Kommunen erproben intelligente Stromzähler

EnBW schließt Feldtest mit Smart Meter Gateways ab

EnBW hat einen Pilotversuch mit Smart Meters abgeschlossen. © EnbW

In mehreren Schritten bereitet sich der baden-württembergische Stromerzeuger EnBW auf den Einsatz von Smart Metern vor. Gerade hat er den dritten und letzten Feldtest mit 1000 Smart-Meter-Gateways abgeschlossen – einer der bisher größten in Deutschland. Sobald die Geräte eine Zertifizierung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben, sollen eine Pilotrunde mit 10.000 Geräten starten. Für Herbst peilt EnBW den flächendeckenden Rollout an.

Getestet wurden Geräte der Firmen Sagemcom, Landis & Gyr sowie Power Plus Communications. Für deren IT-technische Verwaltung setzte EnBW ein Gateway-Adminsystem ebenfalls von Sagemcom ein. Es befindet sich in der Rechenzentrale des Energieversorgers. Das Adminsystem hat die BSI-Zertifizierung als eines der ersten in Deutschland bereits erhalten.

Getestet wurde die Interoperabilität der Geräte. Auf gut schwäbisch: "Sie müssen miteinander schwätzen können", sagt Ulrich Stark, Sprecher von EnBW. Außerdem wurden Prozesse wie die Inbetriebnahme, der Messdatenempfang und die Bereitstellung der Messwerte für ein Kundenportal durchgespielt. Auf Basis der Praxiserfahrungen haben die Hersteller hier immer wieder kleinere Anpassungen vorgenommen. Das Know-how bietet EnBW anderen Betreibern als Dienstleistung an.

Angeschlossen wurden Liegenschaften in über 100 Kommunen im Gebiet der EnBW-Verteilnetztochter Netze BW. Typischerweise waren das Rathäuser, Schulen oder Turnhallen, berichtet Stark. In Karlsruhe gehörten außerdem Privatleute, die Interesse am Feldtest hatten, zu den Teilnehmern.

Durchgespielt wurde die Übertragung per Funk und per Powerline, also über das Stromnetz. "Für uns war es ein Glücksfall, sehr früh an einem großen Praxistest dabei sein zu können. So konnten wir die Funktionssicherheit, auch der Gesamtlösung, reifen lassen", sagt Kerstin Straube, Leiterin Smart Metering Solution Center bei Landis & Gyr. Gerade bei der Kommunikationsanbindung der Gateways habe man viele Erfahrungen gesammelt.

Gesamtgesellschaftlich wird der Einbau von Smart Metern kontrovers diskutiert, volkswirtschaftlich macht ein flächendeckender Einsatz durchaus Sinn. Das hatte 2013 eine Kosten-Nutzen-Analyse von Ernst & Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums gezeigt. Die Autoren empfehlen, zwölf Millionen Haushalte mit Smart Meter Gateways auszurüsten, die eine Zwei-Wege-Kommunikation mit dem intelligenten Stromnetz von morgen möglich machen. Verbraucher könnten dann beispielsweise auf ein Preissignal reagieren und Strom verbrauchen, wenn er billig ist. Umgekehrt könnten die Netzbetreiber Verbraucher abschalten, wenn die Netze überlastet sind. 20 Millionen Haushalte mit geringem Verbrauch sollten aber nur mit einfachen intelligenten Stromzählern ausgerüstet werden, empfiehlt das Gutachten. Die zu erwartende Stromersparnis würde die Kosten für den Zähler nicht rechtfertigen. Darauf weisen auch Verbraucherschützer hin.

Unter den genannten Voraussetzungen rechnen die Autoren von Ernst & Young in nächsten 20 Jahren mit einen volkswirtschaftlichen Nutzen von Smart Metern von bis zu 13 Milliarden Euro. Dabei gehen sie von einer durchschnittlichen Stromersparnis der Haushalte von 3,6 Prozent aus, weil das Wissen um den eigenen Verbrauch zu Einsparungen führt. Das zeigt beispielsweise eine Studie des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.

Laut Messstellenbetriebsgesetz werden Smart Meter ab 2017 bei Verbrauchern mit einem Bedarf von mehr als 10.000 Kilowattstunden pro Jahr eingebaut. Für die Geräte dürfen nicht mehr als 170 Euro brutto jährlich in Rechnung gestellt werden. Ab 2020 sind Verbraucher mit einem Stromverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden an der Reihe. Ihnen dürfen nicht mehr als 100 Euro brutto jährlich in Rechnung gestellt werden.

Allerdings darf der Einbau erst beginnen, wenn das BSI Geräte von mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen zertifiziert hat. Das ist bisher nicht der Fall. Auch Besitzer einer Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von mehr als sieben Kilowatt müssen ab 2017 einen Smart Meter einbauen. In diesem Zusammenhang wies Martin Rothert von SMA Solar kürzlich auf einen Schwachpunkt von Smart Metern hin: Sie sind von ihren Spezifikationen bisher nicht dazu geeignet, den Eigenverbrauch in einem Haushalt mit Photovoltaikanlage und Speicher optimal zu steuern, sagte Rothert bei einer Veranstaltung der Clearingstelle EEG. Dies ließe sich aber möglicherweise mit einem Softwareupdate beheben.

Intelligente Zähler werden zurzeit vor allem im Bereich Elektrizität eingesetzt. Sie sollen aber auch fürs Messen und Regeln von Wärme kommen. Im Feldtest hat die Karlsruhe Netzservice damit erste Erfahrungen gemacht. Moderne Funkmessgeräte an Heizungen bieten in Verknüpfung mit einer App, die die Daten visualisiert, gute Einsparanreize. Das zeigte unter anderem ein Projekt der Dena mit dem Dienstleister Ista. Die teilnehmenden Mieter konnten ihren Verbrauch im Durchschnitt um 16 Prozent senken. Susanne Ehlerding

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