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Strom aus der Fassade ist derzeit noch der teureste

Hülle zur Energiegewinnung braucht Vielfalt und Standards

23.02.2016, 08:30

PV-Fassade Tübingen
Christoph Drebes: Solaraktive Gebäudehüllen sind häufig noch technoid. © P. Grund-Ludwig

Mit Chancen und Hindernissen bei solaraktiven Gebäudehüllen befasste sich eine Debatte auf der Fachmesse Bautec in Berlin. Vorgestellt wurde unter anderem eine Befragung unterschiedlicher Akteure der TU Darmstadt, die Hinweise darauf gibt, was noch zu tun wäre.

Vor allem gestalterische Hemmnisse, aber auch fehlende Standards und komplexe Konstruktionen sorgen derzeit für wenig Akzeptanz. Einer der Punkte, die in der Befragung genannt werden, sind gestalterische Hemmnisse, etwa bei der Auswahl der Farben, die zur Verfügung stehen, aber auch bei Oberflächenstrukturen und Optik, etwa bei der Mattigkeit, erklärte Christoph Drebes von der TU Darmstadt. Es gebe auch zu weig Lösungen, die sich gestalterisch zurückhielten, in der Regel sähen Gebäude mit solarkativer Hülle "sehr technoid" aus.

Architekten wollen mehr Viefalt bei Photovoltaik

Und, so die Untersuchung der Darmstädter, vor allem Architekten bemängelten, es gebe zu wenig Flexibilität etwa bei den Abmessungen, "da braucht es mehr Vielfalt", mahnte Drebes. Die Industrie habe das verstanden und biete "customized Module" an, also PV-Bausteine, die genau auf die benötigten Flächen etwa an Fassaden oder auf Dächern zugeschnitten sind.

Das sei aber gar nicht die zentrale Herausforderung, konterte Boris Mahler vorm Stuttgarter Ingenieurbüro EGS Plan. Solche PV-Module seien in der Regel um den Faktor zehn teurer als Standardmodule. Daran werde sich vielleicht ein bißchen etwas ändern, im Wesentlichen werde es aber auch in Zukunft einen Preisunterschied geben.

Aus seiner Sicht geht es vielmehr darum, sich zu überlegen, wie Standard-PV-Module auch an Fassaden eingesetzt werden können. Es sei ja gerade die Stärke der PV, dass sie durch industrielle Massenfertigung günstig geworden sei. "Wir brauchen Häuserkonzepte, die mit diesen Standardmodulen auch an Fassaden umgehen können", fordert er stattdessen. Bei einem Preis auf dem Spotmarkt zwischen 42 und 80 Euro pro Quadratmeter seien diese auch konkurrenzfähig mit anderen Fassadenkonstruktionen. Sein Büro habe dazu Tests durchgeführt, etwa auch zur Schlagfestigkeit und danach erste Projekte realisiert, berichtete Mahler.

Solarthermie lässt sich einfacher integrieren

EGS Plan baut schon seit vielen Jahren Gebäude und Gebäudekomplexe mit solaraktiver Hülle. Bei Solarthermie sei die Integration in die Hülle meist einfacher, so Mahler. Bei PV stehe dem in der Regel entgegen, dass die Module nur bei Luftkühlung gute Leistung bringen.

An bestehenden Projekten zeigte er auch, wo sich Probleme ergeben haben. So seien integrierte Solardächer teilweise nach 20 Jahren bereits am Ende ihres Lebenszyklus. Es gebe Probleme mit der Wasserdichtigkeit. Außerdem ließen sich einzelne Module oder Kollektoren schlecht tauschen, da die Dichtungen bei den früher eingesetzten kleinteiligen Elementen nach 20 Jahren hart seien und man einen Tausch deshalb nur schwer vornehmen könne.

Außerdem mahnte Mahler frühzeitige Planung an, wenn man auf die Solarintegration setze. So müsse man beispielsweise bei größeren Gebäuden sehr früh überlegen, ob man große Wärmespeicher haben wolle und wo man diese unterbringen könne. Auch sei die Gestaltung des Dachs entscheidend dafür, wie gut die Energieausbeute ausfällt.

Strom von der Fassade ist noch teuer

Für Photovoltaik hat sein Büro diese für unterschiedliche Dachformen und Neigungen durchgerechnet und auch den Kosten für die Energieerzeugung gegenübergestellt. Die optimale Variante aus Sicht der Stromerzeugung wäre ein Pultdach mit einem Winkel von 30 Grad. Dann könne man wirtschaftlich Strom erzeugen. Setze man auf Fassadenlösungen, lande man bei zirka 35 bis 45 Cent pro Kilowattstunde Strom. Das sei nicht mehr viel von "normalen" Strompreisen entfernt, aber deutlich über dem, was sich mit PV auf dem Pultdach bei optimaler Ausrichtung und Neigung erzielen lasse. von Pia Grund-Ludwig

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