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Steuerung der Geräte mit einer Anwendung lässt auf sich warten

IFA: Smart Home immer noch zu kompliziert

03.09.2013, 07:00

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Smart Homes spielen zunehmende Rolle auf der IFA. © EnBauSa.de

Die Vernetzung im Heim ist längst fester Bestandteil der Funkausstellung IFA in Berlin. Während damit zunächst im Zusammenhang mit der IFA vor allem Multimedia-Geräte gemeint waren, sind zunehmend auch Anbieter von Hausgeräten und Vernetzungstechnik vertreten. Und jedes Jahr präsentieren die Aussteller weitere Ideen, wie das Leben durch eine Verknüpfung der Geräte im Haus noch komfortabler werden könnte.

Die Szenarien, welche die Unternehmen auf den Messeständen zeigen, reichen von der Steuerung der Lichttechnik im Rhythmus der Musik bis zur Smartphone-App, die alle Geräte im Haus im Blick hat und über die man sich unterwegs versichern kann, dass man auch wirklich nicht vergessen hat, den Herd auszuschalten. Die Lust an der Vernetzung im Smart Home wächst. Da ist es um so ärgerlicher, immer wieder feststellen zu müssen, dass es die Hersteller noch nicht geschafft haben, die Vernetzung so einfach zu machen, dass sie in der Praxis jeder Nutzer nach seinen Wünschen realisieren kann.

Wer denkt, dass es möglich wäre, kurz entschlossen in den Baumarkt zu gehen, sich von einzelnen Anbietern die besten Komponenten zusammenzustellen und diese dann zu Hause zu installieren, um die Geräte über eine Software auf dem Tablet-PC zu konfiguieren und zu steuern, wird enttäuscht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Hersteller immer noch nicht auf eine gemeinsame Sprache einigen können, über die sich die Geräte, die im Haus zusammenspielen sollen, verständigen könnten.

Immer noch gilt, dass sich in der Regel nur Geräte des gleichen Herstellers verstehen oder in einem bestimmten Umfeld, wie beispielsweise der Gebäudetechnik, miteinander kommunizieren können. Die Heizung kann zwar Informationen mit dem Thermostat austauschen oder dem Sensor an den Fenstern, kann aber nicht erkennen, ob gerade die Waschmaschine läuft und der Trockenraum vorgeheizt werden sollte, damit die Wäsche, die dort später hängen wird, schneller trocknet.

Viele Hersteller von Geräten für das Smart Home stellen sich zwar inzwischen diesem Kommunikationsproblem, öffnen ihre Schnittstellen oder arbeiten in den unterschiedlichsten Initiativen und Standardisierungsgremien mit. Doch wirklich geändert hat sich bislang wenig. Im Gegenteil: Durch die unterschiedlichsten Kooperationen wie Connected Living und EEBus oder Vernetzungsplattformen wie beispielsweise "Qivicon" der Telekom wird das Thema "Smart Home" noch undurchsichtiger, weil jede dieser Initiativen unterschiedliche Ziele verfolgt.

Die EEBus-Initiative will eine Plattform etablieren, über die alle Geräte im Haus untereinander und gleichzeitig über intelligente Stromleitungen mit dem Energieversorger kommunizieren. Der Connected Living-Initiative geht es zwar ebenfalls darum, Kommunikationsstandards zu schaffen. Doch gleichzeitig legt sie mit eigenen Kommunikationsprotokollen ganz praktisch los und entwickelt – ähnlich wie die Deutsche Telekom mit Qivicon – Musterlösungen für Vernetzungs-Szenarien, die allerdings wiederum nur mit Geräten der Hersteller funktionieren, die Mitglieder der Initiative sind.

Und das Ganze dauert: Connected Living ist 2009 mit acht Mitgliedern gestartet. Über die Jahre hat die Initiative rund 40 weitere Unternehmen und Institutionen für sich gewinnen können. Vier Jahre später auf der diesjährigen Cebit haben die Berliner dann erstmals eine Plattform im Internet angekündigt, über die Anwender, Installateure und Entwickler Anleitungen und praktische Hilfen für die Planung und Realisierung verschiedene Heimvernetzungsszenarien erhalten können.

Die Werkzeuge und Szenarien für das sogenannte Connected Living Innovation Component Kit (CLICK) werden vom DAI-Labor der TU Berlin entwickelt. Die Plattform, über die Werkzeuge genutzt werden können gibt es zwar schon, aber die Inhalte sind noch nicht freigeschaltet. Wie mühsam es für die Berliner Initiative ist, die unterschiedlichen Player für das gemeinsame Ziel zu begeistern, lässt sich aus der Einladung zur Connected Living ConnFerence entnehmen, die im Vorfeld der IFA am 4. und 5. September 2013 in Berlin stattfindet. Der Veranstalter ermutigt die Teilnehmer, ihre Projekte mitzubringen und vorzustellen – ganz gleich, in welchem Entwicklungsstadium sie sich befänden.

So könnten die Teilnehmer auf diesem technologischen "Abenteuerspielplatz" erleben, woran die anderen Firmen forschen und wie vorwettbewerbliche Gemeinschaftsprojekte aussehen könnten. Nur so könne es gelingen, über Branchengrenzen hinweg Integration zu schaffen und belastbare Kontakte für Kooperationen zu gewinnen, wie der Leiter des DAI-Labors der TU Berlin und Vorstandsvorsitzender des Innovationszentrums Connected Living, Professor Sahin Albayrak wirbt.

