Nicht einmal 20 Prozent integrieren noch Erneuerbare

Bauherren setzen bei Heizungen auf Gas und Öl

Thorsten Herdan, Wirtschaftsministerium, will EnEV 2016 nicht in Frage gestellt sehen. © A. Morhart

Bei neuen Heizungen spielen Erneuerbare kaum noch eine Rolle. Sie kommen nur bei jeder fünften neuen Heizung zum Einsatz. Gas und Öl finden mehr Kunden.

Die Debatte um den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und die nächste Stufe der EnEV prägte auch die Deutsche Wärmekonferenz. Die Technologieoffenheit der Förderung sei aufgegeben wurden, klagten die meisten Redner. Widerspruch kam von Thorsten Herdan vom Bundeswirtschaftsministerium. Einig war man sich in der Ablehnung von Forderungen aus der Bau- und Wohnungswirtschaft, die EnEV 2016 auf Eis zu legen: "Wenn wir jetzt über die Notfallmaßnahmen bei bestimmten Nutzungsmöglichkeiten oder Containerbauten hinaus anfangen, in Frage zu stellen, ob eine EnEV 2016, eine weitere Verschärfung Sinn macht, dann schütten wir das Kind mit dem Bade aus", sagte Herdan. Auch Umweltministerin Barbara Hendricks habe klar gesagt, "dass wir keine Aussetzung der EnEV 2016 möchten."

Nicht ganz so eindeutig hörte sich das bei den Abgeordneten an. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer erklärte, er bekomme Schreiben von Verbänden, die Standards nicht nur für Flüchtlingsunterkünfte, sondern auch in anderen Bereichen absenken wollten. Das werde in den kommenden Wochen diskutiert. Pfeiffer bezeichnete das aber als "falsche Diskussion". Sein Parlamentskollege von der SPD, Florian Post, widersprach mit Hinweis auf die Situation in München: "Mir ist hier eine bezahlbare Wohnung, die vielleicht nicht den letzten Standard zur Gebäudedämmung erfüllt, lieber, als dass wir Wohnraum zusätzlich noch verteuern."

Heizungsmarkt hat bisher um 6 Prozent zugelegt

Ein zentrales Thema der Konferenz war auch die Marktentwicklung 2015. Manfred Greis, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der die Tagung zusammen mit dem Fachverband Gebäude-Klima (FGK) veranstaltete, berichtete von einer Steigerung der Stückzahlen von Januar bis August um 6 Prozent  auf 434.000 Stück. "Ich denke, dass wir das bis zum Jahresende auch in etwa durchhalten werden." Damit werde die Verringerung im Jahr 2014 um 4 Prozent mehr als ausgeglichen.

Ölheizungen legen um 30 Prozent zu

Erstaunlich sei: "Die Ölheizung, die Totgesagte, hat Steigerungen von 30 Prozent in diesem Jahr." Greis sieht darin jedoch keine Trendwende, sondern nur eine "vorübergehende Erscheinung" und "Sonderentwicklung". Die 6 Millionen Ölheizungen im Bestand habe in den letzten Jahren kaum noch einer angefasst. Sie seien inzwischen so alt, dass sie reparaturanfällig und wartungsintensiv geworden seien. "Und dann kommt ein niedriger Ölpreis und das Gefühl: Dieser Energieträger ist ja gar nicht so knapp, wie wir bisher geglaubt haben. Und dann wird plötzlich wieder in die Modernisierung von Ölheizungen investiert."

Die Bedeutung dieses Zuwachses relativiert sich allerdings bei absolut 52.000 verkauften Ölheizungen (Summe aus Brennwert- und Niedertemperaturtechnik). Anders beim mit Abstand am häufigsten gekauften Heizungstyp: Eine Steigerung um wenige Prozent schlägt bei insgesamt 328.000 Gasheizungen (immer Januar bis August) bereits durch. Der Zuwachs um 4 Prozent auf 255.000 Gas-Brennwert-Geräte entspricht gut 9.800 mehr verkauften Heizungen. Noch höher war mit 11 Prozent der Zuwachs bei der Gas-Niedertemperatur-Technik auf 73.000 Stück. Das fand BDH-Präsident Greis "erstaunlich", und so recht hatte er keine Erklärung dafür, "warum immer noch so viel Niedertemperatur-Technik eingebaut wird". Die Tendenz bei den beiden Gas-Gerätetypen hat sich damit ins Gegenteil verkehrt.

