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Überschüssiger Strom soll in die Produktion von Hauswärme gehen

Fotovoltaik gewinnt Relevanz als Wärmequelle

18.06.2012, 16:35

Messehalle auf der Intersolar
Heizen mit Strom aus Fotovoltaik kann den Eigenverbrauch erhöhen. © Grund-Ludwig

Fotovoltaik wird billiger, in einigen Bereichen ist bereits die Grid Parity erreicht. Dort kostet Strom vom Dach den Verbraucher nicht mehr als der aus der Steckdose. Einspeisen bringt also nicht mehr Einnahmen als Eigenverbrauch. Immer stärker wird deshalb die Frage diskutiert, ob man den Fotovoltaik-Strom nicht auch dazu verwenden sollte, Wärme zu erzeugen. Eine Reihe von Ideen waren dazu auf der Fachmesse Intersolar Europe zu sehen, auch ein Expertenforum hat sich damit beschäftigt. Klare Antworten gibt es aber derzeit noch keine.

Die Lösungen zur Verwendung von Strom zur Heizung könnten insbesondere deshalb spannend werden, weil es in Zukunft Zeiten geben wird, in denen zu viel Strom zur Verfügung steht und es außerdem zunehmend PV-Anlagen gibt, die nach 20 Jahren Nutzung keine Einspeisevergütung mehr erhalten.

Die Einbindung von Wärmepumpen in Fotovoltaik-Systeme hat sich als ein neuer Trend gezeigt. Darauf setzen vor allem diejenigen Unternehmen, die aus der Heiztechnik kommen. Stiebel Eltron hat als Warmwasser-Wärmepumpe die WWK 300 PV gezeigt. "Das Gerät wurde speziell für das Zusammenspiel mit einer Fotovoltaik-Anlage entwickelt", erklärt Thorsten Reimann, Verkaufsleiter bei der Stiebel-Eltron-Tochter Heltron.

Viessmann vermarktet seine Systemlösung als Ansatz zur Eigenverbrauchsoptimierung von Solarstrom und kombiniert dabei nicht nur Wärmepumpe und Fotovoltaik, sondern packt auch noch ein System zur Wohnungslüftung dazu. Gesteuert wird es vom Regelsystem der Wärmepumpe. Es sorgt dafür, dass beim Stromverbrauch die Energie aus Fotovoltaik Vorrang hat.

Das schwäbische Unternehmen Sunbrain, das für sein Konzept 2012 den Innovationspreis der Volksbanken erhalten hat, hat ebenfalls ein Steuergerät zur Optimierung des selbst erzeugten Solarstroms entwickelt, an das sich ein Heizstab oder eine Wärmepumpe anschließen lässt. Auch das kann ein Ansatz sein, um Strom und Wärme vom eigenen Dach zu holen.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, wie ökologisch und ökonomisch sinnvoll Lösungen sind, Strom zur Erzeugung von Wärme zu verwenden. Dabei gibt es volkswirtschaftliche Betrachtungsweisen und die Sicht des privaten Nutzers. "Aus volkswirtschaftlichen Gründen ist die Entlastung des Stromnetzes entscheidend beim Eigenverbrauch", betonte Matthias Leuthold vom Eon Research Center an der RWTH Aachen.

Für private Haushalte wird derzeit im Rahmen der EEG-Novelle darüber diskutiert, nicht mehr den kompletten erzeugten Strom zu vergüten und höhere Anreize für den Eigenverbauch zu geben. Es gibt zu einer Erhöhung des Eigenverbrauchs neben der Möglichkeit der Speicherung in Batterien die Variante des Heizens mit Wärmepumpen. "Valide Berechnungen zur Effizienz gibt es bislang nicht", betonte Professor Timo Leukefeld auf einer Diskussion im Rahmen der Intersolar. Vieles beruhe auf Versprechungen der Hersteller.

Ein Software-Werkzeug, mit dem sich unterschiedliche Anlagenkombinationen wie Solarthermie oder PV-Anlage mit Wärmepumpe unter dem Gesichtspunkt der Effizienz und der Erträge berechnen lassen, bietet das Schweizer Unternehmen Polysun an.