Die EEBus-Initative ist zwar noch jünger, aber auch bei ihr geht es nur langsam voran. Zudem ist sie weitgehender, denn sie zielt über die Vernetzung von Gebäuden hinaus. Es gehe um ein Konzept im Rahmen der Energiewende, das alle Geräte im Smart Home mit dem Smart Grid, dem intelligenten Stromnetz, verbinde, erläutert EEBus-Vorstand Peter Kellendonk das anspruchsvolle Ziel. Den Initiatoren sei klar, dass die Vernetzung nur in einem offenen, branchenübergreifenden, konsensorientierten und standardisierten Umfeld gelingen könne, so der Entwickler des EEBus, der die Initiative im Frühjahr 2012 gegründet hat. Deshalb arbeitet die EEBus-Initiative vor allem politisch und versucht ihre technische Lösung als breit akzeptierten und internationalen Standard mit den führenden Unternehmen, Verbänden und Akteuren der deutschen und internationalen Energie-, Telekommunikations- und Elektrowirtschaft im Markt zu etablieren.

Der Kommunikationsstandard hat gute Chancen eine breite Akzeptanz unter den verschiedenen Akteuren in den Bereichen von Smart Grid und Smart Home zu finden, weil er kein neues Bus-System ist. Er ist als eine Art Universalübersetzer konzipiert zwischen den existierenden Feldbus-Systemen. Diese werden mit Hilfe standardisierter, neutraler und somit offener Datenmodelle miteinander verknüpft.

Der Vorteil für die Player: Die bewährten Kommunikationstechniken von EnOcean über KNX bis ZigBee sollen nicht ersetzt werden, sondern jeder Anbieter kann seine implementierten Standards und etablierte Datensprache weiterhin verwenden. In einem ersten Feldversuch mit 250 Haushalten wird zurzeit die Vernetzung verschiedener Geräte über den EEBus im Gebäude getestet und gleichzeitig eine Verknüpfung und Steuerung der Smart Home-Komponenten über ein kleines intelligentes Stromnetz der Stadtwerke Aachen erprobt.

Ziel sei es, herauszufinden, wie an Angebot und Nachfrage orientierte Preismodelle dazu beitragen könnten, den Energieverbrauch zu beeinflussen. Auf der IFA zeigt die EEBus-Initiative erste plakative Beispiele, wie eine Vernetzung über den EEBus gelingen könnte: Dazu gehört etwa die Heizung, die automatisch herunterfährt, wenn Fenster geöffnet sind. Oder das Versenden einer Warnmeldung auf das Handy, wenn beim Verlassen des Hauses eine Herdplatte nicht abgeschaltet wurde.

Die Teilnahme an Messen, auf denen die Vernetzung im Smart Home Thema ist, wie der IFA, ist zwar Pflicht für den EEBus-Verein. Genau so wichtig sei es jedoch, von politischen Gremien, wie beispielsweise der EU-Behörde, wahrgenommen zu werden, so Kellendonk. Daher haben die EEBus-Akteure jüngst in Brüssel ein Büro eröffnet, das zum Ziel hat, den Informationsaustausch auf internationaler Ebene zu intensivieren.

Aber es kostet nicht nur branchenübergreifende Initiativen Kraft, möglichst viele Anbieter der Smart Home-Technik ins Boot zu holen. Innerhalb von Unternehmen geht die Einigung auf ein Marketingkonzept oft nicht schneller. Neben der Telekom versucht RWE seit Jahren die Vernetzung im Haus voranzutreiben mit eigenen Produkten und Kooperationen. Beide Konzerne kommen bislang über Ankündigungen nicht hinaus.

So will die Telekom, die für ihre Plattfom Qivicon nun 24 Partner vorweisen kann, in Berlin erneut Szenarien und Lösungen zeigen, und RWE Effizenz will sein Kommunikationsprotokoll für die Funkvernetzung im Haus nun auch für andere Anbieter öffnen.

Es hat sich also wenig geändert. Es wird also leider noch dauern, bis die Vernetzung im Haus per Plug an Play und damit auch zu attraktiven Kosten möglich sein wird. von Hans Schürmann

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Rudolf Rapp - 24.09.2013, 23:18

Als Smart Home Geschaedigter kann ich in das Lied nur einstimmen. Zumindest das EIB/KNX System scheint einem Amoklauf einiger durchgeknallter Ingenieure entsprungen zu sein. (Bin selbst Maschinenbauer). Und solange nur die daran rumbasteln ..........
Das Lied/Leid hat viele Strophen. Beispiele
- Weit ueberteuert, einschl. der Software ¨...wir wollen damit die Hochwertigkeit dokumentieren ......¨
- keine (sinnvolle) Multifuntional-, Modular- und Miniutarisierung. (Rolladen-Aktor in gut isolierten R-Kasten?)
- eine Benutzeroberflaeche, die wohl saemtlichen MMK- Erkenntnissen widerspricht.
- keine sinnvolle Loesungen fuer Sanierung
- angesprochene wissensch. Einrichtungen tauchen weg
- - - -
Als Kunde/Nutzer fuehlt man sich aus- und auf den Arm genommen. Dass sich die Anbieter und Ihre Verbaende ueber die Reaktionen/Verweigerungen wundern, zeigt deren Ignoranz.
Man kann mir nicht erklaeren, dass eine eigentlich so laeppische Aufgabe so aussehen muss wie sie z.Z. aussieht.
Mit der gebuehrenden Hochachtung
ruraar

 

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