BAFA zahlt 30 Prozent für hydraulischen Abgleich und Pumpentausch

BAFA-Programm Heizungsoptimierung läuft zäh

Trotz hohem Zuschuss kommt der Pumpentausch nicht in Schwung. © Grundfos

"Selten ein so schnelles und unkompliziertes formales Verfahren erlebt" hat der kommunale Energieberater Thomas Königstein: "einfachste Registrierung, sechs Monate Zeit, Rechnungen einreichen, Bescheid und Förderung innerhalb von zwei Wochen." Und doch ist die Nachfrage nach der BAFA-Förderung der Heizungsoptimierung bisher zäh: Selbst im Dezember 2016, dem fünften und bisher besten Monat seit Beginn der Förderung, war die Zahl der Anträge für hocheffiziente Heizungs- oder Warmwasserpumpen nur 10 Prozent so hoch wie vom Wirtschaftsministerium angestrebt. Beim hydraulischen Abgleich war das Verhältnis noch einmal deutlich schlechter.

Laut Ministerium sollten "bis 2020 jährlich bis zu 2 Millionen Pumpen ausgetauscht und 200.000 hydraulische Abgleiche" durchgeführt werden. Dafür gibt es jeweils einen Zuschuss von 30 Prozent der Nettokosten.

Selbst wenn man optimistisch annimmt, dass durch die Werbekampagne "Deutschland macht's effizient" der Höhepunkt der Förder-Registrierungen zum Jahresdurchschnitt würde und jeder potenzielle Antragsteller nach der Registrierung den Austausch oder Abgleich auch tatsächlich vornehmen ließe, wären pro Jahr lediglich gut 123.000 Pumpen- und 41.000 Abgleichförderungen zu erwarten.

Pumpenaustausch lohnt sich

Zurzeit laufen in Deutschland rund 10 Millionen Heizungspumpen, die für das Förderprogramm infrage kommen. Meist wurden sie vor 2006 angeschafft, bevor Modelle mit hocheffizienter Antriebstechnik und Regelung auf den Markt kamen. Der Strombedarf einer solchen meist zu groß ausgelegten Heizungsumwälzpumpe beläuft sich in einem Einfamilienhaus mit drei Bewohnern typischerweise auf 500 Kilowattstunden pro Jahr. Das ist mehr als in der Regel für die gesamte Beleuchtung benötigt wird. Erfolgt der Austausch gegen ein modernes Modell, sind es noch etwa 75 Kilowattstunden pro Jahr.

Diese Berechnung gilt aber nur, wenn auch ein hydraulischer Abgleich erfolgt. Er stellt sicher, dass jeweils genau die Menge Heizungswasser - und nicht mehr - durch jeden Rohrnetzabschnitt gepumpt wird, die nötig ist, damit auch die weit von der Heizung entfernten Heizkörper warm genug werden.

Schon bisher wurden jährlich jeweils rund 1 Million Pumpen ausgetauscht. In einem Drittel der Fälle ging es zumindest den Besitzern kleinerer Häuser tatsächlich vor allem um die Stromeinsparung, wie eine bundesweite repräsentative Umfrage der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ergeben hat. Dafür hatten die Austauschwilligen gute Gründe: Man braucht nur die jährliche Stromkosteneinsparung (im obigen Beispiel bei 26,5 ct/Kilowattstunde rund 113 Euro) dem Preis für eine neue Hocheffizienzpumpe mit Einbau (etwa 450 Euro) gegenüberzustellen.

Dabei sollte man aber aufpassen, denn bestellt der Handwerker wieder eine zu große Pumpe, geht die Rechnung nicht auf. Energieberater Königstein: "Manche Handwerker sind da fit, andere können das nicht. Die bestellen einfach nur beim Hersteller und fragen vielleicht noch kurz am Telefon: 'Welche Pumpe soll ich da eigentlich nehmen?'". In 25 Prozent der Fälle wurde bei der erwähnten Umfrage einfach eine Pumpe mit der gleichen Leistung eingebaut.

