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Baxi hält an Brennstoffzellen-Technologie fest - Markteinführung 2013

Mikro-KWK-Geräte drängen auf den Markt

29.03.2011, 14:36

Ecopower 1.0
Das Mikro-KWK-Gerät Ecopower 1.0 von Vaillant soll ab dem 1. Juni 2011 erhältlich sein. © Vaillant

Baxi Innotech gibt sich zuversichtlich: 2013 werde das Brennstoffzellen-Heizgerät Gamma auf den Markt kommen, man befinde sich auf dem Weg vom Praxistest zur Markteinführung. Unterdessen rüsten sich Hersteller wie Vaillant, Viessmann, Brötje und Remeha für die breit angelegte Vermarktung ihrer Mikro-KWK-Geräte, die mit Verbrennungs- oder Stirlingmotoren arbeiten. Alle Geräte zielen mit einer elektrischen Leistung von einem Kilowatt und einer thermischen Leistung zwischen 2,5 und 6 Kilowatt auf den Einsatzbereich Ein- und Zweifamilienhäuser und weiten damit das bestehende Angebot an KWK-Geräten, etwa von Senertec oder Lichtblick, nach unten hin aus. Remehas Evita (1 kW el, 5 kW th) ist bereits seit Herbst 2010 auf dem Markt, Viessmanns Vitotwin (1kW el, 6 kW th) soll ab Mai 2011 verfügbar sein, Vaillants Ecopower 1.0 (1 kW el, 2,5 kW th) ab Juni 2011. Brötje hat gerade erst einen Feldversuch für seinen wandhängenden EcoGen WGS gestartet, die Markteinführung ist für 2012 geplant.

"Derzeit sind wir in der 'Design to cost'-Phase", berichtete Baxi Innotech-Geschäftsführer Guido Gummert jetzt auf der ISH in Frankfurt. Er lässt sich durch die Produktankündigungen der Heizungsriesen nicht aus der Ruhe bringen. Bereits vor zwei Jahren hatte Baxi auf der internationalen Fachmesse für Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik das innovative Mikro-KWK-Gerät auf Basis einer Brennstoffzelle vorgestellt. Damals war auch die Konkurrenz - allen voran Vaillant - voll des Lobes über die Brennstoffzellentechnik. Nach wie vor beteiligt sich der Heizungsriese aus Remscheid neben mehreren Energieversorgern, Baxi und Hexis am Forschungsprojekt Callux, bei dem Brennstoffzellen-Heizgeräte in der Praxis erprobt werden. Eigentlich sollten bis Ende 2010 bereits 800 Geräte im Feldtest sein, tatsächlich waren es knapp über 100 Brennstoffzellen-KWKs von Baxi und Hexis. Vaillant wird offiziell 2012 erste Anlagen in den Feldtest schicken, ob es tatsächlich dazu kommt ist fraglich. "Bei Vaillant wurde die Brennstoffzellentechnik in der Priorität ganz weit nach unten gestuft", berichtet ein Brancheninsider. Dort konzentriere man sich jetzt ganz auf Ecopower 1.0, das Ergebnis einer Kooperation mit Honda.

Marktbeobachter bezweifeln, dass Baxi 2013 tatsächlich erste Geräte auf den Markt bringen wird. Die Technik sei zu komplex. "Die Technik ist ausgereift. Auch das Problem des Spannungsabfalls im Brennstoffzellenstapel ist dank einer neuen Stack-Technologie kein Thema mehr", hält Baxi-Chef Gummert dem entgegen. Im Feldtest seien zudem bereits 25.000 Betriebsstunden nachgewiesen worden, 60.000 Betriebsstunden seien möglich. Nun liegt bei Baxi die Integration von Bauteilen, die Reduzierung oder der Wegfall von Komponenten, um die Kosten zu reduzieren im Fokus. Außerdem die Serienfertigung, um die Stückkosten zu senken. Angestrebt wird ein Marktpreis von 15.000 Euro. "Bei der Markteinführung wird dieser allerdings noch nicht erreicht sein. Außerdem müssen wir auf die Angebote unserer Mitbewerber schauen", so Gummert. Der Fachhandwerkerpreis von Viessmanns Vitotwin 300 wird voraussichtlich knapp unter 10.000 Euro liegen, Vaillant gibt über den Preis seines Gerätes noch keine Auskunft.