Auch Niedertemperaturkessel werden viel verkauft

Im Gegensatz zur moderneren Brennwert-Technik können Niedertemperatur-Gasheizungen die Kondensationswärme des Wasserdampfs im Abgas nicht nutzen. Der dadurch entstehende Nachteil beim Kesselwirkungsgrad hängt unter anderem von der Außentemperatur ab. In der Übergangszeit kann das nach BDH-Unterlagen einen Unterschied von bis zu 22 Prozentpunkten bedeuten. Übers Jahr spart laut Deutscher Energie-Agentur (dena) die Brennwert-Technik gegenüber der Niedertemperatur-Technik 10 Prozent Gas ein. Die Mehrkosten für die Anschaffung liegen bei 300 bis 800 Euro - bei möglicherweise weiteren Zusatzkosten für die Abgasanlage.

Den Steigerungen bei allen fossilen Heizungstypen stehen teilweise herbe Rückgänge bei solchen mit alternativen Brennstoffen gegenüber. So wurden 36 Prozent weniger Hackschnitzelkessel verkauft: nur noch 2.000 Stück. Bei Pelletkesseln (-19 Prozent; noch 8.000 Stück) und Scheitholzkesseln (-13 Prozent; noch 8.500 Stück) sieht es kaum besser aus.

Ein Minus von 13 Prozent ist auch bei den thermischen Solaranlagen zu verzeichnen. Hier wird traditionell die verkaufte Kollektorfläche gezählt, und das waren in Deutschland in den ersten acht Monaten 2015 gerade 539.500 Quadratmeter (Greis: "ein absoluter Jammer"). 2013 waren es noch mehr als eine Million Quadratmeter gewesen. Sogar die lange erfolgsverwöhnte Wärmepumpenbranche muss eine Einbuße um 5 Prozent auf 35.500 verkaufte Geräte verzeichnen. Das bedeutet, dass Wärmepumpen und Holzheizungen zusammen noch nicht einmal auf die Anlagenzahl der verkauften Ölheizungen kommen.

Gleichzeitig räumen Wärmepumpen bei der Förderung durch das BAFA ab. Dort legte die Zahl der geförderten Anlagen deutlich zu. Das bedeutet jedoch nicht, dass mehr Anlagen verkauft werden. Es gab lediglich für mehr Wärmepumpen staatliche Zuschüsse. Bei Biomasse und Solarthermie waren auch die BAFA-Anträge 2015 rückläufig.

 

Unter dem Strich prognostiziert der BDH für 2015, dass nur noch in 19 Prozent der Fälle Erneuerbare-Technik gekauft wird, wenn sich jemand eine neue Heizungsanlage zulegt. 2008 hatte dieser Anteil noch bei 45 Prozent gelegen. Dass der erneuerbare Anteil an der Wärmegewinnung in Deutschland aktuell dennoch auf 12,2 Prozent gestiegen ist, liegt nach Thorsten Herdan auch an einer Statistik-Korrektur: Die Erhebung wurde an die EU-Methodik angeglichen.

Herdan: "Wir wollen keine CO2-Steuer"

Wie es mit Sonnenenergie, Umgebungswärme für Wärmepumpen und Holz weitergeht, wird auch von der Meinung abhängen, die man sich aktuell im Wirtschaftsministerium bildet. Dort werden derzeit Gutachten zum anzustrebenden Verhältnis zwischen Effizienz und erneuerbarer Wärme ausgewertet. Thorsten Herdan sagte auch auf hartnäckiges Nachfragen nur so viel: Die beiden Extrempositionen seien 64 Prozent Erneuerbare und 36 Prozent Energieeffizienz auf der einen Seite sowie 50 zu 50 auf der anderen. Was Herdan nicht will, ist jedenfalls eine CO2-Steuer. Auf eine entsprechende Frage sagte er: "Wir haben uns für den CO2-Emissionshandel entschieden." Nun müsse ein gewisser Mindestpreis für CO2 das Ziel sein. Dieser Prozess sei in Europa angestoßen. "Es wäre grundverkehrt, diesen voreilig wieder kaputtzumachen, indem wir ein nationales Instrument setzen würden." Von Alexander Morhart

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