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Dichte Gebäudehülle braucht kontrollierte Lüftung

Grafik zeigt ein Lüftungsgerät
Dichte Gebäudehülle macht Lüftung notwendig. Bild: Pluggit

Angesichts immer dichterer Gebäudehüllen reicht die Fensterlüftung heutzutage nicht mehr aus, um für den notwendigen Luftwechsel in Wohnräumen zu sorgen. In Neubauten werden daher immer häufiger Anlagen zur kontrollierten Lüftung eingebaut. Auch für Altbauten gibt es interessante Lüftungslösungen.

Mit der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 werden die energetischen Anforderungen an Gebäude noch strenger, sowohl für Neu- wie für Altbauten. Häuser und Wohnungen müssen in Zukunft nicht nur gut gedämmt, sondern vor allem auch dicht sein, so will es der Gesetzgeber.

Das führt dazu, dass kein oder kein ausreichender natürlicher Luftwechsel durch Ritzen, Fenster oder Türen mehr stattfinden kann. Folglich müssen die Bewohner selbst durch Fensterlüftung für den notwendigen Luftaustausch sorgen und mehrmals am Tag stoßlüften. Doch das ist in der Realität des Alltags kaum möglich.

EnEV schreibt Mindestluftwechsel vor

Daher schreibt die EnEV  für Gebäude mit einer bestimmten Luftdichtigkeit einen nutzerunabhängigen Mindestluftwechsel vor, um den Gebäudeschutz zu gewährleisten. Dieser wird in der  DIN 1946-6 in ihrer Neufassung vom Mai 2009 genauer spezifiziert. Dabei ist die Gebäudedichtheit durch ein spezielles Berechnungsverfahren nachzuweisen. Experten zufolge greifen die Forderungen nach einer von den Bewohnern unabhänigen Lüftung von Gebäuden in vielen Fällen bereits, wenn Fenster und Außentüren erneuert werden. Tatsächlich dürfte heute für die meisten Neubauten sowie sanierten Altbauten ein mechanisches Lüftungskonzept erforderlich sein.

Die Folgen unzureichender Lüftung sind hinreichend bekannt: Die Feuchtigkeit, die nicht genügend entweichen kann, schlägt sich an den Wänden oder in kalten Ecken nieder und führt zu Schimmelbildung und somit zu Gesundheitsgefährdung der Bewohner. Auch Gerüche, ausdünstende Möbelstücke, Tabakrauch und kleinste Partikel wie Staub, Pollen oder auch Viren und Bakterien belasten die Raumluft. Besonders empfindlich sind Kinder.

Selbst bei einigermaßen ausreichender Fensterlüftung ist die Bilanz nicht immer zufriedenstellend. Denn die Luft, die auf diese Weise in die Wohnräume gelangt, ist ungefiltert und je nach Jahreszeit zu kalt oder zu warm, zu trocken oder zu feucht.

Je nach Lage des Hauses oder der Wohnung können Pollen, Staub oder Lärm das Leben erschweren. Bei häufigem Lüften im Winter treten zudem Wärmeverluste in spürbarer Höhe auf, selbst wenn die Heizung während der Lüftung ausgeschaltet ist. Außerdem sinkt der Feuchtegehalt bei winterlicher Lüftung zu tief.

Damit eine Lüftungsanlage ihren Dienst optimal leisten kann, muss sie sorgfältig geplant und ausgelegt werden. So ist darauf zu achten, dass alle Räume der bewohnten Zone gelüftet werden. Die Wohnung wird deshalb in verschiedene Zonen eingeteilt. Wohn-, Kinder- und Schlafzimmer werden mit Zuluft versorgt, während aus Küche, Bad und WC die Abluft abgesaugt wird. Flure und Essbereiche zählen zur sogenannten Überstromzone.

Drei Lüftungssysteme stehen zur Wahl

Dezentrale Lüftungsgeräte kommen vor allem in Altbauten zum Einsatz. Pro Raum wird ein Lüftungselement in Fensternähe in die Wand integriert, das sowohl für Be- wie Entlüftung sorgt. Neuere Elemente sind mit einer Wärmerückgewinnungsvorrichtung ausgestattet. Die Investitionskosten sind im Vergleich zu zentralen Systemen niedrig. Allerdings arbeiten diese Einzelgeräte auch nicht so effizient wie eine zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung.

