Effizienzlabel für alte Heizungen stößt auf Ablehnung

Heizungslabel ist Topthema auf der ISH

Paul Hodson, EU-Kommission: Heizungslabel sind ein wichtiger Schritt vorwärts. © P. Grund-Ludwig

Die Kennzeichnungspflicht für Heizungen und Warmwasserbereiter ist eines der zentralen Themen auf der ISH.

Eines der zentralen Themen der Fachmesse ISH ist in diesem Jahr die Kennzeichnungspflicht für Heizgeräte und Warmwasserbereiter nach der EU-Verbrauchskennzeichnungsrichtlinie. Ab dem 15. September müssen neue Einzelgeräte und Verbundanlagen mit einem Energieeffizienzlabel versehen werden. Für Altgeräte gibt es bislang keine Kennzeichnungspflicht. Das jedoch möchte die Bundesregierung ändern. Im Nationalen Aktionsplan für Energieeffizienz, den die Bundesregierung am 3. Dezember 2014 beschlossen hat, ist als Sofortmaßnahme die Einführung eines nationalen Effizienzlabels für alte Heizungen vorgesehen. Das Vorhaben ist umstritten.

In der Praxis werden wohl die allermeisten Heizungsanlagen ein Verbundanlagenlabel brauchen. "Schon das Hinzufügen von Regelungstechnik macht aus einer Wärmepumpe oder einem Heizkessel eine Verbundanlage", erklärt Alexander Sperr, Referent Normen und Technik beim Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Im Prinzip ist das Erstellen eines solchen Verbundlabels nicht weiter schwer. Aber es ist mit enormem zusätzlichen Aufwand verbunden.

Der Heizungsinstallateur als Schnittstelle zum Verbraucher muss aus den Daten der einzelnen Komponenten den Effizienzwert der Gesamtanlage errechnen und das ebenfalls vorgeschriebene Zusätzliche Datenblatt für Verbundanlagen ausfüllen. Je mehr Aufwand damit verbunden ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Installateure auf die fertig zusammengestellten Verbundanlagen der großen Systemanbieter zurückgreifen, bei denen das entsprechende Label gleich mitgeliefert wird.

Dem will der Gebäudetechnik-Branchenverband VdZ mit der Plattform "Heizungslabel" entgegenwirken, die am Vorabend des ersten Messetages vorgestellt worden ist. Sie besteht aus einer Produktdatenbank und einem Berechnungsprogramm für das Verbundlabel. Ziel ist es, das Erstellen des Verbundlabels für den Installateur so einfach wie möglich zu machen. An der Entwicklung beteiligt waren neben den Mitgliedern der VdZ der Bundesverband Solarwirtschaft, der Bundesverband Wärmepumpe, die ARGE Neue Medien und der Bundesverband Bausoftware.

Der Clou an der VdZ-Lösung: Sie lässt sich an die kaufmännische Software des Installateurs anbinden und ermöglicht somit rund 90 Prozent der Handwerker, die regelmäßig mit einer kaufmännischen Software arbeiten, unkompliziert auf die entsprechenden Herstellerdaten zuzugreifen. Neben dem Zugang über die Handwerkersoftware kann der Installateur auch direkt über die Portal-Webseite auf die Daten und das Berechnungswerkzeug zugreifen.

Es gibt inzwischen einige Softwarewerkzeuge, mit denen sich das Verbundlabel berechnen läßt. Allerdings müssen dafür zahlreiche Produktinformationen der einzelnen Komponenten zusammengetragen und in eine Berechnungssoftware eingegeben werden. 

Wichtig für den Erfolg der VdZ-Lösung ist es, dass die Datenbank die Daten möglichst vieler auf dem Markt verfügbarer Produkte enthält. "Ich appelliere an alle Hersteller, diese Lösung zu unterstützen, damit unsere Betriebe Angebote möglichst einfach erstellen können", sagte Manfred Stather, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) bei der Vorstellung der Plattform am Vorabend der ISH.

"Für die kleinen Anbieter ist es überlebenswichtig, die Daten zu liefern. Die großen Systemanbieter dagegen haben weniger Interesse daran", weiß Alexander Sperr vom BWP. Mit an Bord ist bereits Vaillant, Weishaupt plant dagegen eigene Softwarelösungen zur Erstellung von Verbundlabels für die Kombination ihrer Produkte. Gefragt, inwieweit eine Unterstützung der VdZ-Lösung geplant ist, teilte Peter Bolkhart, bei Weishaupt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, mit: "In unserem Haus ist dazu momentan noch keine Entscheidung getroffen worden." Viessmann hat sich gegenüber EnBauSa.de noch nicht zum Thema geäußert.

