Unzulässige Fassadenverkleidung soll Brand beschleunigt haben

Brand in London löst heftige Diskussionen aus

In London sind nach dem Brand des Grenfell-Hochhauses nach derzeitigen Erkenntnissen 58 Menschen ums Leben gekommen. Der Brand hat in der Presse, aber auch in der Politik heftige Diskussionen um Dämmung ausgelöst. Die Tagesschau meldete, dass die verwendete Verkleidung, die nach ersten Erkenntnissen die Ausbreitung des Brandes beschleunigt haben soll, wohl bereits verboten war.

In Berichten, etwa bei Spiegel Online oder im Focus, wurde bereits kurz nach dem Brand umfassend über die Brandgefahr durch Dämmung mit Polystyrol berichtet. Die Aussagen beziehen sich aber in der Regel auf Mutmaßungen. Es war noch nicht klar, ob in dem Gebäude in London überhaupt Polystyrol verbaut war, wie genau die Brandvorschriften bei Hochhäusern in Großbritannien sind und ob diese eingehalten wurden.

Das Bundesumweltministerium spricht in einem Faktenblatt, das nach der Brandkatastrophe herausgegeben wurde, von einer hinterlüfteten Fassade. Der britische Guardian berichtet von einer entflammbaren Aluminium-Verkleidung mit Polyethylen-Kern als Fassadenmaterial. Das Material sei billig und werde deshalb häufig an Hochhäusern eingesetzt. Es sei auch bei anderen Hochhäusern verwendet worden, die gebrannt haben und werde für die Ausbreitung eines Brandes im australischen Melbourne verantwortlich gemacht, schreibt das Blatt weiter.

Der Guardian zitierte erste Berichte, nach denen es aufgrund einer Luftschicht zwischen Fassade und Verkleidung zu einem Kamineffekt gekommen sei, der die Ausbreitung der Flammen nach oben beschleunigt habe.

Das Bundesumweltministerium hat kurz nach der Brandkatastrophe mit einem Faktenblatt in die Diskussion eingegriffen. Darin beschäftigt sich das Ministerium unter anderem damit, wie die Vorschriften zum Brandschutz in Deutschland sind.

Hierzulande darf ab 22 Metern Höhe nicht mit brennbaren Bauprodukten gebaut werden. Bei niedrigeren Gebäuden ist bei der Dämmung auch die Verwendung von schwer entflammbaren Materialien zulässig. Um Gefahren zu vermindern, wurden im Januar 2016 die Brandvorschriften bei der Verwendung von Dämmung mit EPS verschärft. Seither sind weitere Brandriegel vor allem im unteren Gebäudebereich vorgeschrieben. Dadurch soll beispielsweise verhindert werden, dass Brände von Mülltonnen oder angrenzenden Kleinbauten wie Fahrradunterständen auf benachbarte Gebäude übergreifen.

In Deutschland steht in der bisherigen medialen Debatte zu den Brandursachen EPS im Mittelpunkt, auch wenn nach bisher vorliegenden Informationen in London kein EPS verbaut wurde. So forderte Kai Warnecke, Chef der Hausbesitzerverbands Haus und Grund, "im Zweifel müssten bereits montierte Polystyroldämmungen auf Kosten der Industrie entfernt und entsorgt sowie durch nicht brennbare Stoffe ersetzt werden." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will Dämmung erneut untersuchen lassen.

Brandschutzexperten wiesen auf die in Deutschland ohnehin strengeren Auflagen bei verwendeten Materialien, Brandwarneinrichtungen und Rettungswegen hin. Bei Einhaltung der Anforderungen, so das Bundesumweltministerium, sei nach Expertenmeinung eine Brandkatastrophe wie in London ausgeschlossen. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die Bauvorschriften eingehalten und dies auf der Baustelle auch überwacht wird. Das scheint in London nicht der Fall gewesen zu sein. Von Pia Grund-Ludwig

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