RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Solar & Geothermie » Aktuelles » Artikel » Trotz vieler Tests lauern bei PV-Modulen Fehlerquellen

Qualität ist nur schwer zu überblicken

Trotz vieler Tests lauern bei PV-Modulen Fehlerquellen

29.09.2016, 08:30

Wärmebildaufnahme von PV-Modulen
Wärmebilder zeigen Defekte an PV-Modulen. © TÜV Rheinland

Wer eine Photovoltaik-Anlage installiert, der erwartet vor allem eine lange Lebensdauer und die versprochene Leistung, damit sich die Investition rechnet. Doch kann sich der Käufer darauf verlassen, dass die Qualität der Module stimmt? Tests und Versprechen gibt es viele, aber keine 100-prozentige Verlässlichkeit.

Das Ergebnis klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Die britische Verbraucherorganisation "Which?" testet Hersteller von Solarmodulen und alle erzielen Bestnoten. Zweifel sind angebracht, unter anderem, weil die Tester nur vier Punkte des Herstellungsverfahrens untersuchten, nicht die Module selbst. Doch wer versucht, unabhängige und neutrale Bewertungen von PV-Modulen zu erhalten, hat es nicht leicht: Die letzte Untersuchung der Stiftung Warentest ist etliche Jahre her. Man konzentriere sich auf die Produkte, zu denen Tests stark nachgefragt würden, heißt es dort. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband beschäftigt sich nach eigenen Angaben nicht mit PV-Qualitätstests.

Fertigung unterliegt vielen Tests

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) will sich zu den einzelnen Testmethoden nicht äußern, da diese letztlich Produkte seien. BSW-Bereichsleiter Markt und Kommunikation, David Wedepohl, verweist aber auf die für alle Anlagen einzuhaltenden Normen und Standards. "Komponenten einer Solaranlage - zum Beispiel PV-Module und Wechselrichter - zählen zu den 'elektrischen Betriebsmitteln' und für diese gilt zum Beispiel die IEC61730-Norm", so Wedepohl. Außerdem müsse jede Anlage in Deutschland nach den gültigen bauaufsichtlichen Bestimmungen geplant und errichtet werden. "Fertigungsfehler werden durch den sogenannten Hot-Spot-Test der Norm IEC 61215/61646 abgeprüft." Je nach Verwendungszweck kämen beispielsweise für Anlagen in Küstennähe noch Salznebeltests hinzu.

Eines der großen Prüfinstitute für PV-Module ist der TÜV Rheinland. "Es gibt für die verschiedensten Modulformen Normen, nach denen geprüft wird", bestätigt auch dessen Geschäftsfeldleiter Solar, Willi Vaaßen. Dabei werden zufällig ausgewählte Module aus der Produktion gezogen und zum Teil mehrwöchigen Tests unterzogen, die international standardisiert sind. "Das hat nicht immer mit Lebensdauer zu tun, aber mit Sicherheit und Stressbelastung."

Dazu gehört etwa der Temperaturzyklus-Test, in dem das Modul 200 Mal innerhalb weniger Stunden von -40 auf +85 Grad Celsius aufgeheizt wird, was die Verbindungselemente unter enorme Belastung setzt. Der Elektrolumineszenz-Test macht kleinste Risse oder Kratzer in den Zellen sichtbar.

Bei einem anderen Test muss das Modul 1000 Stunden bei 85 Grad und 85 Prozent relativer Luftfeuchte in der Klimakammer überstehen, ohne das sich Ablösungen am Laminat ergeben dürfen. Die Solarmodule werden mit Hagelkörnern beschossen und starken Winden ausgesetzt. Anschließend schauen die Prüfer, ob sich das Produkt optisch verändert hat, ob die Isolation gelitten oder ob sich die Leistung um mehr als fünf Prozent verschlechtert hat. Wenn ja, ist das Produkt durchgefallen.

Viele Hersteller sparen bei Zertifikaten

Bis vor einigen Jahren habe diese Typprüfung einen enormen Stellenwert gehabt, berichtet Vaaßen aus seiner mehr als 35-jährigen Erfahrung als Solartester. Durch die Krise in der Solarbranche habe es aber einen großen Know-How-Abfluss gegeben, die Qualitätssicherung sei nicht mehr immer die Beste. Manchen Herstellern gehe es heute darum, schnell das Zertifikat zu bekommen, auch von "sehr flexiblen Instituten", die nicht sauber arbeiten, "obwohl es hier um Risikobegrenzung geht".

Bei den Herstellern, die der TÜV Rheinland zertifiziert, nehmen die Prüfer in ihrem Labor zufällig ausgewählte Module unter die Lupe und direkt vor Ort die Produktion beim Hersteller. Dies gebiete die Pflicht zur Marktüberwachung, so Vaaßen. Dort würden unter anderem die Rohmaterialien, die Qualitätssicherung, die Produktionsprozesse sowie die Qualifikation des eingesetzten Personals abgeprüft - also ganz ähnliche Kriterien, die auch die Briten von "Which?" bei ihrem Test der Hersteller anwandten.

