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Die Nachfrage nach leistungsstarken Holzheizungen steigt

Pellet-Heizung im Mehrfamilienhaus braucht Platz

08.06.2010, 06:32

Pellet-Ofen
Pellet-Heizungen behaupten sich im Mehrfamilienhaus. Bild: Paradigma

Experten sind sich einig: Während bei Einfamilienhäusern die Nachfrage nach Pellet-Heizungen stagniert, gehen die Nutzungsraten in größeren Gebäuden deutlich nach oben.

Dafür gibt es einen Hauptgrund: Der Einbau einer Pellet-Heizung rechnet sich im Mehrfamilienhaus schneller als im kleineren Bereich. Schließlich liegen die Anschaffungskosten für solche Heizungen rund ein Drittel über denen von Gas- oder Ölheizungen. Aufgrund der günstigeren Brennstoffpreise amortisieren sich die Ausgaben nach einigen Jahren. Bei Einfamilienhäusern liegt dieser Zeitraum bei etwa sieben bis acht Jahren. Bei Mehrfamilienhäusern ist diese Zeitspanne deutlich kürzer.

Wann genau der Amortisationspunkt erreicht wird, hängt zwar von verschiedenen Werten ab – wie etwa der Größe der Pellet-Anlage oder dem energetischen Zustand des Hauses. Die meisten Experten nennen einen Richtwert von vier bis fünf Jahren.

Die Hersteller tragen dem gestiegenen Bedarf an Pellet-Heizungen im Mehrfamilienhaus Rechnung. So bedient zum Beispiel Viessmann mit dem hinzugekauften Anbieter Köb das mittlere Segment. Außerdem wurde die Leistung des hauseigenen Holzpelletkessels Vitoligno 300-P erweitert. Hinzugekommen sind Nenn-Wärmeleistungen von 32, 40 und 48 Kilowatt. Laut Hersteller eignet sich der Kessel damit auch für größere Wohnanlagen.

Bei hohem Wärmebedarf können mehrere Pellet-Öfen als Kaskade aufgebaut werden. Nach diesem Konzept wird zum Beispiel ein Wohnblock mit 60 Wohneinheiten in Wolfen in Sachsen-Anhalt beheizt. Dabei erbringen vier Pelletkessel zusammen eine Wärmeleistung von insgesamt 224 Kilowatt. Die Kessel sind dabei inklusive Pelletlager in einem separaten Holzcontainer untergebracht. Hersteller Ökofen bietet Container samt Inhalt als Komplettsystem an.


Platzbedarf entscheidet über Pellet-Heizungen

Die Frage nach dem verfügbaren Raum ist entscheidend, wenn ein Mehrfamilienhaus mit Holzpellets beheizt werden soll. So muss etwa dem höheren Brennstoffbedarf auch durch einen entsprechend größeren Lagerraum für die Pellets Rechnung getragen werden. Da muss schon mal für einen Tank Platz geschaffen werden, der 25 Tonnen der Holzpresslinge fasst. Gerade bei Sanierungen ist dieser aber nicht immer vorhanden. Der Raum, den ein Öltank einnehmen würde, reicht häufig nicht aus. „Pellets brauchen doppelt so viel Platz wie Öl“, erklärt Matthias Stroh, Produktmanager für Feststoffbrennkessel bei Buderus.

Wenn das Lager daher kleiner ausfällt als eigentlich notwendig, müssen mehr Betankungen eingerechnet werden. So reicht laut Stroh bei einem Einfamilienhaus mit einem Lager für drei bis zehn Tonnen in der Regel eine Füllung pro Jahr aus. Im Mehrfamilienbereich muss der Pelletzulieferer dagegen häufiger kommen, wie das Beispiel einer Wohnanlage in Hamburg zeigt. Die aus 16 Wohneinheiten bestehende Anlage wird von einem 95-Kilowatt-Großkessel beheizt, der Lagerraum fasst zehn Tonnen. Während im Sommer eine Betankung reicht, kann es im Winter vorkommen, dass alle vier bis fünf Wochen nachgefüllt werden muss. Damit steigen die Betriebskosten, da die günstigen Sommerpreise nur teilweise genutzt werden können.

In der Hamburger Wohnanlage kümmert sich ein technisch versierter Bewohner um die Heizung. Laut Stroh kommt der Wartung der Pelletanlage vor allem im Mehrfamilienhaus besondere Bedeutung zu, da ihr Betrieb in diesem Fall störungsanfälliger ist. „Es geht hier schließlich um einen festen Brennstoff“, sagt Stroh, „da ist zum Beispiel die Fördertechnik komplexer.“ Im Vergleich zum Einfamilienhaus müsse die Anlage weitaus mehr Material verarbeiten und sei somit größeren Belastungen ausgesetzt. „Da muss vielleicht zehn Mal mehr Masse durch das System“, erklärt Stroh weiter, „die Technik bleibt aber die gleiche.“

Seiner Meinung nach ist die Betriebssicherheit von Gas- oder Ölheizungen größer als von Pelletsystemen. Er empfiehlt daher einen bivalenten Betrieb – also eine Kombination von Pellet- und zum Beispiel Gasheizung. Die Pelletanlage ist dabei dann zur Abdeckung der Grundlast zuständig. Häufig werden Pelletheizungen auch mit Solaranlagen kombiniert. Nach der Erfahrung von Stroh ist das in etwa 75 Prozent der Fälle so. Denn wenn im Sommer die Pelletheizung nur zur Erwärmung des Brauchwassers genutzt wird, ist ihr Betrieb unwirtschaftlich. Daher ist für diese Zeit der Einsatz von Solarthermie sinnvoll. Allerdings sollten die Besitzer von Mehrfamilienhäusern die Mehrkosten für die Solaranlage dabei sorgfältig gegenrechnen, rät Bernd Hehl, der beim Anlagenbauer Cofely zuständig für Energiedienstleistungen ist. „Die zusätzlichen Ausgaben heben die Einsparungen nicht immer auf“, weiß Hehl.

Einige Hersteller bieten auch Kessel, die sowohl mit Pellets als auch mit Holzhackschnitzeln arbeiten. So gibt es von KWB etwa das Gerät Multifire, dessen größte Version eine Leistung von 100 kw erbringt. In einem konkreten Projekt beheizt dieser Kessel ein Gebäude mit 15 Wohneinheiten. Ob die Kombination von Pellets und Hackschnitzel für das mittlere Segment allerdings sinnvoll ist, wird von vielen Experten bezweifelt. „Man sollte sich für einen Brennstoff entscheiden“, meint etwa Hehl. Denn schließlich bräuchte man dann auch zwei Lager. Im Gegensatz zu Pellets könne bei Hackschnitzeln die Feuchtigkeit zu Problemen führen. Nach Meinung von Beate Schmidt, Marketingleiterin bei Ökofen, ist die Nutzung von Hackschnitzeln vor allem für große landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe geeignet: „Bei einem Bedarf ab etwa 200 Kilowatt ist das sinnvoller als im Mehrfamilienhaus.“ mst

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