Wasserspeichernde Fassadensysteme für lebenswertere Städte

Aktive Fassaden verbessern die Luft

Jan-Peter Hinrichs vom Bundesverband Gebäudehülle. © Julia Nimke

Am Dienstag hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über Fahrverbote in Städten entschieden. Nach einer aktuellen Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP im Auftrag des Bundesverbandes Gebäudehülle (Buveg) gibt es schon heute andere Möglichkeiten, Stadtbewohner vor Schadstoffen zu schützen.

Entstanden ist die Fraunhofer-Studie "Potentiale von Gebäudehüllen zur Reduzierung der Hitzeentwicklung und Verbesserung der Luftqualität im urbanen Kontext" bereits Ende 2017. Für bessere Luft könnten demnach aktive Fassaden und Straßenbeläge sowie Moose und Gräser sorgen. Eingesetzt würden diese Techniken aber noch zu selten, kritisiert der Buveg. Das liege auch an einer zu starren Gesetzgebung und einem zu geringen Wissen in deutschen Bauämtern um die Techniken.

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Buveg: "Um die Potentiale der zur Verfügung stehenden Technologien nutzen zu können, brauchen wir drei Dinge: Bessere Stadtplanung, flexiblere Gesetze und bessere Förderung. Nur mit einem geplanten und flächendeckenden Einsatz der Technologien können Städte widerstandsfähig werden und lebenswert bleiben."

Um die Überhitzung von Städten zu vermeiden, gibt es laut Studie insbesondere zwei Methoden: Reflektierende Farben, sogenannte Cool Colours, und die Verdunstung von Wasser – in der Stadtplanung unter dem Stichwort "Schwammstadt" bekannt.

Cool Colours werfen ankommende Sonnenenergie zurück, damit sie nicht Gebäude und Straßen aufheizt. Blenden tun die so beschichteten Oberflächen nicht. Reflektierende Oberflächen für Dächer sind bereits in einigen Bundesstaaten der USA für bestimmte Gebäude vorgeschrieben.

Kühlung entsteht auch durch die Verdunstung von Wasser. Damit man diese Verdunstungskühlung auch in Städten nutzen kann, muss Niederschlagswasser von den Gebäuden aufgenommen und gespeichert werden. Bei Sonneneinstrahlung geben die Gebäude das Wasser in Form von Dampf wieder ab. Dies kann zum einen auf Dächern geschehen, die in ihrer obersten Schicht Wasser speichern.

Auch wasserspeichernde Fassadensysteme können einen Beitrag leisten. So wird die Temperatur von Fassaden aus wasseraufnahmefähigen Vormauersteinen bei starker Schlagregenbeanspruchung um rund fünf Prozent vermindert. Die Verdunstung des aufgenommenen Regenwassers kompensiert damit zu einem großen Teil die Erwärmung des Mauerwerks durch die Sonneneinstrahlung.

Wirkungsvoll sind auch Moose und Gräser, um die Luftbelastung zu reduzieren. In Modellierungen einer Studie aus dem Jahr 2012 konnten durch großflächig begrünte Wände in Straßenschluchten bis 15 Prozent der Stickoxide gefiltert werden. Bei geringen Windgeschwindigkeiten sind sogar Minderungen von bis zu 40 Prozent nachgewiesen.

Der Buveg repräsentiert alle an der Gebäudehülle beteiligten Gewerke. Dazu gehören Hersteller von Steinen, Fenstern, Türen, Fassaden, Putzsystemen und Dämmstoffen. Der Verband sieht seine Aufgabe darin, neue und innovative Ideen zu entwickeln, wie Wohn-, Arbeits- und Lebensräume in Deutschland gestaltet werden können. Mitglieder sind BASF, FMI Fachverband Mineralwolleindustrie, Industrieverband Hartschaum (IVH), IVPU - Industrieverband Polyurethan-Hartschaum, Knauf Insulation, Deutsche Rockwool, Saint Gobain Isover, Schüco, Sto, Schlagmann Poroton, URSA und Velux. Quelle: Buveg / sue

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