VdZ-Geschäftsführer Michael Herma ist zuversichtlich, dass die Plattform "Heizungslabel" auch dann ein Erfolg wird, wenn die großen Hersteller ihre Daten nicht selbst einpflegen. „Die Hersteller sind verpflichtet, alle relevanten Daten, auch der einzelnen Komponenten, zugänglich zu machen“, sagt er und verweist auf die Initiative des BDH, der auf der ISH eine Web-Anwendung für Produktdaten zeigt, auf die mittels der VDI-Norm 3805 zugegriffen werden kann. „Auch unsere Lösung hat eine Schnittstelle zur VDI-Norm 3805, wir können also von der Initiative des BDH profitieren. Denn wenn Hersteller dort ihre Daten einpflegen, können wir darauf zugreifen und sie in unsere Datenbank übernehmen“, so Herma.

Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft und des europäischen Solarverbands ESTIF ist froh, dass Solarthermie Teil des Labels ist, dadurch werde Vergleichbarkeit hergestellt. Er kündigte ein Projekt auf europäischer Ebene an das Handwerker fit machen soll für die Erstellung der Labels. Die Hersteller von Biomassekesseln müssen darauf noch warten. Man habe sich bei den Emissionen auf europäischer Ebene nicht einigen können, so Paul Hodson, Abteilungsleiter Energieeffizienz bei der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission. Die anderen Länder hätten sich nicht auf die strengen deutschen Regeln einlassen wollen. Innerhalb der nächsten 18 Monate soll es aber auch Energielabel für Biomasse geben.

Während Hersteller und Branchenverbände damit beschäftigt sind, Fachhandwerker und Installateure für die Effizienzlabel fit zu machen, wird in Berlin bereits über neue Label diskutiert: Im Nationalen Aktionsplan für Energieeffizienz, den die Bundesregierung am 3. Dezember 2014 beschlossen hat, ist als Sofortmaßnahme die Einführung eines nationalen Effizienzlabels für alte Heizungsanlagen vorgesehen.

Vergeben werden soll dieses Label ab 2016 voraussichtlich von den Bezirksschornsteinfegern oder Installateuren und Heizungsbauern für alle Heizkessel in Ein- bis Zweifamilienhäusern wie auch in großen Mehrfamilienhäusern, die älter als 15 Jahre sind. Sie würden die Effizienzklasse der Heizungsanlage über Modell-Listen oder eine Softwarelösung zuordnen, ohne eigene Messungen oder Berechnungen anzustellen.

Für „überflüssig und irreführend“ hält das der Eigentümerverband Haus & Grund und fordert die Bundesregierung auf, darauf zu verzichten. „Über die Energieeffizienz eines Gebäudes gibt heute bereits der Energieausweis Auskunft. Und das Alter sowie das Modell des Heizgeräts allein sagen wenig darüber aus, ob die Heizung viel oder wenig Energie verbraucht“, argumentiert Haus & Grund-Hauptgeschäftsführer Kai Warnecke. Ins gleiche Horn stößt der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. BFW-Präsident Andreas Ibel geißelte den Vorschlag jüngst als „Klientelpolitik für die Heizungsbauindustrie“.

Der ZVSHK dagegen sieht in dem Altanlagenlabel ein sinnvolles Instrument, „um die Betreiber daran zu erinnern, was sie da eigentlich im Keller stehen haben. Schließlich haben wir kein Effizienzproblem bei den Neuanlagen, sondern im Bestand“, so Carsten Müller-Oehring vom ZVSHK. Natürlich wäre eine umfassende Bewertung alter Heizungsanlagen aussagekräftiger als eine Labelvergabe allein aufgrund von Modelllisten, so der Experte. Allerdings sei ein solches Vorgehen aufwändig und teuer. „Die Frage ist, wer das zahlen soll. Immobilien- und Verbraucherverbände würden sicher noch lauter protestieren, wenn jedem Hauseigentümer die hohen Kosten einer Messung aufgebürdet würden.“ Die Bundesregierung ziele mit dem Label auch auf geringinvestive Maßnahmen ab. Auch auf europäischer Ebene wird über ein Label für Bestandsanlagen nachgedacht, das könnte eine Option sein bei der Überarbeitung der Gebäuderichtlinie, so Hopson. von Silke Thole und Pia Grund-Ludwig

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