Abluftsysteme mit einem zentralen Kanal sorgen für den notwendigen Luftwechsel, indem sie aus stark belasteten Bereichen wie Küche, Bad und WC die feuchte Luft ins Freie transportieren. Die frische Zuluft gelangt selbstständig über Außenluftdurchlässe beispielsweise in den Fensterrahmen in die Räume. Auch diese reinen Abluftsysteme sind relativ günstig zu haben. Allerdings hat die nachströmende Luft Außentemperatur und muss im Winter nachgeheizt werden. Im Sommer hingegen ist sie unter Umständen deutlich wärmer als die Innentemperatur.

Am komfortabelsten sind zentrale Anlagen mit Wärmerückgewinnung. Bei diesen Systemen wird frische Außenluft angesaugt, gefiltert und mit der aus der Abluft gewonnenen Energie aufgeheizt. Wenn möglich, werden die Zuluftkanäle so unter der Erde verlegt, dass die Luft im Winter vorgewärmt, im Sommer vorgekühlt ins Haus gelangt. Dank der Wärmerückgewinnung (bis zu 90 Prozent) muss die Frischluft nicht mehr nachgeheizt werden und kann ohne Zugerscheinungen in die Wohnräume strömen.

Neben dem Komfort frischer, gefilterter und aufgewärmter Luft führt die Wärmerückgewinnung zu einem deutlich kleineren Energiebedarf für die Erwärmung der zugeführten Frischluft und damit zu einem geringeren Jahresprimärenergiebedarf für die Beheizung de Hauses.

Deshalb sieht die Energieeinsparverordnung 2009 auch ausdrücklich vor, dass die Wärmerückgewinnung in die Berechnung der Energiebilanz eines Hauses unter bestimmten technischen Kriterien einfließen darf.

Reinigung verhindert Keimbildung

Komfortlüftungen standen lange Zeit in dem Ruf, laut und unhygienisch zu sein. Besonders bemängelt wurde die schlechte Zugänglichkeit des Rohrsystems für Reinigungszwecke. Diese Probleme scheinen jedoch beseitigt.

Über die vorhandenen Ventilöffnungen oder Revisionsklappen können Bauherren den Zustand der Rohre selber überprüfen. Wer ganz sicher gehen will, kann einen Dienstleister ein- oder zweimal pro Jahr mit der Kontrolle und gegebenenfalls Reinigung der Rohre beauftragen. Für die Reinigung von Luftkanälen gibt es verschiedene Verfahren. Die gängigsten sind:

  • die Bürstenreinigung, entweder mit Hilfe automatischer Rotationsbürsten oder per Hand (ähnlich wie beim Schornsteinfeger). Dieses Verfahren ist jedoch bei Flachkanälen aufgrund der Bauweise oft schwierig.
  • die Druckluftreinigung. Hierbei strömt die Luft radial aus. Nach der Reinigung werden am anderen Ende die gelösten Partikel mit einem Staubsauger abgesaugt.

Wichtiger Bestandteil einer Lüftung sind die Filter. Damit diese nicht zur Bakterienschleuder werden, ist ein regelmäßiger Wechsel der Filtermatten notwendig. Je nach Wohnlage sollte alle vier bis sechs Wochen eine Sichtkontrolle und oder ein Filterwechsel erfolgen.

Bei aller Freude über die segensreiche Wirkung einer kontrollierten Lüftung darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Systeme keine Allzweckwaffe sind. Dominique Helfenfinger vom Zentrum für Integrale Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern (ZIG) gibt folgende Punkte zu bedenken:

  • Eine Komfortlüftung ist keine Klimaanlage oder Luftheizung. Sie ersetzt nicht den baulichen sommerlichen Wärmeschutz.
  • Für eine gute Raumluftqualität ist trotz Komfortlüftung ein sorgsamer Umgang mit Baustoffen, Einrichtungen und Produkten im Innenraum erforderlich.
  • Abführen von hohen internen Emissionen wie Rauchen oder Renovation (frische Anstriche, Klebstoffe, Boden- und Wandbeläge) ist nicht möglich.
  • Außengerüche werden bei üblichen Filtern nicht beseitigt.

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