Solarthermie leidet unter launischer Förderpolitik
München. Die Solarthermie musste nach einem schwierigen Jahr 2009 auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres Federn lassen. Erst 2012 können die Rekordumsätze des Jahres 2008 wieder erreicht werden, so Schätzungen auf der Fachmesse Intersolar.
Deutschland ist wie bei der Fotovoltaik auch in der Solarthermie der entscheidende Markt in Europa. Derzeit entfallen 38 Prozent der europäischen Installationen für solare Wärme auf Deutschland, der größte Teil davon auf Baden-Württemberg und Bayern. 2009 haben die fünf nachfolgenden Länder in der europäischen Solarthermie-Rangliste Österreich, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien mit gemeinsam 39 Prozent erstmals Deutschland übertroffen.
Ähnlich wie in Deutschland sind aber auch dort die politischen Rahmenbedingungen entscheidend. Portugal beispielsweise hatte 2008 ein Förderprogramm aufgelegt und starkes Wachstum erzeugt, musste dies jedoch aufgrund der Krise 2009 wieder einstellen. Insgesamt ist auch der europäische Solarthermie-Markt deshalb 2009 um 10 Prozent geschrumpft.
Der deutsche Markt war auch in den ersten Monaten 2010 aufgrund der Unsicherheiten und der Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm eher schwächelnd. "Wir sind nicht einverstanden mit der Förderpolitik" beschwerte sich Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft über die Stopp-and-Go-Förderung. Die Aufhebung der Haushaltssperre, die nun für Juli 2010 angekündigt ist, kommt für die Branche spät, die Umsatzeinbußen der vergangenen Monate seien kaum noch wettzumachen. Für jeden Monat, in dem es keine Zuschüsse gebe, summieren sich die Verluste laut Angaben von Branchenverbänden auf 100 Millionen Euro.
Die relativ niedrigen Ölpreise trügen derzeit ebenfalls zu einer Zurückhaltung bei, beobachtet Körnig. Hier müsse die Politik den Verbrauchern aber reinen Wein einschenken und ihnen klarmachen, dass mit einem Anziehen der Konjunktur auch Öl- und Gaspreise steigen, forderte Körnig. Es müsse zudem zu einer Verdoppelung der Sanierungsquote bei Heizanlagen kommen. Diese betrage derzeit 3 Prozent, sinnvoll seien 6 Prozent. Deshalb hält Körnig es für notwendig, das Bundeswärmegesetz, das den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Heizung fordert, auch auf den Altbau auszudehnen. Für die EU ist es geplant, in Deutschland geht bislang Baden-Württemberg als einziges Bundesland diesen Weg. Auch andere Länder wie Hamburg und Berlin diskutieren aber über striktere Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien bei der Wärmeerzeugung.
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