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Berliner Energietage starten mit Rekordzahlen

Steuererleichterung soll Sanierung voranbringen

19.05.2011, 00:00

Andreas Müller und Christian Küchen bei den Berliner Energietagen
Andreas Müller und Christian Küchen stellen Steuerpläne vor. © Grund-Ludwig

Mit einer Rekordbeteiligung von mehr als 7.000 Anmeldungen und teilweise überfüllten Foren starteten die Berliner Energietage. Im Mittelpunkt der Diskussionen des ersten Tages standen Fragen zur Bezahlbarkeit von Sanierungsmaßnahmen und einer Erhöhung der Sanierungsquote, zu notwendigen steuerlichen Anreizen und zu Chancen von Nahwärme und Kraft-Wärme-Kopplung.

Derzeit gebe es eine einseitige Fokussierung auf die Energiegewinnung in der öffentlichen Debatte, die Frage der Bedarfsreduzierung sei "etwas für den Katzentisch", monierte Jürgen Pöschk, programmverantwortlicher Leiter der Berliner Energietage. Über konkrete Maßnahmen des Berliner Senats berichtete Umweltsenatorin Katrin Lompscher. So wird das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz nun in der Bundeshauptstadt vollzogen, "das Durchführungsgesetz soll noch in dieser Legislaturperiode beschlossen werden", versprach sie. Sie plädierte  zudem für mehr Ordnungsrecht, eine Botschaft, die die Wohnungswirtschaft nicht gerne vernommen hat.

So kritisierte der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz, an der die Dena beteiligt ist. Sie soll eine Verschärfung der EnEV um 30 Prozent gefordert haben. Das sei "weder im Neubau noch im Bestand darstellbar", mahnte der Verband. Eine Verschärfung des Ordnungsrechts sei der falsche Weg.

Steuerliche Anreize in der Sanierung bildeten dagegen einen Schwerpunkt in den unterschiedlichen Diskussionsforen. So sprach sich Ina von Cölln vom BFW für eine Klima-AfA aus. Derzeit sind bei Vollsanierungen Abschreibungen von 2 Prozent möglich, "ich denke, 8 Prozent für energetische Sanierung könnte einen Anschub auslösen", gab sie der Bundesregierung mit auf den Weg. In Berlin stehen die Chancen derzeit nicht schlecht dass es Gehör gibt für solche Ideen, bis Anfang Juni ist ein neues Papier zur Umsetzung der Klimaziele angekündigt.

Ideen zu steuerlichen Anreizen hat auch die Verbändeinitiative Energieeffizienz und Klimaschutz mit auf die Berliner Energietage gebracht. In dieser Initiative arbeiten zehn Verbände aus dem Umfeld der Haus- und Heizungstechnik zusammen. Deshalb liegt der Fokus bei den Vorschlägen auch bei anlagentechnischen Investitionen bei Heizungen. Um in diesem Bereich die Klimaziele zu erreichen, müssten statt wie bislang 400.000 Heizungsanlagen 650.000 Anlagen jährlich ausgetauscht werden, betonte Professor Christian Küchen vom Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO).

Die Initiative schlägt Maßnahmen vor, die vor allem Ein- und Zweifamilienhausbesitzer adressieren. Bei Investitionen von maximal 30.000 Euro pro Gebäude sollen 60 bis 80 Prozent der Investitionen steuerlich abgeschrieben werden können. Voraussetzung wäre die Rechnung eines Fachbetriebs. Das Modell solle degressiv ausgestaltet werden, je später die Maßnahme erfolgt, desto geringer die Steuerersparnis. "Wenn man das nicht macht warten die Leute bis zum Schluss ab", warnte Küchen. Grundlage für die Höhe der Abschreibung soll die energetische Kennzeichnung von Heizgeräten sein, die derzeit auf EU-Ebene im Rahmen der Ecodesign-Richtlinie erarbeitet wird. Vorgeschlagen wird, das Konzept für einen Zeitraum von zehn Jahren anzubieten und dann zu beenden.

Die Verbände haben die Auswirkungen ihres Vorschlags vom Marktforschungsunternehmen Technomar untersuchen lassen. Das Ergebnis: Zwischen 2012 und 2021 käme es bei allen Energieträgern zu deutlichen Absatzsteigerungen. Profitieren würden nach der Untersuchung Brennwerttechnologien, prozentual noch stärker aber Wärmepumpen, Biomasse mit einer Vervierfachung und Solarthermie mit einer Verdreifachung der Anlagen im Jahr 2021 im Vergleich zu 2012. Außerdem hat Technomar sich die volkswirtschaftlichen Effekte angeschaut. 80 Prozent der Wertschöpfung finde in Deutschland statt, da die Hersteller in der Regel aus Deutschland kommen. "Über eine Laufzeit von zehn Jahren führt das Modell zu zusätzlichen Einnahmen für den Staat auf allen Ebenen von mehr als vier Milliarden Euro", lautet das Ergebnis der Untersuchung.

Man sei für diesen Ansatz auch deshalb, weil er wirklich massentauglich sei und eine Sanierung in der Breite ermögliche, unterstrich Andreas Müller für den Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Ergänzend müsse es das Marktanreizprogramm für die Technologien geben, die an der Schwelle zur Marktreife stehen, für "Personen, die in Hightech investieren wollen."

Bereits im Vorfeld der Energietage hatte sich der GdW dafür ausgesprochen, bestehende Steuerhemmnisse bei der Nutzung erneuerbarer Energien zu beseitigen. "Wohnungs- und Immobilienunternehmen können in vielen Fällen die Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für den Betrieb erneuerbarer Energieanlagen wegen gravierender steuerlicher Nachteile nicht nutzen und müssen daher auf die Nutzung erneuerbarer Energien im Sinne des EEG verzichten", so Verbandschef Axel Gedaschko. Das Gewerbesteuergesetz und das Körperschaftsteuergesetz sollten entsprechend geändert werden, so dass auch Wohnungsunternehmen, die die erweiterte Gewerbesteuerkürzung in Anspruch nehmen, sowie steuerbefreite Vermietungsgenossenschaften Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien errichten könnten, erklärte Gedaschko. Er forderte dazu auf, diese beiden Punkte im weiteren Verfahren zum Steuervereinfachungsgesetz zu berücksichtigen.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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