Volker Quaschnig, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin ist der Meinung, dass bereits in fünf Jahren das Heizen mit Strom vom Dach billiger ist als eine Ölbrennwertheizung. Die Voraussetzung: Fotovoltaik muss in dem Umfang billiger werden wie dies bislang der Fall war.

Eine weitere Option, die derzeit diskutiert wird ist, anstatt Speicherung von überschüssigem Strom aus Fotovoltaik, die Nutzung des Solarstroms zur Erzeugung von Methan. Dabei sind zwar die Verluste hoch, so Michael Sterner, Professor an der Universität Regensburg. Einen Wirkungsgrad von einem Drittel hält er aber für vertretbar, da es nur in Lücken notwendig sei, den überschüssigen Strom umzuwandeln. Ein entscheidender Vorteil ist aus seiner Sicht, dass Methan auch für andere Bereiche wie den Verkehr einsetzbar wäre.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Martin Rose - 26.06.2012, 08:53

"Aus volkswirtschaftlichen Gründen ist die Entlastung des Stromnetzes entscheidend beim Eigenverbrauch" - da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Wessen Brot ich ess dessen Lied ich sing.
Es läuft wohl tatsächlich eher auf die Frage hinaus, inwiefern ... sich die SHK-Branche, welche ja nicht ganz unabhängig von den Herstellern agiert, überhaupt imstande sieht, sich neben herstellerseitigen Paketen auch dem Batterieverkauf und der Installation zu widmen.
Gleiches gilt für die Hersteller solcher vordergründigen Lösungen, deren direkte Kunden ja nicht primär im Gewerbe der elektrischen Leitungsverleger angesiedelt sind und insofern in Deutschland auch nicht problemlos mit Kabeln im ganzen Haus agieren können. Ab der Fragestellung kommt also Innungsrecht und Flexibilität der involvierten Handwerker hinzu.
Eine TGA-Planung im individuellen Häuslebau ist aber auch immer noch nicht branchenüblich - der Architekt kann also auch nicht wirklich helfen, sondern freut sich allzu oft über vermeintlich wohlfeile Paketlösungen.
Auf der Messe gibts dann Pakete und vermeintliche Experten - der Kunde kauft am Ende jedoch Unsinn ein. Viel sinniger ist es doch, von vorneherein die Solarthermieverrohrung eben doch durch die alten Räume zu führen, sich über den wenigen Staub für nur kurze Zeit nicht aufzuregen bzw. im Neubaubereich, wenn es denn schon zu einer derzeit propagierten "Effizienz"-Lösung mit Wärmepumpe nach den Vorgaben der Siedlungsbaubranche kommen soll, sich auch noch den Rat eines auch Batterielösungen anbietenden Elektrofachhandwerkers zusätzlich einzuholen. Die Wärme für Heizung und Warmwasser gibt es nämlich im praktisch gleichen Zeitraum wie den PV-Strom, ob Sommer oder Übergangszeit und eben auch weit in die Heizperioden hinein umsonst vom Dach per Thermie - und die Frage wie Wärme am effizientesten vom Dach in die Heizungsanlage kommt ist ganz gewiss nicht eine welche sich Energieberater ernsthaft stellen. Schön wenn dann SHK-Vertreter über die Herstellerpakete hinaus auch imstande sind, sich mit individuell angepassten Pufferspeichern einzudecken. Alternativ, wenn der Auftrag um eine Wärmepumpe kreisen soll, gilt es die Innungsgrenzen hin zu den Batterien neu auszuloten.

Und die Unabhängigkeit, welche Batterien auch über sonnenreiche Wintertage hinaus bieten, sollte dem Verbraucher mehr wert sein als der allzu durchschaubare Rat von Leuten aus den Reihen von gestern noch Atommeiler propagierenden sogenannten Versorgern. Allerdings hat der Herr von EON auch ein wenig recht: im übertragenen Sinne ist z.B. auch jede S-Klasse der Autobranche ein volkswirtschaftlicher Gewinn. Der Privatmann im Häuschen in Spe sollte jedoch im eigenen Säckel nachzählen und nicht die Volkswirtschaft seine primäre Sorge sein lassen.
Martin Rose / Duisburg
- Energieberater für Gebäude -

 

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