Vaillant kommt mit 2,5 kW thermischer Energie nah an Baxis Gerät heran

Der Baxi-Geschäftsführer betont die Vorteile der Brennstoffzellentechnik wie den sehr hohen Gesamtwirkungsgrad und das sehr gute Modulationsverhalten. "Der Wirkungsgrad der Gamma ändert sich zwischen Voll- und Teillast nicht, erst ab 30 Prozent Leistung habe ich einen deutlichen Einbruch", erläutert er. Das sei bei gängigen KWK-Geräten anders. Hinzu kommt laut Gummert das sehr gute Verhältnis zwischen Wärme- und Stromproduktion, das für lange Laufzeiten übers Jahr sorgt.

Allerdings produziert das Gerät Ecopower 1.0 von Vaillant mit einem Gas-Verbrennungsmotor bei einer elektrischen Leistung von 1 kW lediglich 2,5 kW thermische Energie und ist damit nicht mehr allzu weit von Baxis Gerät Gamma mit 1,7 kW thermischer Energie entfernt. Die niedrige thermische Leistung gewährleistet besonders lange Laufzeiten, weil die Wärmeproduktion bestimmt, wie lange das Gerät lauft. Auf diese Weise kann mehr Strom für die Eigenbedarfsdeckung produziert werden. Viessmann, Brötje und Remeha dagegen setzen auf Stirling-Motoren. Die thermische Leistung liegt zwischen fünf und sechs kW, so dass die Laufzeiten und damit die Stromproduktion entsprechend geringer ausfallen. 

Angesichts der Macht, mit der Vaillant, Viessmann und Co. mit ihren Geräten auf den Markt drängen, könnte der Markteintritt für Baxi 2013 schwierig werden. Alle Anbieter locken mit besonderen Aktionen und Zuschüssen. So fördert Remeha ab dem 1. Mai 2011 die ersten 200 Evita Mikro-KWK-Pakete mit einem Zuschuss von 600 Euro für den Endverbraucher. Vaillant unterstützt seine Kunden mit einem umfassenden Service rund um Genehmigungen, Anmeldungen, Zulassungen und jährlich neu erforderliche Anträge sowie rund um die Inbetriebnahme und den Betrieb ihres Mikro-KWK. Und alle vier, Vaillant, Viessmann, Remeha und Brötje haben ein Abkommen zur Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) im Bereich kleinerer Wohnimmobilien mit E.ON geschlossen. Ab 1. Juni 2011 unterstützt E.ON Kunden, die sich für ein Mikro-Heizkraftwerk der Vier entscheiden, mit einem Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro. Einzige Voraussetzung ist ein Strom- oder Erdgaslieferungsvertrag mit E.ON.

Dennoch verfolgt Baxi-Chef Gummert unbeirrt das Ziel der Markteinführung des Brennstoffzellenheizgerätes für 2013. Dafür, dass er beziehungsweise Baxi Innotech dafür den nötigen langen Atem hat, sorgt die BDR Thermea Gruppe, zu der Baxi seit etwa zwei Jahren gehört. "Hier haben wir ein gutes Entwicklungsumfeld", sagt Gummert. BDR Thermea ist der Marktführer auf dem Gebiet der Kraft-Wärme-Kopplung. Neben Baxi gehören auch Brötje, Remeha, De Dietrich und Senertec zur Gruppe. Der Konzern mischt also bereits heute kräftig im aufkeimenden Mikro-KWK-Markt mit und will mit der Brennstoffzellentechnologie in Sachen Effizienz und CO2-Armut noch einen Schritt weiter gehen. Vor diesem Hintergrund wird Gummerts Gelassenheit verständlich.

Von unserer Redakteurin Silke Thole

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