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Softwareentwicklung gewinnt an Bedeutung

Analyst: Tablet-PC macht Hausautomation billiger

06.04.2011, 15:05

Drei iPhones nebeneinander, die jeweils in einer Handfläche liegen.
Die Steuerung von Heizung oder Wärmepumpe vom iPhone aus hat Konjunktur. © Stiebel Eltron

Tablet-PCs wie Apples iPad bringen den Markt für Hausautomationssysteme in Schwung, ist sich Hammam Ahmed sicher, Technologieanalyst beim internationalen Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan. Schon bald werde der Markt von Tablet-Computern überschwemmt werden, "die als Schnittstelle zu billigen und leicht zu entwickelnden Anwendungen für die Hausautomation eingesetzt werden", berichtet der Analyst in einer aktuellen Studie über den europäischen Markt für Hausautomation. Die Folge: Die Hersteller können sich die kostenaufwändige Entwicklung eigener Hardware-Schnittstellen, über die sich das breite Funktionsspektrum der Hausautomationssysteme einfach und leicht erlernbar steuern läßt, künftig sparen. Bis zu 50 Prozent des Preises eines Hausautomationssystems ließen sich so einsparen, so Ahmed.

Experten halten diese Aussage zumindest für gewagt. "Der gängige Kommunikationsstandard in der Gebäudeautomation ist KNX, nicht das Internet-Protokoll", nennt etwa Markus Fromm-Wittenberg ein Hindernis für den Ersatz herstellerspezifischer Bedienungssysteme durch handelsübliche Tablet-PCs. Er ist Leiter Anwendung und Kooperation Gebäudesystemtechnik bei Gira. Der Gira Home Server etwa fungiert als Gateway für die gesamte Instabus-KNX/EIB-Installation in einem Gebäude. Er ist die zentrale Schnittstelle zum Hausautomationssystem und daher unverzichtbar. Natürlich bietet auch Gira eine App für Apples iPhone, mit der Anwender ihr System steuern und etwa von unterwegs aus alle eingebundenen Elektrogeräte und Leuchten ein- oder ausschalten, die jeweilige Raumtemperatur ablesen und ändern oder Lichtszenen und Zeitschaltuhren managen können. Doch die App auf dem Smartphone ist nur eine weitere Schnittstelle zum Home Server, sie ersetzt ihn nicht. 

"Die Hersteller von Hausautomationssystemen sollten ihren Fokus in Forschung und Entwicklung von Hardware-Schnittstellen auf Softwareanwendungen verlagern und sich die neue Technologie zu eigen machen", empfiehlt Frost & Sullivan-Analyst Ahmed. Auch wenn Fromm-Wittenberg das etwas anders sieht, in einem Punkt stimmt er zu: Die Softwareentwicklung wird in der Gebäudeautomation in Zukunft eine größere Rolle spielen. "Ähnlich wie ein iPhone, bei dem die Individualisierung über die installierten Apps erfolgt, wird auch in der Gebäudeautomation die Individualisierung über Software erfolgen", erläutert der Gira-Mann. Das allerdings setze voraus, dass das Gebäude mit Systemen ausgestattet ist, die dies unterstützen. "Ein Gebäude, in dem etwa alle Elektrogeräte konventionell verkabelt sind, bietet diese Flexibilität nicht. Es ist beim Einzug schon ein Altbau, weil nicht zukunftsfähig", warnt Fromm-Wittenberg.

Dass die Software in der Hausautomatisierung auf dem Vormarsch ist, zeigt allein schon die Flut an Apps, die auf der Fachmesse ISH präsentiert worden ist. Kaum eine Heizung oder Wärmepumpe, die sich nicht über eine solche kleine Anwendung per iPhone steuern lässt. Anwendungen für andere Smartphones sind derzeit eher noch die Ausnahme. "Diese Apple-Geräte lösen ein gewisses 'Haben-Wollen-Gefühl' aus", versucht Fromm-Wittenberg eine Erklärung für den Siegeszug der Apps. Der Hausautomation zum Durchbruch verhelfen werde dieser nicht, aber er sei eine gute Unterstützung.

