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Größere Installationen haben stärkeren Zuwachs

Solarthermie leidet unter launischer Förderpolitik

11.06.2010, 05:48

Solarhaus 50
Der Markt für große Solaranlagen zieht an. Bild: Grund-Ludwig

Die Solarthermie musste nach einem schwierigen Jahr 2009 auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres Federn lassen. Erst 2012 können die Rekordumsätze des Jahres 2008 wieder erreicht werden, so Schätzungen auf der Fachmesse Intersolar.

Deutschland ist wie bei der Fotovoltaik auch in der Solarthermie der entscheidende Markt in Europa. Derzeit entfallen 38 Prozent der europäischen Installationen für solare Wärme auf Deutschland, der größte Teil davon auf Baden-Württemberg und Bayern. 2009 haben die fünf nachfolgenden Länder in der europäischen Solarthermie-Rangliste Österreich, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien mit gemeinsam 39 Prozent erstmals Deutschland übertroffen.

Ähnlich wie in Deutschland sind aber auch dort die politischen Rahmenbedingungen entscheidend. Portugal beispielsweise hatte 2008 ein Förderprogramm aufgelegt und starkes Wachstum erzeugt, musste dies jedoch aufgrund der Krise 2009 wieder einstellen. Insgesamt ist auch der europäische Solarthermie-Markt deshalb 2009 um 10 Prozent geschrumpft.

Der deutsche Markt war auch in den ersten Monaten 2010 aufgrund der Unsicherheiten und der Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm eher schwächelnd. "Wir sind nicht einverstanden mit der Förderpolitik" beschwerte sich Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft über die Stopp-and-Go-Förderung. Die Aufhebung der Haushaltssperre, die nun für Juli 2010 angekündigt ist, kommt für die Branche spät, die Umsatzeinbußen der vergangenen Monate seien kaum noch wettzumachen. Für jeden Monat, in dem es keine Zuschüsse gebe, summieren sich die Verluste laut Angaben von Branchenverbänden auf 100 Millionen Euro.

Die relativ niedrigen Ölpreise trügen derzeit ebenfalls zu einer Zurückhaltung bei, beobachtet Körnig. Hier müsse die Politik den Verbrauchern aber reinen Wein einschenken und ihnen klarmachen, dass mit einem Anziehen der Konjunktur auch Öl- und Gaspreise steigen, forderte Körnig. Es müsse zudem zu einer Verdoppelung der Sanierungsquote bei Heizanlagen kommen. Diese betrage derzeit 3 Prozent, sinnvoll seien 6 Prozent. Deshalb hält Körnig es für notwendig, das Bundeswärmegesetz, das den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Heizung fordert, auch auf den Altbau auszudehnen. Für die EU ist es geplant, in Deutschland geht bislang Baden-Württemberg als einziges Bundesland diesen Weg. Auch andere Länder wie Hamburg und Berlin diskutieren aber über striktere Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien bei der Wärmeerzeugung.

Oliver Drücke vom Europäischen Solarthermie-Verband Estif sieht zudem einen Trend hin zu größeren solarthermischen Anlagen, die Mehrfamilienhäuser versorgen. In Frankreich zeichne sich das schon seit zirka zehn Jahren ab, das habe nun auch Deutschland inspiriert.

Bestandsgebäude, die aufgrund der Umrüstung auf Erneuerbare Energien größere Wärmespeicher brauchen, adressiert das Unternehmen Fsave, das mit seinen Ideen einen der begehrten Intersolar Awards gewonnen hat. "Durch die intelligente Lösung können größere solarthermische Anlagen realisiert werden", lobte Volker Wittwer vom Fraunhofer-Instuitut für solare Energiesysteme das Produkt in seiner Laudatio in München.

Man bediene dabei ein anderes Marktsegment als Sunsave, die ebenfalls flexible Speicher vertreibt, erläutert Fsave-Geschäftsführer Claudius Wilhelms im Gespräch mit EnBauSa.de: "Wir arbeiten mit Sachwich-Platten aus PU-Hartschaum, die eine mechanische Steifigkeit erlauben." Damit werden keine runden Speicher gebaut, sondern eckige, die den Raummaßen entsprechen. Die Dämmstärke sei geringer, aber genau so effektiv wie bei Sunsave, sagt Wilhelms.

Eine Individuallösung für beliebige Dimensionen haben die Kasseler schon seit einiger Zeit im Programm, den Intersolar Award haben sie für einen Standardspeicher mit 2200 Litern erhalten. Der Vertrieb startet im ersten Quartal 2011. Man wolle nicht teurer sein als entsprechende Kaskaden von Stahlspeichern, sei aber in der Raumausnutzung flexibler. Zielgruppe sind große Bestandsbauten, "die werden bislang überhaupt nicht versorgt", sagt Wilhelms. Das Interesse von Planern und Wohnungsunternehmen sei groß, berichtet er.

Umgesetzt hat sein Unternehmen bereits Speichergrößen von 30 Kubikmetern, derzeit laufe ein Projekt mit 90 Kubikmetern. Alternative Speichermedien wie PCM oder Eis sind für Wilhelms kein wirklich wichtiges Thema: Er ist vielmehr der Meinung, dass man schnell den jetzigen Bedarf decken müsse. Auch die Debatte über optimale Schichtung hält er für überzogen. Die Optimierung mache im Jahresverlauf nur wenige Prozent aus. Sinnvoller ist es aus seiner Sicht, einfach den Speicher ein bißchen größer zu bauen. pgl

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