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Pelletverband kritisiert Bundesregierung

"Stop-and-Go-Förderung bringt Markt zum Erliegen"

08.09.2010, 09:44

Brennende Pellets
Pelletheizungen sparen bis zu 30 Prozent Kosten gegenüber Ölheizungen. Bild: DEPI

"Wir fühlen uns als Branche getäuscht", kritisierte Beate Schmidt, Vorsitzende des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) die Bundesregierung am 7. September 2010 bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen und Perspektiven des DEPV in Stuttgart. Das Vertrauen in die Bundeseregierung sei massiv gesunken. Auch an die 200 Millionen Euro mehr für das MAP, die Bundesumweltminister Röttgen bei der Vorstellung des Klimakonzepts der Branche in Aussicht gestellt hatte, glaube sie nicht. Grund für den Vertrauensverlust ist vor allem die Förderpolitik der Bundesregierung. 

Das Marktanreizprogramm für Heizungssysteme aus erneuerbaren Enegien, das seit 1. Januar 2009 unter anderem den Austausch von alten Heikesseln fördert, soll auch dazu beitragen, die Klimaziele der Regierung zu erreichen sowie einen breiteren Markt für diese Technologien zu etablieren. Für 2010 waren ursprünglich genau wie im voran gegangenen Jahr Mittel von rund 467 Millionen Euro vorgesehen.

Diese wurden später noch um 19,5 Millionen Euro gekürzt. 115 Millionen Euro wurden zwischenzeitlich durch die Haushaltssperre eingefroren.

Erst nach intensiver Lobbyarbeit zahlreicher Verbände konnte die Haushaltssperrre am 7. Juli 2010 wieder aufgehoben werden. Eine Studie des Ifo-Instituts, wonach dem Bund jährlich rund 150 Millionen Euro Steuergelder entgehen, sorgte bei den Entscheidungsträgern in Berlin mit für das politische Umdenken. Zu dieser Zeit allerdings hatten, so Schmidt, die meisten privaten Investoren ihr Geld schon  anderweitig verplant, so dass der Schaden schon angerichtet war.

Im Frühjahr tätigen die meisten Privatpersonen ihre Investitionen im Bereich Haussanierung und Energieeffizienz, später sei das Budget in der Regel verbraucht, berichtet Schmidt. Auch deshalb stieß die Sperre beim Verband auf soviel Unverständnis. "Die Stop-and-Go-Förderpolitik hat den Markt zum Erliegen gebracht", sagte Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Pelletinstituts bei der Vorstellung der Umsatzzahlen für das erste Halbjahr 2010.

Diese Zahlen sind für die Hersteller von Pellet-Heizungen entsprechend unbefriedigend: Rund 30 Prozent weniger Umsatz als prognostiziert werden es 2010 sein. Statt der erwarteten 25.000 neuen Anlagen bjs zu einer heizleistung von 50 KW sollen 2010 nur 15.000 den Weg zu den Kundinnen und Kunden finden. Damit steigt die Zahl der kleinen Pelletheizungen in Deutschland 2010 voraussichtlich auf 135.000.

Trotz dieser Zahlen und der fehlenden politischen Verlässlichkeit lässt sich der Verband nicht entmutigen. Eigentlich seien die "Perspektiven extrem gut", verkündete Schmidt. Sie sieht ein riesiges Potenzial für Pelletheizungen. Denn obwohl Warmwasser und Heizung rund 80 Prozent der Energieversorgung eines Haushaltes ausmachen, also hier ein enormes Einsparvolumen vorhanden ist, sind im Moment laut DEPV lediglich zwölf Prozent der Heizungen in Deutschland auf dem neuesten Stand. Drei Millionen Anlagen sind älter als 24 Jahre und müssten eigentlich ausgetauscht werden.

Dafür gibt es allerdings noch keine gesetzliche Regelung. Diese fordert der DEPV aber von der Regierung genau wie ein "haushaltsunabhängiges Instrument" statt des Hin und Her des Marktanreizprogramms. Außerdem will die Pelletindustrie eine verschärfte Ordnungspolitik und Sanktionen für Haushalte mit zu alten Heizungen.

Der Verband schlägt eine Abgabe auf Öl und Gas vor. Importeure fossiler Brennstoffe sollen pro verkaufter Einheit Öl und Gas eine Prämie bezahlen. Das soll sofort Mittel in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr bringen. Geplant ist eine sich vermindernde Abgabe über zehn Jahre. Vor allem bei den Parteien der Regierungskoalition stößt das im Moment noch auf wenig Gegenliebe. Die Zuständigen in Berlin scheuten die Kosten eines "zweiten Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG)", meint Bentele. Das EEG sieht langfristig hohe Summen für die Förderung von Fotovoltaikanlagen vor. Außerdem sei hier das Interesse nicht so groß wie bei den prestigeträchtigen Solar- und Windkraftanlagen: "Im Bewusstsein der Politik finden wir nicht statt", beschwert sich Bentele.

Er weiß jedoch, dass nicht die Politik die Probleme der Branche lösen kann: "Wir haben vor allem ein Imageproblem, weil Wärme im Keller stattfindet". Was noch fehlt, sei der große mediale Durchbruch. Diesen verhindere aber auch die Struktur der Pellet-Industrie, die hauptsächlich aus kleineren, mittelständischen Unternehmen bestehe, die sich keine größeren Kampagnen leisten könnten.

Um auf sich aufmerksam zu machen, hat der DEPV im März 2010 in Kooperation mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und der Konkurrenz, dem Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) die Bundesregierung aufgefordert, klare Rahmenbedingungen für den Wärmemarkt zu schaffen.

Außerdem ist eine gemeinsame PR-Kampagne geplant, um die Bürgerinnen und Bürger auf das Energie- und Kostensparpotenzial im eigenen Keller aufmerksam zu machen. Denn schon jetzt sei Heizen mit Pellets um dreißig Prozent billiger als mit Öl und der Ölpreis werde sicherlich in den nächsten Jahren wieder kräftig ansteigen. Paul-Jasper Dittrich/pgl

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