Die Tester dort untersuchten die Montage und Laminierung der einzelnen Zellen sowie der gesamten Module inklusive der Verbindungen. Zusätzlich analysierten sie die Kontrollverfahren vor der Fertigung und die Qualitätsprüfungsprozesse nach der Produktion.

"Erstaunlich, dass alle hervorragend abschließen"

"Das ist schon erstaunlich, dass alle hervorragend abschließen", sagt Vaaßen zu diesem Test. Denn seine Mitarbeiter haben oft etwas zu beanstanden. Ein entscheidender Faktor bei einer Prüfung sei die Qualifikation des Auditors. Die jährlichen Inspektionen des TÜV Rheinland finden angekündigt statt - eine Schwäche des Systems, wie der Experte eingesteht. Aber unangekündigt komme man oft nicht einmal am Pförtner vorbei. Hinzu können Sonderprüfungen kommen: "Wenn etwas über ein Produkt bekannt wird, müssen wir dem nachgehen." Dennoch sei eine Garantie auf konstant gleichbleibende Qualität nicht möglich. "Die Tests sind immer eine Momentaufnahme", sagt Vaaßen. "Deshalb ist es im Moment unumgänglich, dass diejenigen, die Module kaufen - vor allem die, die große Anlagen bauen - den Kauf kritisch begleiten", rät der Experte. "Wir empfehlen eine oder mehrere Fertigungsinspektionen", dazu natürlich umfangreiche Tests mit einzelnen Modulen aus der jeweiligen Tranche.

Eine Fehlerquelle sei beispielsweise, dass Hersteller für ein und dasselbe Produkt verschiedene Materialien verwenden, etwa unterschiedliche Gläser. "Dann müssen alle denkbaren Kombinationen getestet werden." Bei einer Auswertung seiner eigenen Inspektionen an 100 Großanlagen mit insgesamt 14 Gigawatt installierter Leistung stellte der TÜV Rheinland fest: "30 Prozent der Anlagen hatten große oder sehr viele Fehler, 50 Prozent dieser Fehler hatten mit der Installation zu tun", berichtet Vaaßen.

Aber auch ander Komponenten der Anlage könnten fehlerhaft sein. Das bedeutet: Selbst wenn man einwandfreie Module erwirbt, können deren Betrieb und Leistung durch Fehler beim Aufbau leiden. "Ein Laie kann die Qualität der einzelnen Komponenten sowie deren fachgerechte Installation kaum beurteilen", sagt auch Wedepohl.

PV-Installateure können sich zertifizieren lassen

Mit Blick auf die Kleinkunden und Hausbesitzer zertifiziert der TÜV Rheinland inzwischen auch Installateure, denn: "Es macht keinen Sinn, bei einer Anlage für 5000 bis 7000 Euro eine Inspektion durchzuführen, die schnell 500 oder 1000 Euro kostet."

Weil das für Endverbraucher, die eine kleine Anlage aufs Dach setzen wollen, kaum möglich und wirtschaftlich ist, hat der TÜV Rheinland zusammen mit dem PV-Magazine den eingehenden PV+-Test entwickelt. Der enthält inzwischen auch den PID-Test gegen Potenzialinduzierte Degradation. Diese lässt die Leistung eines PV-Moduls auf einen Bruchteil des eigentlich Möglichen absinken, wenn zwischen dem Modul und dem Rahmen eine negative Ladung entsteht.

Hersteller können Bekanntgabe der Testergebnisse verweigern

Das Konstrukt des PV+-Tests: Die Hersteller bezahlen die Modultests, der TÜV prüft aber unabhängig. Der Produzent kann am Ende lediglich entscheiden, ob sein Ergebnis veröffentlicht wird oder nicht. Allerdings tauchen in der Ergebnisliste recht wenige PV-Module auf - bislang 16 -, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass alle anderen schlecht seien. "Wir hatten einen Hersteller, der bekam eine 1-, wollte aber unbedingt eine 1", deshalb habe er die Veröffentlichung verweigert, schildert Vaaßen.

Grundsätzlich sei der Test ein gutes Instrument, um Informationen über die Module zu geben, so Vaaßen. "Davon abgesehen muss man sich auf die Angaben der Hersteller und Installateure verlassen."

David Wedepohl verweist hingegen auf den vom BSW und dem Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke entwickelten Photovoltaik-Anlagenpass, den man als Kunde verlangen sollte. Darin bestätige der Handwerker seinem Auftraggeber, "dass er nach den Regeln der Technik gearbeitet hat und ein qualitativ hochwertiges Gesamtprodukt übergibt". Zudem sollte der Fachbetrieb die Funktion der installierten Anlage umfassend kontrollieren und deren im Angebot genannte Leistung bestätigen.

Davon abgesehen rät Wedepohl dazu, die Erfahrungsberichte anderer PV-Anlagenbesitzer im Internet und die Tests von Zeitschriften zur Entscheidung hinzuzuziehen. Vor der Auftragsvergabe solle man sich Referenzen einholen und mit anderen Kunden des Installateurs sprechen. Trotzdem gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, sagt Vaaßen: "Eine Garantie, dass die Anlage durchgängig super läuft, kann man nie geben." Es sei denn, der Hersteller tut dies. Von Daniel Völpel

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner