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20 Prozent der Mieter im Wohnungsbau könnten Angebote nutzen

Hürden sind bei Mieterstrom immer noch hoch

30.06.2015, 08:45

Iris Behr
Iris Behr: Konzept der Mess-Stellen ist für Mieterstrom wichtig. © P. Grund-Ludwig

Auf einer ausgebuchten Tagung stellte das Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt (IWU) Betriebskonzepte und Erfahrungen im Umgang mit Mieterstrom vor. Es gibt durchaus Projekte, die seit Jahren funktionieren, und es kommen immer mehr Unternehmen der Wohnungswirtschaft dazu. Doch noch überwiegt die Skepsis bei der Vermarktung von Strom aus PV vom Dach oder von Blockheizkraftwerken aus dem Keller die Bewohner. Die organisatorischen Hürden sind hoch, und politischen Rückenwind gibt es für Mieterstromkonzepte im Moment auch nicht.

Die Wohnungswirtschaft beschäftige sich seit zirka fünf Jahren intensiver mit dem Thema Mieterstrom, berichtete Ingrid Vogler, Technikexpertin beim Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW. Mieterstrom wäre aus ihrer Sicht eine Chance, diese Bevölkerungsgruppe in die Energiewende einzubeziehen. "Bislang sind das die, die am wenigsten tun können und am meisten belastet sind", betonte Vogler. 3,4 Millionen Menschen oder 20 Prozent der Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern könnten Mieterstrom nutzen, sagte sie. Dabei bezieht sie sich auf die Gebäude, die nicht an Fernwärme angeschlossen sind, die also Kraft-Wärme-Kopplung einsetzen könnten.

Bei Nahezu-Nullenergie wird die Option Strom wichtiger

Wenn man den Bestand in Richtung Nahezunull-Energiegebäude bringen wolle, dann sei die Einbeziehung des Stroms eine Option, die für die Mieter relativ günstig sei, so Vogler. Im Durchschnitt sei man heute bei Mietwohnungen bei einem Verbrauch zwischen 120 und 140 Kwh/m2 Endenergie für die Wärmeerzeugung pro Jahr angekommen. Maßnahmen an der Gebäudehülle, die den Energieverbrauch drosseln, würden zu Mehrbelastung der Mieter führen, Strombezug aus KWK würde sie dagegen entlasten.

Widerstand käme noch von Teilen der Energiewirtschaft, die diskutiere, wie man mit der höheren Quote an Eigenversorgern umgehen solle. Untersuchungen dazu, wie dezentrale Erzeugung aussehen müsse, damit es zu einer Entlastung der Stromtrassen und damit zu geringen Netzkosten kommen könne gebe es nicht, so Vogler. Von der Politik gebe es im Moment keine Unterstützung für Mieterstorm, ganz im Gegenteil. So solle dieser in der Novellierung des KWK-Gesetzes keine Rolle mehr spielen.

Anders als bei der Wärme, die innerhalb eines Hauses nur von einem Anbieter bezogen werden kann und auch für die Betriebszeit einer Heizungsanlage aus dem gleichen System kommt, ist die Abnahme für Strom außerdem volatiler. Selbst Mieter, die zu Anfang bei einem Mieterstromkonzept mitmachen, haben das Recht zu wechseln. Stromverträge, die sie für die Dauer des Mietvertrags binden, wären unzulässig. "Man muss Anreize schaffen, etwa günstiger sein als lokale Konkurrenten, oder nur den Arbeitspreis und keinen Grundpreis berechnen", nannte Iris Behr vom IWU mögliche Modelle, die bereits in der Praxis erprobt sind.

Der Wechsel der Stromkunden war bei den in Darmstadt vorgestellten Projekten kein großes Thema. Mieter, die einmal unterschrieben haben, bleiben in der Regel dabei. Sie erhalten ihre komplette Strommenge vom Contractor oder einem Tochterunternehmen der Wohnungsgesellschaft. Optimal ist aus Sicht der Betreiber eine Teilnahmequote von 70 Prozent.

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