir wollen keine Verschärfung der Energieeinsparverordnung, auch nicht auf dem Umweg über das Gebäudeenergiegesetz. Aber wir sind sehr dafür, dass es steuerliche Anreize für die Wärmedämmung gibt, speziell für die energetische Modernisierung." Die Diskussion darüber werde schon viel zu lange geführt und habe bei Bauherren und Modernisierern zu einer abwartenden Haltung geführt.

Von der neuen Bundesregierung erwartet Riechers, dass sie das Thema "Bauen und Wohnen" stärker priorisiert. "Dazu gehört selbstverständlich auch ein eigenes Ministerium." Bei den energetischen Anforderungen an Gebäude müsse Ruhe einkehren. Der Status quo solle nicht schon wieder verändert werden – nicht in die eine und nicht in die andere Richtung.

Eine klare Abfuhr müsse allen Ansätzen erteilt werden, bei denen ein schlecht gedämmtes Gebäude "schön gerechnet" werden könne, indem man es mit vermeintlich "grüner" Energie beheize. Bestrebungen dazu gab es bei der Formulierung der neuen EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie. "Energie, ob erneuerbar oder konventionell, wird immer ein kostbares Gut bleiben. Den effizientesten Beitrag zum Klimaschutz leistet immer noch die Energie, die erst gar nicht verbraucht wird", sagt Riechers.

Mitarbeit an der europäischen Normung

Der VDPM vertritt mehr als 100 Hersteller von Fassadendämmsystemen, Außen- und Innenputzen, Mauermörtel und Estrich. Auch die Zuliefererindustrie ist vertreten, unter anderem sind Anlagenhersteller, Bindemittel- und Rohstoffhersteller, Dämmstoffhersteller sowie Hersteller von Zubehör und Verpackungsmaterialien dabei.

Das gemeinsame Auftreten bringe nicht nur inhaltliche Synergien, sondern auch Sympathien bei den Zielgruppen und Branchenpartnern, berichtet Ralf Pasker, vormals Geschäftsführer des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme, von seinen Erfahrungen seit der Fusion im Umgang mit Institutionen in Berlin und Brüssel. Dort hat er auch als Geschäftsführer der European Association for External Thermal Insulation Composite Systems zu tun.

Pasker ist nun als Geschäftsführer beim VDPM für den Arbeitskreis Fassadendämmung verantwortlich und damit für einen der Kernbereiche des Verbandes. Mit der konstituierenden Sitzung in Duisburg nahm der Arbeitskreis im Dezember seine Arbeit auf. Schwerpunkt war das Thema europäische Normung von Wärmedämmverbundsystemen. "Wir begleiten diesen Prozess sehr eng, nehmen zu allen Entwürfen Stellung, machen Formulierungsvorschläge und haben in einigen europäischen Gremien sogar die Federführung", sagt Arbeitskreisleiter Kay Beyen. Und Ralf Pasker ergänzt: "Am Ende werden die auf europäischer Ebene getroffenen Regelungen auch in Deutschland gelten und die Zulassungen ablösen. Der Einsatz ist also in jeder Hinsicht gerechtfertigt."

Kooperation mit Stuckateuren

Im Arbeitskreis Fassadendämmung sind auch Vertreter von außerordentlichen Mitgliedern aktiv. So entsteht gemeinsam mit den Handwerksverbänden der Stuckateure und Maler ein Flyer zum Entsorgen von Polystyrol, in dem die neue Rechtslage erläutert wird. Eine Broschüre zur Information von Hauseigentümern und Mietern steht ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung.

Der VDPM kooperiert auch mit dem 2016 gegründeten Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG). Dieser vertritt als Dachverband Unternehmen der gesamten Gebäudehülle mit Wänden, Dach, Türen und Fenstern. Der BuVEG ersetzte den 2015 aufgelösten Gesamtverband Dämmstoffindustrie. Dieser hatte nach massiver öffentlicher Kritik an industriellen Dämmstoffen die Notwendigkeit eines Neuanfangs gesehen.

Das nächste Mal wird sich der Arbeitskreis Fassadendämmung dann am neuen Verbandssitz in Berlin treffen. "Der Standortwechsel von Duisburg und Baden-Baden in die Hauptstadt war unseren Mitgliedern wichtig, denn so haben wir zu allen technischen und politischen Institutionen kurze Wege und dort eine stärkere Wahrnehmung", sagt Riechers. Neue Büroräume in Berlin-Mitte habe man bereits gefunden. von Susanne Ehlerding

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