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BWP zieht Konsequenzen aus Geothermie-Panne

Kontrolle und Schulung der Mitglieder wird strikter

13.09.2011, 09:01

Oberflächennahe Erdbohrung - Grafik
Bundesverband Wärmepume verschärft Kriterien für Bohrunternehmen. © BWP

Nachdem es im baden-württembergischen Eltingen nach Geothermie-Bohrungen zu Schäden an 24 Häusern gekommen war, hatte Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) die Auflagen für Bohrungen verschärft und bessere Qualitätskontrollen gefordert. Der Geothermie-Verband hat mit Schulungsangeboten und einem Fonds für künftige Opfer reagiert. Nun legt auch der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) nach.

Untersteller will Leitlinien zur Qualitätssicherung vorlegen, erste Ideen dazu hat er vorgestellt. Die will sich auch der BWP zu eigen machen. Außerdem gibt es vom Verband ein zusätzliches Versicherungspaket für Bauherren. Untersteller sieht hier allerdings in erster Linie die ausführenden Firmen in der Pflicht: Wenn es trotz aller Maßnahmen doch zu Schäden komme, seien in erster Linie die ausführenden Bohr-Unternehmen in der Pflicht, betonte der Umweltminister. Das schließe ein, dass sich die Unternehmen um einen ausreichenden Versicherungsschutz

Das Vorhaben der Branche, eine Telefonhotline einzurichten, bei der Gebäudeeigentümer aber auch Unternehmen bei bohrtechnischen Problemen vor Ort schnelle Beratung bekommen, bezeichnete Untersteller als richtigen Schritt, um verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Auch die Ankündigung, Schulungskonzepte für Bohrgeräteführer und Kontrolleure zu entwickeln, sei eine wichtige Maßnahme, um das Qualitätsniveau der Geothermie-Unternehmen insgesamt zu steigern.

"Wir bedauern die Schadensfälle in Baden-Württemberg außerordentlich. Seit Jahren erinnern wir an die Qualitätssicherung. Es gibt aber leider immer noch einige Firmen, die sich nicht an die Standards halten. Daher haben wir mit sofortiger Wirkung die Aufnahmekriterien für unsere BWP-Mitglieder im Bohrbereich deutlich verschärft", erklärt Karl-Heinz Stawiarski, Geschäftsführer des BWP.

Das Qualitätspaket seines Verbands umfasst Maßnahmen in den Bohrunternehmen wie etwa die Anwendung des grundlegend überarbeiteten DVGW-Arbeitsblatts W120 Teil 2, nach der die Bohrfirmen mittels externer Auditoren überprüft werden. Darüber hinaus müssen Bohrfirmen für ihre BWP-Mitgliedschaft eine ausreichende Haftpflichtdeckung nachweisen. Neben den strengen Auflagen für Bohrunternehmen können Bauherren eine spezielle Versicherung abschließen, die auch dann haftet, wenn kein Verschulden vorliegt oder nachgewiesen werden kann. Bei Schäden soll diese Versicherung, im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung, sofort eintreten.

"In einem Schadensfall brauchen die unbeteiligten Dritten eine schnelle und unbürokratische Soforthilfe. Genau das leistet unsere neue Erdwärmesonden-Bohrversicherung", verspricht Stawiarski. Der BWP hat diese Versicherung mit der Dr. Friedrich E. Hörtkorn GmbH und der Waldenburger Versicherung AG ins Leben gerufen, um die bisherige Lücke der Absicherung von Schadensfällen ohne oder mit nicht zweifelsfrei zuordenbarem Verschulden abzusichern. Für BWP-Mitglieder ist die Versicherung Pflicht, wenn eine Bohrung über die erste Grundwasser-Schicht hinausreicht.

Eine solche Bohrung über mehrere grundwasserführende Schichten hat wahrscheinlich zu den Schäden in Eltingen geführt. Seither sind diese Bohrungen in Baden-Württemberg so lange verboten, bis die Qualitässicherung verbessert ist. "Wir wollen die Tiefenbegrenzung gerne wieder aufheben", erklärte Untersteller. Davor allerdings müsse die Branche sicher stellen, dass künftige Geothermie-Bohrungen kein unkalkulierbares Risiko für Bauherren und anliegende Dritte seien. Unverzichtbar sei insbesondere, dass bei oberflächennahen Bohrungen über mehrere Grundwasserstockwerke künftig eine externe unabhängige Kontrolle stattfinde. "Die Bohrarbeiten müssen von einem unabhängigen Sachverständigen begleitet und abschließend begutachtet werden", so der Umweltminister. Die zu erwartenden Mehrkosten seien durch den Gewinn an Sicherheit gerechtfertigt.

Der BWP will seine Schulungsaktivitäten für die oberflächennahe Geothermie verstärken. Er fordert von seinen Bohrunternehmen eine Haftpflichtversicherung von 5 Millionen Euro, bei mehr als 5 Bohrgeräten von 10 Millionen Euro. Bislang war die Höhe der Haftpflicht kein Kriteriujm für die Aufnahme in den Verband. Der Verband fordert von seinen Mitgliedern die einheitliche Umsetzung des VDI- Arbeitsblatts 4640.3. Die Bohrfirmen des BWP müssen ab sofort die verschärften Bedingungen des noch in Abstimmung befindlichen DVGW-Arbeitsblatt W120 - Teil 2 (Gelbdruck) erfüllen. Der Verband wird die eigenen Mitglieder mit Hilfe von Auditoren auf der Grundlage des DVGW-Arbeitsblattes W120-2 überprüfen lassen.

Der Bundesverband Geothermie hatte bereits angekündigt, dass es für künftige Opfer einen Fonds zur Soforthilfe zwischen 15.000 und 25.000 Euro geben soll. Das nützt den Eltingern aber nichts mehr. Für sie fordert der Gemeinderat eine Soforthilfe vom Land. Das verweist aber auf die Versicherungen der beteiligten Unternehmen.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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