Verbraucherzentralen kritisieren Wärmepumpenbranche
Frankfurt/Mainz. Die Verbraucherzentralen von Hessen und Rheinland-Pfalz haben die Anbieter von Wärmepumpen unter die Lupe genommen und kritisieren deren Marketingstrategie. "Einige Anbieter von Wärmepumpen bewerben ihre Produkte mit übertriebenen oder irreführenden Aussagen zu deren Wirtschaftlichkeit und Effizienz", sagt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Die tatsächlichen Kosten für Wärmepumpenanlagen liegen höher als die typischen Zahlen der Anbieter vermuten lassen", monieren die Hessen.
Eklatant sind die Preisunterschiede, die die Verbraucherschützer aus Hessen bei ihren Testangeboten ermittelt haben. Sie haben 50 Angebote für Erd-Wasser-Wärmepumpen und für Luft-Wasser-Wärmepumpen eingeholt. "Die Angebote für Luft-Wärmepumpen beliefen sich auf durchschnittlich 17.000 Euro und lagen damit um 2.000 Euro höher als von den Anbietern angegeben", sagen sie. Bei Erd-Wasser-Wärmepumpen betrug der Preisunterschied sogar 7.000 Euro. Der Grund: Wichtige Positionen wie Wärmemengenzähler, Erdarbeiten oder Gutachten seien häufig in den Angeboten nicht enthalten.
"Nie mehr Heizkosten" oder "Heizkosten auf ein Viertel reduziert" - auf solche Werbebotschaften der Hersteller, aber auch von Energieversorgern bezieht sich die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in ihrer Kritik. Die Energieversorger rühren heftig die Werbetrommel für Wärmepumpen, da diese mit Strom arbeiten und für Umsatz sorgen. Dabei werde gerne verschwiegen, dass der Einsatz einer Wärmepumpe nur unter ganz bestimmten Bedingungen ökonomisch sinnvoll sei und lohnende Energie- und Kosteneinsparungen bewirke.
Aussagen wie "Vorlauftemperatur bis 75 Grad Celsius möglich", verschleierten die damit einhergehende Effizienzeinbuße, sagen die Verbraucherschützer. Denn nur bei niedrigen Heizungsvorlauftemperaturen in Verbindung mit einer guten Wärmedämmung arbeiten Wärmepumpen effizient.
Natürlich seien in der Sanierung zum Einsatz einer Wärmepumpe weitere Maßnahmen empfehlenswert, wie etwa eine zusätzliche Dämmung - schließlich arbeiteten Wärmepumpen bei einer niedrigen Differenz zwischen der Quellen- und der Vorlauftemperatur besonders effizient, bestätigt Karl-Heinz Stawiarski, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe. Dennoch könne ein großes Einsatzspektrum sinnvoll sein: "So sind in Mehrfamilienhäusern beispielsweise hohe Trinkwasser-Temperaturen vorgeschrieben. Daher ist es gut, wenn eine Wärmepumpe hohe Vorlauftemperaturen schafft - auch wenn man diese nicht für die Heizung benötigt. Wenn ich mir einen Porsche kaufe, muss ich damit ja auch nicht immer 300 Stundenkilometer fahren."
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