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Zweites Projekt der IBA in Hamburg vorgestellt

Lichtaktivhaus bringt Siedlerhaus zur Nullemission

22.11.2010, 07:19

Lichtdurchflutetes Obergeschoss des Lichtaktivhauses
Lichtdurchflutetes Obergeschoss des Lichtaktivhauses. Bild: Velux

Mit dem so genannten Lichtaktivhaus wurde in Hamburg das zweite Projekt der IBA vorgestellt. Das besondere daran: Es handelt sich um ein Sanierungsprojekt, bei dem ein Siedlerhaus aus den 50er Jahren im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zum Nullemissionshaus werden soll. 2011 solll es seine Pforten sechs Monate für Besucher/innen der Internationalen Bauausstellung öffnen. Dann soll dort eine vierköpfige Familie für ein Jahr einziehen und ausprobieren, wie sich das Konzept in der Wohnpraxis bewährt.

Das Projekt ist Teil eines Vorhabens des Dachfensterherstellers Velux, der europaweit in insgesamt sechs Projekten Modellhäuser unter dem Titel Model Home 2020 erstellt. Sie sollen sich durch optimierte und kontrollierte Tageslichtnutzung, den reduzierten Einsatz künstlicher Beleuchtung und die Nutzung solarer Energieeinträge auszeichnen. "Unser Konzept ist dabei eine Kombination von guter Architektur, der Nutzung Erneuerbarer Energien und einem guten Raumklima. Dabei müssen wir aber auch den CO2-Verbrauch gering halten", sagte Velux-Chef Jørgen Tang-Jensen.

Zum Entwicklungsteam für den deutschen Beitrag in der Modellreihe gehörte unter anderem die TU Darmstadt. In einem Wettbewerb haben dortige Studentinnen und Studenten Vorschläge für die Sanierung entwickelt. Gewonnen hat das Konzept von Katharina Fey, die das Haus bis zur Fertigstellung unter ihrem Leitmotto "Aus eigenem Anbau" begleitet hat. Das Motto steht für die kreative Weiterentwicklung des Siedlergedankens. Die Ernte von Obst und Gemüse aus dem eigenen Nutzgarten wird ergänzt durch den Anbau von Energie bis hin zur Energieautarkie. "Die Siedlung soll dabei ihren Charakter behalten mit großen Grundstücken und einem schönen Baumbestand", sagte Fey bei der Präsentation.

Vorgefunden hatte sie eine Doppelhaushälfte mit lediglich 18 Quadratmetern Fensterfläche und kleinen Räumen. Die gesamte Wohnfläche lag bei knapp 100 Quadratmetern. Der Siegerentwurf von Fey wurde von Velux, der TU Darmstadt unter Einbindung von Fey und Fachplanern als ein in großen Teilen entkerntes lichtdurchflutetes Siedlerhaus in Kombination mit einem Querriegel gestaltet, dessen Grundidee ein Gewächshausriegel war.

In diesem Glasriegel ist ein großzügiger und heller Wohn- und Essraum, im Siedlerhaus sind Bäder, Arbeits- und Schlafbereiche. Die Glaskonstruktion habe viele spannende Fragen aufgeworfen, so Fey. Spannend sei dabei vor allem die Frage gewesen, wie ein solch großer Glaskörper energetisch funktioniert und in das Gesamtkonzept eingebunden werden kann.

Energiebilanz im Lichtaktivhaus

Haustechnikstrom

2,9 KwH/m2/a

Haushaltsstrom

15,9 KwH/m2/a

Warmwasserbedarf

26,5 KwH/m2/a

Heizbedarf

63,2 KwH/m2/a

Produktion Solarkollektor

23,5 KwH/m2/a

Produktion Wärmepumpe

11,95 KwH/m2/a

Produktion Fotovoltaik

 37,3 KwH/m2/a


Auf beiden Seiten des Firsts eingebaute Dachfenster belichten den zentralen Erschließungs- und Bibliotheksbereich vom Dach bis zum Erdgeschoss als natürliche Taglichtlampe. Der Treppenraum öffnet sich mit einer Fensterfront von knapp fünf Metern Länge zum Garten hin. Öffnen und Schließen der Fenster kann automatisch erfolgen, gesteuert von Regen-, Temperatur- und CO2-Sensoren.

Das Konzept solle modularisiert und damit auch mit unterschiedlich hohen Budgets realisiert werden können, sagte Petra Schumacher, Projektleiterin Lichtaktivhaus bei Velux Deutschland. Ein Basismodul sieht einen Neubau vor, bei dem nur die Hülle saniert wird. Das ist ein Konzept, das beim angebauten Nachbarhaus des Lichtaktivhauses realisiert wird. Es soll auch einen Vergleich zwischen Minimalanpassung und Komplettsanierung erlauben. In einem etwas umfangreicheren zweiten Modul erfolgt die Entkernung, damit die Enge der Siedlerhäuser aufgehoben werden kann. Im dritten Modul wird ein im Vergleich zum jetzigen Modellhaus verkürzter Neubau erstellt. "Bis zum Januar 2011 werden wir auch Kalkulationen für diese einzelnen Module vorlegen können", verspricht Schumacher. Bis dahin hüllt sich Velux noch in Schweigen über die Sanierungskosten des Wilhelsmburger Modellhauses.

Bei der Nutzung eneuerbarer Energien setzt das Modellhaus auf eine Kombination von Fotovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpe. "Wir haben auch Lösungen mit Saisonspeichern untersucht, uns aber dann für eine effiziente kombinierte Anlage des Herstellers Sonnenkraft entschieden", erklärt Schumacher.

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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