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"Kosten sind meist höher als von Anbietern genannt"

Verbraucherzentralen kritisieren Wärmepumpenbranche

01.12.2009, 08:58

Luft-Wasser-Wärmepumpe von Vaillant
Wärmepumpen werden derzeit offensiv beworben. Bild: Vaillant

Die Verbraucherzentralen von Hessen und Rheinland-Pfalz haben die Anbieter von Wärmepumpen unter die Lupe genommen und kritisieren deren Marketingstrategie. "Einige Anbieter von Wärmepumpen bewerben ihre Produkte mit übertriebenen oder irreführenden Aussagen zu deren Wirtschaftlichkeit und Effizienz", sagt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Die tatsächlichen Kosten für Wärmepumpenanlagen liegen höher als die typischen Zahlen der Anbieter vermuten lassen", monieren die Hessen.

Eklatant sind die Preisunterschiede, die die Verbraucherschützer aus Hessen bei ihren Testangeboten ermittelt haben. Sie haben 50 Angebote für Erd-Wasser-Wärmepumpen und für Luft-Wasser-Wärmepumpen eingeholt. "Die Angebote für Luft-Wärmepumpen beliefen sich auf durchschnittlich 17.000 Euro und lagen damit um 2.000 Euro höher als von den Anbietern angegeben", sagen sie. Bei Erd-Wasser-Wärmepumpen betrug der Preisunterschied sogar 7.000 Euro. Der Grund: Wichtige Positionen wie Wärmemengenzähler, Erdarbeiten oder Gutachten seien häufig in den Angeboten nicht enthalten.

"Nie mehr Heizkosten" oder "Heizkosten auf ein Viertel reduziert" - auf solche Werbebotschaften der Hersteller, aber auch von Energieversorgern bezieht sich die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in ihrer Kritik. Die Energieversorger rühren heftig die Werbetrommel für Wärmepumpen, da diese mit Strom arbeiten und für Umsatz sorgen. Dabei werde gerne verschwiegen, dass der Einsatz einer Wärmepumpe nur unter ganz bestimmten Bedingungen ökonomisch sinnvoll sei und lohnende Energie- und Kosteneinsparungen bewirke.

Aussagen wie "Vorlauftemperatur bis 75 Grad Celsius möglich", verschleierten die damit einhergehende Effizienzeinbuße, sagen die Verbraucherschützer. Denn nur bei niedrigen Heizungsvorlauftemperaturen in Verbindung mit einer guten Wärmedämmung arbeiten Wärmepumpen effizient.

Natürlich seien in der Sanierung zum Einsatz einer Wärmepumpe weitere Maßnahmen empfehlenswert, wie etwa eine zusätzliche Dämmung - schließlich arbeiteten Wärmepumpen bei einer niedrigen Differenz zwischen der Quellen- und der Vorlauftemperatur besonders effizient, bestätigt Karl-Heinz Stawiarski, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe. Dennoch könne ein großes Einsatzspektrum sinnvoll sein: "So sind in Mehrfamilienhäusern beispielsweise hohe Trinkwasser-Temperaturen vorgeschrieben. Daher ist es gut, wenn eine Wärmepumpe hohe Vorlauftemperaturen schafft - auch wenn man diese nicht für die Heizung benötigt. Wenn ich mir einen Porsche kaufe, muss ich damit ja auch nicht immer 300 Stundenkilometer fahren."

Ein weiterer Kritikpunkt der Verbraucherschützer: Die Wärmeerzeugung durch Luft-Wasser-Wärmepumpen bei Außentemperaturen von bis zu Minus 20 Grad  Celsius werde häufig als unproblematisch dargestellt. Das könne eine Wärmepumpe leisten, aber natürlich nicht das ganze Jahr über fahren, sagt Stawiarski.

Dabei verschweige die Werbung gerne, dass bei derart niedrigen Außentemperaturen für die Wärmeerzeugung eine meist elektrische Zusatzheizung zugeschaltet werden muss, sagen die Verbraucherschützer weiter. Das könne die Stromrechnung erheblich in die Höhe treiben. Erste Ergebnisse einer Untersuchung, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Zusammenarbeit mit sieben Herstellern von Wärmepumpen derzeit erstellt, liegen vor. Sie verweisen darauf, dass Planer und Installateure, aber auch die Benutzer geschult werden müssen, um effiziente Anlagen zu erhalten.

Die Verbraucherschützer aus Rheinland-Pfalz haben eine Checkliste entwickelt, die die Auswahl erleichtern soll. Die wichtigsten Tipps der Verbraucherschützer:

  • Gebäude und Wärmepumpe müssen gut aufeinander abgestimmt sein. Das Haus sollte gut gedämmt sein und die Wärmeverteilung über eine Fußboden- oder Wandheizung erfolgen.
  • Als Wärmequelle kommen in erster Linie das Erdreich oder das Grundwasser in Frage.
  • In hoch wärmegedämmten Passivhäusern ist der Einsatz von Luftwärmepumpen in Kombination mit der Lüftungsanlage sinnvoll.
  • Die Wärmepumpe sollte möglichst monovalent, also ohne Elektro-heizstab betrieben werden.
  •  Die Warmwasserbereitung sollte ebenfalls über die Wärmepumpe erfolgen.
  • Auf eine genaue Planung und Auslegung der Wärmepumpe ist zu achten.
  • Einen hydraulischen Abgleich für die Wärmequelle und die Wärmeverteilung sollte man durchführen lassen.
  • Man sollte auf jeden Fall einen Wärmemengenzähler einbauen und eine Jahresarbeitszahl vertraglich zusichern lassen. Nach dem Einbau empfiehlt es sich, die Jahresarbeitszahl durch regelmäßiges Zählerablesen prüfen.

Die Fraunhofer-Forscher geben ähnliche Ratschläge. Es komme auf die sorgfältige Auslegung der kompletten Anlage an, sagen sie. Wichtig sei eine Überprüfung der Beladungsstrategien der Wärmespeicher, die Durchführung des hydraulischen Abgleichs sowie eine Dämmung aller Rohrleitungen. Sie raten außerdem bei Sole-Wasser-Wärmepumpen zu einer Deaktivierung der Heizstäbe. Die seien bei einer korrekt ausgelegten Anlage nicht notwendig.

Außerdem verweisen sie darauf, dass Anlagen mit komplexen hydraulischen Schemata zwar schwieriger zu planen seien, aber effizienter liefen. Anbieterneutrale Informationen zum Thema Wärmepumpe bieten auch die Seiten www.co2online.de oder www.waermewechsel.de. pgl

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