Report-Bericht zitiert Schweizer Studie extrem verkürzt

Normen bilden Feinstaub durch Holzheizungen nicht ab

Scheitholz macht Emissionen schwer vorhersehbar. © A. Morhart

Die SWR-Sendung "Report" hatte in einem Beitrag den Herstellern von Holzheizungen vorgeworfen, ähnlich wie die deutsche Automobilindustrie bei der Abgasmessung zu betrügen. Der Deutsche Energieholz- und Pelletverband DEPV wehrt sich mit starken Argumenten gegen diese Aussage. Unterschiede zwischen Prüfstands-Messungen und realen Emissionen gibt es aber in der Tat.

Vor allem in Baden-Württemberg sind Holzheizungen ins Visier der Kritiker geraten, nicht zuletzt aufgrund der Feinstaubproblematik in der Landeshauptstadt Stuttgart. Ältere Kaminöfen, die als Zusatzheizung dienen, dürfen dort mittlerweile nicht mehr betrieben werden, wenn Feinstaub-Alarm ist.

Der SWR hatte nun nicht in Stuttgart gemessen, sondern in einem Dorf am Rande des Schönbuchs, eines großen Waldgebiets, in dessen Umkreis viele Menschen mit Holz heizen. Der Feinstaubexperte Axel Friedrich stellte extrem hohe Feinstaubwerte fest, die er zu mehr als einem Drittel auf Holzheizungen zurückführte. Generell seien die Emissionen von Öfen zehn bis fünfzig Mal höher als auf dem Prüfstand, wird Friedrich zitiert.

Dass es Unterschiede gebe zwischen Messungen und Realität sei Fachleuten bekannt, so der DEPV. Es liege aber nicht daran, dass Hersteller betrügen. Vielmehr würden Messmethoden korrekt verwendet, diese bildeten aber nicht den Realbetrieb ab. Einer der Hauptgründe: Auf dem Prüfstand wird mit sauberem und trockenem Holz gemessen unter optimalen Verbrennungsbedingungen. Die Nutzer verheizen aber in der Regel nicht nur sauberes und trockenes Holz, sondern auch Abfallholz, Papierabfälle und Ähnliches. Auch wird nicht immer gleichmäßig geheizt wie unter Laborbedingungen. Das bilden im übrigen auch die Normen ab, nach denen vor Ort durch die Schornsteinfeger gemessen wird. Bei diesen Messungen dürfen die Emissionen höher sein als bei der Zulassung, um die Schwankungen abzubilden.

Sind nun neue Scheitholzöfen besser als alte? "Report" zitiert dazu eine Studie des Schweizer Verbands Feusuisse mit der Aussage, dass neue Öfen noch mehr Feinstaub verschleudern als alte. Dieses Zitat gebe den Inhalt der Studie nicht korrekt wieder, wehrt sich Peter Brogli, Verwaltungsmitglied von Feusuisse und Mitinitiator der Studie gegenüber EnBauSa.de.

Liest man die Studie im Detail, ist das Zitat zwar wörtlich übernommen und damit formal korrekt, in der Tat aber aus dem Zusammenhang gerissen. Der Verband betont in der Auswertung der Ergebnisse ausdrücklich, dass generelle Aussagen nicht möglich und eine Erklärung der Resultate sehr spekulativ sei. Als einen möglichen Grund für die gemessenen höheren Feinstaubemissionen bei neuen Scheitholzheizungen nennt Feusuisse, dass alte und neue Öfen unterschiedlich dimensioniert sind und dass das die Messergebnisse möglicherweise beeinflusse. Bei allen Öfen wurde in der zweiten Viertelstunde des Abbrands gemessen. Bei neueren Öfen war man dann aufgrund der geringeren Holzmengen schon in der Phase des Ausbrands, die mit höheren Emissionen verbunden ist. Gemessen wurde also jeweils entsprechend gültiger Normen, aber nicht vergleichbare Betriebszustände.

Feusuisse verweist auch darauf, dass für den Emissionsausstoß bei Scheitholzheizungen der Bediener entscheidend sei. Bei guter Bedienung könnten die Anlagen rauchfrei und bei akzeptablen bis guten Emissionen bedient werden.

Ob neue oder alte Anlagen dies mit weniger Feinstaub tun lässt sich nach der Studie genausowenig sagen wie vorher. Das würde allerdings bezogen auf die Situation in Baden-Württemberg möglicherweise auch bedeuten, dass es keinen Grund gibt, neue Kaminöfen bei Feinstaubalarm vom Betriebsverbot auszunehmen.

In der Schweiz wird außerdem darüber diskutiert, nicht nur Messungen auf dem Prüfstand, sondern auch Feldtests vor Ort durchzuführen. Auch dazu sollte die Studie Aufschlüsse liefern und den Aufwand abschätzen. Sie geht von Kosten zwischen 450 und 650 Schweizer Franken pro untersuchtem Ofen aus.

Ist nun Holzheizung gleich Holzheizung bei den Emissionen? "Es macht einen Unterschied, ob man Scheitholz verwendet oder Pellets", sagt Jens Dörschel vom Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband. Bei Pellets sei die Qualität des Brennstoffs normiert, während es bei Stückholz in der Hand des Nutzers liege, ob das Holz die nötige Qualität aufweise. Bei Pelletkesseln sei durch die automatische Zuführung eine optimale Verbrennung sichergestellt. Anheiz-und Ausbrandphasen mit höheren Emissionen seien minimiert. Bei Pelletheizungen seien daher im Praxisbetriebe niedrigere Emissionen zu erwarten als bei Stückholzöfen. Im Bericht des SWR wurde aber generell von Holzheizungen gesprochen, ohne diesen Unterschied zu machen. Allerdings sind auch bei Pelletheizungen die Emissionswerte im Betrieb in der Regel deutlich höher als bei den Prüfstandsmessungen, deren Ablauf durch Normen und den Gesetzgeber vorgeben wird.

Messungen im realen Betrieb sind im übrigen ein Thema, das nicht nur für Holzheizungen Relevanz hat. So weichen auch bei Wärmepumpen angenommene und gemessene Jahresarbeitszahlen häufig voneinander ab. Auch hier sind die Emissionen durch die Heizung dann höher als angenommen. Und auch bei Brennwertheizungen kann dies der Fall sein, wenn die Einstellung der Heizung nicht stimmt und die Hitze aus der Abluft nicht wirklich genutzt wird. Auch dann sind die Emissionen höher als eigentlich notwendig. Von Pia Grund-Ludwig

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