Viele Handwerker können hydraulischen Abgleich nicht

Die zweite Komponente des BAFA-30-Prozent-Förderprogramms ist der hydraulische Abgleich. Den bisher mit dem Programm erreichbaren gut 18.700 Abgleichförderungen (Hochrechnung auf ein Jahr) stehen nach einer Anfang März von Co2online veröffentlichten Auswertung 17,2 Millionen nicht abgeglichene Heizungsanlagen gegenüber. Bei jährlich etwa 210.000 Anlagen wird derzeit ein Abgleich vorgenommen, wie sich aus der Statistik des Industrieverbands BDH und der durchschnittlichen Optimierungsquote von jährlich 1 Prozent 2012 bis 2016 errechnen lässt.

Wie wirtschaftlich die Maßnahme für den Wohnhaus-Eigennutzer sein wird, lässt sich viel schwerer sagen als beim Pumpenaustausch. Hier wird eher Wärme (mit unsteten Preisen) als Strom eingespart; ob und wieviel, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die Kosten in einem Einfamilienhaus können 500, aber auch 800 Euro betragen. Die Berechnungen wann die Kosten eingespielt sind liegen weit auseinander.

Klarheit kann man sich preiswert mit dem "Heiz-Check" der Verbraucherzentrale verschaffen: Für höchstens 40 Euro kommt der Energieberater ins Haus. Dass viele schon diesen ersten Schritt nicht tun, liegt auch an der Situation im Handwerk. In den 70er Jahren war für einen Zentralheizungsbauer der korrekte Abgleich eines Heizungssystems noch Teil der Grundausbildung. Anders heute: Jetzt heißt der Heizungsbauer "Anlagenmechaniker für SHK", müsste oft erst eine zusätzliche Schulung machen - und damit nicht selten gegen sein wirtschaftliches Eigeninteresse handeln. Denn bezogen auf den Arbeitsaufwand ist so gut wie alles lukrativer als das Optimieren eines Heizsystems.

Auch Hauseigentümer sind eher bereit, Geld für ein neues Bad auszugeben als für die Modernisierung der Heizung. Das belegt eine zur ISH vorgelegte Befragung des Zentralverbands SHK zu den Kundenwünschen. Außerdem ist hydraulischer Abgleich nicht gleich hydraulischer Abgleich. Es gibt zwei Berechnungsverfahren: ein detailliertes Verfahren "B" und ein vereinfachtes, weniger wirksames "A", dessen Zulässigkeit nach langem Tauziehen zwischen Wissenschaft und Verbändelobby vor kurzem doch über den 1. Januar 2017 hinaus verlängert wurde.

Vertragsrecht als Hemmnis

Bei Neubau oder Modernisierung wirken diese Mechanismen ebenfalls, doch kommt hier noch ein Webfehler des Vertragsrechts hinzu. Ein Bauvertrag wird meist nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) abgeschlossen. Nach dieser wird der hydraulische Abgleich nicht im Leistungsverzeichnis separat ausgewiesen und dem Handwerker vergütet, sondern als "selbstverständlich angenommene Nebenleistung" betrachtet. Ob sie erbracht wurde, kann man als Laie nicht erkennen. Lässt der Bauherr die Ausführung also nicht kontrollieren, stellt sich ein Handwerker dann am besten, wenn er sich die sechs Stunden spart, die ein sorgfältiger Abgleich im Einfamilienhaus dauert, und stattdessen die Vorlauftemperatur oder die Pumpenleistung ein bisschen erhöht.

Doch sogar wenn es diese Hemmnisse nicht gäbe: Die meisten privaten Hausbesitzer interessieren sich derzeit einfach nicht für solche Themen. Thomas Königstein: "Es wäre gut, wenn in einem Gebäudeenergiegesetz ein Pumpenaustausch und der hydraulische Abgleich vorgeschrieben würden. Dann gäbe es einen Standard, und jeder wüsste, was er zu tun hat." Zum gleichen Fazit kommt Professor Dieter Wolff von der Ostfalia-Hochschule: "Nicht fördern, sondern vorschreiben! Sonst vergehen weitere 10 bis 20 Jahre." von Alexander Morhart

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