Derzeit bietet jeder Hersteller für sein Produkt eine eigene kleine Anwendung an. Beispielsweise kündigte Buderus, eine Marke von Bosch Thermotechnik, auf der ISH das Programm Easy Control für iPhone, iPad und iPod touch an, mit dem das heimische Heizgerät von unterwegs aus komfortabel gesteuert und überwacht werden kann. Voraussetzung ist, das beim Regelsystem Logamatic EMS ein Raumcontroller RC 30 oder RC 35 vorhanden ist. Als Schnittstelle zum Web dient das neue Gerät Logamatic web KM200. Stiebel Eltron dagegen ermöglicht den Zugriff auf seine Lüftungsgeräte und Wärmepumpen über ein Internet-Service-Gateway von jedem Gerät aus, das über einen Internet-Browser verfügt.

Der Gedanke der Hausautomation geht jedoch über die Steuerung einzelner Geräte hinaus, es geht um die Vernetzung und Interaktion der Systeme. Daher sieht Fromm-Wittenberg in den Steuerungs-Apps derzeit vornehmlich ein Marketinginstrument der Gerätehersteller. Das hilft allerdings auch den Gebäudeautomatisierern: "Die Aufmerksamkeit für das Thema Hausautomation wird gesteigert und beim ein oder anderen Kunden der Wunsch geweckt, mehr steuern zu können als nur die Heizung oder die Wärmepumpe." Von Vorteil ist außerdem, dass immer mehr Heizungsbauer ihre Geräte mit Schnittstellen ausstatten, die eine Fernsteuerung und Vernetzung erlauben. 

Von unserer Redakteurin Silke Thole

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Tobias Claren - 16.02.2012, 18:29

Solange 15.000 Euro für ein Haus als "günstiger" "Mittelwert" gelten, wird sich Hausautomatisierung (hoffentlich) NICHT durchsetzen. Und das ist auch gut so.
Das ist ein Bereich wo ein paar Raffkes meinen sie könnten jeden Preis nehmen wenn sie "Made in Germany" drauf schreiben.
Und in Deutscher Tradition hält man das System umständlich, um seinen Kunden aus dem Gewerbe die Installation und Einrichtung zu sichern. Wenn man sich mal ansieht was Elektronik aus China bei Ebay kostet.....
Getarnte Minikamerarekorder mit USB-auslesbarem Speicher Versandkostenfrei ab unter 10 oder 20 Euro.MP3-Player Portofrei ab unter 10 Euro. Mini-WLAN oder Mini-Bluetooth-Sticks für 1 Euro Portofrei... USB-SOundkarten Portofrei für "1,99 bis 7,99". Dann muss man sich mal die Preise der schon lange am Markt befindlichen Funk-Zwischensteckdosen ansehen die von Discountern ab und zu im 5er-Pack mit einfacher Handfernbedienung verkauft werden. 13 Euro bei Lidl/Aldi sind da möglich.
Da sollte es zum Beispiel chinesischen Billigherstellern (wo auch die Billigtablets, USB-Soundkarten, WLAN/BT-Sticks... herkommen) doch möglich sein ein billiges leicht zu installierendes und einzurichtendes Hausautomatisierungssystem anzubieten, zum Beispiel Steckdosen und Lichtschalter für 3 Euro (man bedenke die Endkundenpreise für die oben genannte Hardware!) die per Funk miteinander bzw. einer Zentrale kommunizieren (Zwei-Wege), Heizungsregler für 10 Euro und so weiter. Und an den Überwachungskamerakarten (z.B. von Camera2000) sieht man auch, dass auch aus China Hardware mit beigelegter Software kommen kann.
Es wäre zu schön, wenn die (deutschen) Firmen dann zittern müssten. Sollen sie von mir aus untergehen ("Arbeitsplätze" sind KEIN Argument), wenn sie versuchen sich hier künstlich den großen Gewinn aufrecht zu erhalten...

 

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