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Thomas Bareiß fordert eine Anpassung Mitte 2011

Einspeisevergütung 2011 bereits jetzt umstritten

2011 sollen weniger Solarmodule aufs Dach. Bild: Solarworld

Die Jahresendralley bei der Fotovoltaik scheint 2020 auszubleiben. Dennoch werden Forderungen laut, 2011 einen Deckel für den Fotovoltaik-Ausbau einzuführen.

Noch ist das Jahr 2010 nicht zu Ende, da wird bereits über weitere Maßnahmen zur Absenkung der Vergütung für Solarstrom für 2011 diskutiert. Die Reduzierung der Einspeisevergütung zum Juli und Oktober 2010 hat zu einer Abschwächung beim Solarzubau geführt. Einigen Unionspolitikern reicht das nicht, sie fordern deutliche Einschnitte für 2011 und einen fixen Ausbaukorridor.

Es gebe "eine massive Überförderung, die zu Fehlanreizen führt", heißt es in einem Brief des energiepolitischen Sprechers Thomas Bareiß (CDU) an Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und die Fraktionsführung. "Unter finanziellen und technischen Gesichtspunkten droht der derzeitige, kaum gebremste Ausbau der Fotovoltaik aus dem Ruder zu laufen."

2010 wird sich die Zahl der Solaranlagen in Deutschland nahezu verdoppeln. Eine solche Entwicklung wollen einige Unionspolitiker für 2011 verhindern. Dabei gehen die Schätzungen weit auseinander. Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht von 6.000 Megawatt, die Bundesregierung von 3.500 und die Stromnetzbetreiber von 9.500. Das Marktforschungsunternehmen IMS Research erwartet einen Rückgang des Fotovoltaik-Zubaus in Deutschland 2011 und einen weltweiten Anstieg auf 19 Gigawatt. In Deutschland werde es 2011 ein Plus von 8.000 Megawatt geben, schätzen die Marktforscher.

Einspeisevergütung ab 2011
Anlage=<30kW30-100kW>100-1000kW
auf/an Gebäuden
oder einer Lärmschutzwand
28,74 ct/kWh27,34 ct/kWh25,87 ct/kWh
Eigenverbrauch anteilig
bis 30%
12,36 ct/kWh10,96 ct/kWh09,49 ct/kWh
Eigenverbrauch anteilig
über 30%
16,74 ct/kWh15,34 ct/kWh13,87 ct/kWh

 

Bareiß will nun nach Angaben der Financial Times Deutschland schon zum 1. Januar 2011 eine erneute Kürzung der Einspeisevergütung. Je nachdem, wie stark sich der Ausbau im Frühjahr fortsetzt, müsse man die Vergütung Mitte 2011 zusätzlich kürzen. Auch eine pauschale Begrenzung des Zubaus auf etwa 3.000 Megawatt müsse geprüft werden, so Bareiß.

Bei dem Branchenverband Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) stößt das natürlich auf wenig Gegenliebe. Die Solarwirtschaft habe in der PV-Roadmap "Wegweiser Solarwirtschaft" unter anderem belegt, dass sich die Verbraucherumlage zur Finanzierung eines angestrebten jährlichen Fotovoltaikausbaus in der Größenordnung von 3 bis 5 Gigawatt auf rund 2 Cent je Kilowattstunde begrenzen lasse, argumentiert der Verband. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Ausbau dieser Größenordnung kann Solarenergie bereits im Jahr 2020 rund 10 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Die dafür notwendigen Investitionen dieser Größenordnung zahlten sich volkswirtschaftlich aus. Dabei beruft sich der BSW auf eine Studie von Roland Berger und eine Prognos-Studie. Zur Erreichung dieser Ziele bedürfe es keiner unflexiblen Mengenbegrenzung oder zusätzlicher Kürzungen nach dem Schnellschuss-Prinzip. Es gelte im ersten Halbjahr 2011 zu beobachten, ob der Zubau von Fotovoltaik-Anlagen sich in die von Regierung und Branche gewollte Richtung entwickelt und absehbar 2012 in den im "Wegweiser Solarwirtschaft" aufgezeigten Zubau-Korridor von 3-5 Gigawatt im Jahr einschwenke.

Die Stromkonzerne hatten die Umlage für Erneuerbare Energien genutzt, um ihre letzte Runde an Preiserhöhungen zu begründen. Die Bundesnetzagentur hält die massive Strompreiserhöhungswelle aber für ungerechtfertigt. Die Stromversorger versuchten, die Steigerung der Ökostrom-Umlage um 1,5 Cent pro Kilowattstunde an die Kunden weiterzureichen, heißt es in einem Schreiben von Präsident Matthias Kurth an den Beirat der Netzagentur.

Die Deutsche Presse-Agentur zitiert Kurth mit den Worten, das sei "sachlich nicht gerechtfertigt". Immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien wirke sich dämpfend auf die Großhandelspreise für Strom aus, da sie sukzessive teure Kraftwerke aus dem Markt verdrängen. Es gebe dadurch insgesamt sogar einen Spielraum für Preissenkungen in einer Größenordnung von 3 Cent pro Kilowattstunde. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte die massiven Erhöhungen mit der einseitigen Begründung einer steigenden Ökostrom-Umlage kritisiert.

Weltweit wird es auf jeden Fall ein weiteres enormes Wachstum geben. IMS Research hat für die weltweiten Fotovoltaik-Märkte seine frühere Einschätzung bestätigt, dass die neu installierte Fotovoltaik-Leistung im laufenden Jahr die 16 Gigawatt-Marke leicht übersteigen wird. Die starke Nachfrage aus Italien und USA halte an. Hinzu kämen neue Märkte in Osteuropa und Asien, so die Forscher. Die tragen auch das Wachstum im kommenden Jahr, meint Ash Sharma, Direktor der Fotovoltaik-Forschung bei IMS Research: "Trotz des erwarteten Rückgangs im deutschen Markt sehen wir der Entwicklung des Fotovoltaik-Marktes 2011 sehr positiv entgegen und rechnen mit einem Wachstum von mindestens 19 GW. Wir erwarten eine anhaltend starke Nachfrage von den großen Märkten wie Italien und den USA, dazu kommen viele neue Märkte in Osteuropa und Asien".

Nach Meinung der IMS wird das Wachstum mindestens vier Jahre anhalten; über 100 Gigawatt Zubau werden erwartet. "Wir haben 18 Märkte identifiziert, von denen jeder nächstes Jahr mindestens 100 MW installieren wird. Letztes Jahr gab es nur acht solcher Märkte", sagt Sharma. Der Anteil Deutschlands am Fotovoltaik-Markt soll 2011 auf unter 35 Prozent sinken und danach weiter zurückgehen. Die Investoren wenden sich im Moment Italien, Frankreich und wieder Spanien zu, beobachtet Henning Wicht von I-Supply. Diese Länder böten noch gute Bedingungen.

Einen Ausbau der Produktionskapazitäten gibt es derzeit vor allem in China. Alle sieben chinesischen Unternehmen, die auf dem Weltmarkt aktiv sind, bauen ihre Produktionskapazitäten massiv aus. "Während die europäischen Länder wie Deutschland führend sind bei den Installationen hat China eine dominierende Position bei Solarzellen und Modulen aufgebaut", sagt Greg Sheppard, Chef-Forscher bei I-Supply. Mehr als 70 Prozent der Module der Top Ten der Modulhersteller kommen aus China, sagt Sheppard. Immerhin konnte die norwegische REC beim Zubau Platz 2 hinter LDK erreichen.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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