Mit wenig Aufwand lässt sich viel Wirkung erzielen

Dämmung der obersten Geschossdecke rechnet sich schnell

Oft reicht die Dämmung der obersten Geschossdecke aus. © Eternit

Die Dämmung der obersten Geschossdecke ist immer noch eine besonders einfache und kostengünstige Maßnahme. Muss der Dachboden nicht begehbar sein muss, amortisiert sich die Maßnahme schon innerhalb von zwei Jahren. Dieses gute Kosten-Nutzen-Verhältnis hat das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) in einer Studie herausgestellt.

Das FIW geht in der Untersuchung aus dem Jahr 2015 davon aus, dass Dämm-Maßnahmen nur dann erfolgen, wenn das Gebäudeteil sowieso angefasst werden muss. Ansonsten wären die Amortisationszeiträume wesentlich länger. Inzwischen sind fast zwei Drittel aller Dachflächen in Deutschland gedämmt, „jedoch nicht unbedingt auf einem heutzutage sinnvollen energetischen Standard“. 

Maßnahmen nach heutigem Standard wie die Herstellung einer begehbaren gedämmten Geschossdecke haben ihren Preis: Sie amortisieren sich nach Berechnungen des FIW im gleichen Zeitraum wie eine Fassadendämmung, nämlich nach sechs Jahren. Es sei denn, die obersten Geschossdecke ist bereits begehbar und kann zwischen den Balken mit einer Einblasdämmung versehen werden.

Zelluloseflocken lassen sich auch offen aufbringen

Besonders Einblasdämmungen mit Zellulose verbreiten sich wegen ihrer einfachen Handhabung immer mehr, sagt der Energieberater Christian Reher aus Berlin. "Man muss nur zwei Dielen rechts und links hochheben. Und man muss nicht durchs Haus, sondern die Zellulose wird direkt aus dem Hänger rausgesaugt", sagt Reher.

Bei Dächern, die nicht begangen werden, kann man Zellstoffflocken sogar offen aufbringen. Die Dachböden sehen dann aus, als hätte es geschneit. "Das geht natürlich nur, wenn das Dach sowohl regendicht als auch winddicht ist", sagt Reher. Für den Schornsteinfeger würden, wenn nötig, ein paar Planken gelegt.

Als nachwachsende Dämmstoffe werden für die oberste Geschossdecke auch Flachs, Hanf und Holzfasern genutzt, berichtet Reher weiter - sowohl als Platten, als Schüttung oder zum Einblasen. Im Preis unterscheiden sich die drei Materialien nicht wesentlich, sagt Reher, jedenfalls seien die Preise in Bewegung. Eine ausreichend dicke Hanfdämmung als Matte kostet im Schnitt ab zehn Euro pro Quadratmeter, Flachs- und Holzfasermatten ab rund fünf Euro pro Quadratmeter. Flachs und Hanf eignen sich gut fürs Ausstopfen von Winkeln und Nischen.

Holzbalkendecken eignen sich für Einblasdämmung

Als "Schlüssseltechnologie für die energetische Sanierung im Altbau" sieht Arnold Drewer die Einblasdämmung. Vor gut zwei Jahren hat er den Fachverband Einblasdämmung (FVED) gegründet, um das Verfahren zu promoten. "Im Altbau sind 50 Prozent der Abschlüsse Holzbalkendecken", sagt er. Zwischen den Heraklitplatten oder dem Gipskarton unten und den Fichtenbrettern oben sei oft gar keine Dämmung. Nichts sei einfacher, als hier mit einer Einblasdämmung zu arbeiten: "Man braucht keine Konstruktion und keinen Matten zu schneiden. Einfach Brett raus und Schlauch rein." Zwei Handwerker könnten in einer Stunde so bis zu 20 Quadratmeter dämmen.

Warum Einblasdämmungen trotzdem nicht öfter eingebracht werden? Dafür sieht Arnold Drewer zwei Gründe: "In der Ausbildung spielt der nachträgliche Wärmeschutz so gut wie gar keine Rolle. Und die Arbeitsgruppe für die Auslegung der Energieeinsparverordnung EnEV) der Bauministerkonferenz hat weitgehende Ausnahmen zugelassen. So gilt eine Holzbalkendecke ohne Ansicht ihrer Stärke oder Dämmwirkung stets als ausreichender Wärmeschutz."

Arnold Drewer hat dagegen berechnet, dass die wirtschaftlichste Dämmstärke einer obersten Geschossdecke aus 40 Zentimetern Zellulose besteht. "Wenn alle deutschen Dächer auf diese Stärke gedämmt würden, könne man zwei Millionen Tonnen mehr CO2 einsparen, als wenn man die Dämmstärke von 16 Zentimetern ansetzt, die die EnEV vorschreibt", sagt er.

Oft reicht die Dämmung der Obergeschossdecke

Ein Fehler passiere nach Erfahrung von Christian Reher beim Dämmen der obersten Geschossdecke immer wieder: "Der häufigste ist, dass man sich keine Gedanken über Wärmebrücken macht", sagt Reher. Trennwände und Schornsteine müssten ein Stück hochgedämmt werden, damit dort keine Wärme abfließt. Arnold Drewer empfiehlt, sich genau zu überlegen, ob wirklich auch die Dachschrägen gedämmt werden müssen: "Wenn das Dach nicht genutzt wird, muss man nur die oberste Geschossdecke dämmen", sagt Drewer. Das spare allein aufgrund der geringeren Quadratmeterzahlen viel Geld. "Doch in Deutschland sind Hunderttausende Dächer gedämmt, wo die oberste Geschossdecke gereicht hätte." Susanne Ehlerding

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zu Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen. Im ersten Beitrag haben wir uns mit Materialtrends bei nachwachsenden Rohstoffen befasst. Der zweite Text hat sich mit dem Marktchancen für Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt.

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