Viele Potenziale werden nicht gesehen

Bauherren spielen bei BIM entscheidende Rolle

Jan Tulke: EU erarbeitet BIM-Handbuch. © Thilo Ross

Building Information Modelling (BIM) soll bis 2020 bei Infrastrukturprojekten der öffentlichen Hand Standard sein. Bislang, so Frank Krüger, Leiter der Unterabteilung Digitale Gesellschaft im Bundesverkehrsministerium, das für Infrastruktur zuständig ist, wurden erst wenige Projekte mit dieser Planungsmethode realisiert. Der Bauherr sei aber die Klammer und habe eine entscheidende Rolle bei der Koordination der strukturierten Daten, erklärte Jan Tulke bei einer Veranstaltung der VdZ auf der ISH und nahm damit auch die öffentliche Hand in die Pflicht. Tulke leitet Planen Bauen 4.0, eine Initiative von Verbänden und Kammern aus der Baubranche, die die Digitalisierung voranbringen will. 

Ein Stufenplan des Verkehrsministeriums hat das Ziel, BIM im Infrastrukturausbau bis 2020 zu realisieren, "uns wäre wichtig, dass auch andere Auftraggeber dem Beispiel folgen", ergänzte Krüger. 26 Pilotprojekte sind geplant.

Noch gebe es aber viele Hürden, so Frank Krüger. So seien Standards notwendig, um das Verfahren rechtssicher etablieren zu können, Regelungen, die den Zugriff auf die Modelldaten definieren, man benötige partnerschaftliche Vertragsmodelle und Personal, das sich mit BIM auskenne. Vor allem, so Krüger weiter, "müssen wir eine BIM-Kultur schaffen, es gibt noch einige Bereiche, die sehr zögernd an das Thema herangehen." Deutschland brauche sich aber dennoch nicht zu verstecken. Nur Finnland, Schweden, Norwegen und Großbritannien hätten mehr Erfahrung.

BIM-Standards für Infrastruktur fehlen noch

Um die Standardisierung voranzutreiben, gibt es unterschiedliche Initiativen. IFC ist der Standard, der sich im Hochbau durchgesetzt hat. Er beschreibt Gebäudemodelle digital und wird seit 2008 verwendet. Unternehmen können ihre Software auf IFC-Konformität zertifizieren lassen. Für Infrastrukturmaßnahmen fehlen entsprechende Standards noch, "sie sollen noch 2017 veröffentlicht werden", erklärte Krüger.

Ziel sei es außerdem, dass auch mittelständische und kleine Unternehmen BIM nutzen. Dazu dient ein Masterplan Bauen 4.0 mit konkreten Pilotprojekten. Auch das Projekt Bau Zeit setzt hier an. Ein Thema, das zu beackern sei, sei der Einsatz von Drohnen bei BIM und die Errichtung einer Daten-Cloud zur Aufnahme der BIM-Informationen. Ein nationales Kompetenzzentrum soll diese Fragen aufgreifen. Ähnliche Initiativen gebe es auch auf europäischer Ebene, berichtete Jan Tulke. Eine EU-BIM Task Group entwickelt bis Mitte des Jahres ein Handbuch mit dem Ziel, Orientierung in Europa zu geben.

Planung verändert sich mit BIM

Durch die Einführung von BIM ergäben sich eine ganze Reihe von Veränderungen in den Bau- und Planungsprozessen, betonte Tulke. So würden Modelle künftig per Laserscan erstellt und seien dann auch auf Tablets streambar. Augmented-Reality-Brillen könnten auf der Baustelle helfen, Baufortschritte zu überprüfen und auf eine Überstimmung mit den Plänen hin abzuchecken.

Tulke skizzierte auch Veränderungen im Vertrieb. So sei der Aufbau von Konfiguratoren möglich, die unterschiedliche BIM-Bausteine koppeln. In der Bauausfertigung könne es durch bessere Möglichkeiten zur Planung eine größere Vorfertigungstiefe und Just-in-time-Lieferung einzelner Montagebausteine geben. Die Montage selbst ließe sich mit Lasern unterstützten, die aus BIM-Modellen heraus Montagepunkte an die Wände projizieren und die Einbaukontrolle erleichtern.

Gleichzeitig wurde in den Diskussionen auf der ISH aber auch deutlich, dass viele Potenziale von BIM im Moment weder gesehen noch gehoben werden. Markus Beukenberg vom Präsidium der VdZ forderte einen Fokus auf die bessere Abstimmung der Gewerke. Man müsse außerdem berücksichtigen, dass Gebäude interagieren und kommunizieren, das sei ein Aspekt der bei BIM ebenso fehle wie die Anbindung an Sektorkoppelung oder Quartierslösungen. "Da haben wir noch einen langen Weg zu gehen", unterstrich Beukenberg.

Betrieb der Gebäude muss in den Mittelpunkt rücken

Einigkeit herrschte darüber, dass vor allem der Betrieb der Gebäude bei BIM stärker in den Fokus rücken müsse. "Der Betrieb ist teurer als das Erstellen. Der spätere Nutzer wüsste, wie er im Betrieb sparen könnte, fehlt aber häufig bei der Planung", so Beukenberg. "Wir planen das Bauen, dann wird es betrieben, es gibt keine Rückkoppelung von Planung zu Betrieb", monierte Anette von Hagel von der PKS Kommunikations- und Strategieberatung. Dabei böten digitale Zwillinge aus Planung und Betrieb Chancen, auszuwerten und zu optimieren. Auch das Thema Recycling könnte bei BIM eine Rolle spielen, etwa für Kupfer, Alu oder seltene Erden, die sich mit digitalen Modellen leichter wieder in den Kreislauf zurückbringen lassen, weil nachvollziehbar ist wo sie verbaut wurden. von Pia Grund-Ludwig

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