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Modellprojekte sollen die Bevölkerung überzeugen

Freiburg setzt auf Altbausanierung und BHWK

06.05.2016, 08:08

Haus im Freiburger Stadtteil Wiehre
Denkmalgeschützte Häuser in der Freiburger Wiehre eignen sich für BHKWs. © Umweltschutzamt Freiburg

Mit geförderten Projekten zur Sanierung von Altbauten und zum Einbau von Blockheizkraftwerken (BHKW) in einzelnen Vierteln will die Stadt Freiburg die Energiewende vorantreiben. Die Erfahrungen aus den Projekten "Kraftwerk Wiehre" und "Energie-Quartier Haslach" sollen in einen Bürgerbeteiligungsprozess einfließen, mit dem sich die Stadt an der Dreisam am bundesweiten Wettbewerb Zukunftsstadt beteiligt. So will Freiburg ermitteln, auf welche Weise sich die Stadt nachhaltig weiterentwickeln kann.

Dass Freiburg, das seit Jahrzehnten als ökologische Vorreiter-Kommune gilt, aktiv bleiben muss, dazu hat sich die Stadt selbst verpflichtet: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent sinken, spätestens 2050 will die Stadt klimaneutral sein. Dazu will man unter anderem die energetischen Standards an Häusern erhöhen und die Kraft-Wärme-Kopplung ausbauen.

Im denkmalgeschützten Bestand können BHKW sinnvoll sein

Um Letzteres zu forcieren, legte Freiburg das Stadtteilprojekt "Kraftwerk Wiehre - Strom und Wärme vor Ort" auf, das weitgehend abgeschlossen ist. Ziel des Projekts war es, mehr BHKW in innerstädtische Gebäude zu bringen. Hemmnisse sollten durch Beratungen sowie eine finanzielle Förderung überwunden werden. Dies wollte das Umweltschutzamt in der Wiehre erproben, einem Viertel mit rund 24.000 Einwohnern, überwiegend in denkmalgeschützten Mehrfamiliengebäuden aus der Gründerzeit. Dort erschienen BHKW als besonders sinnvoll, weil viele der Fassaden für eine Dämmung kaum infrage kommen und Solaranlagen auf den Dächern selten möglich sind.

81 der 100 zur Verfügung stehenden, kostenlosen Vor-Ort-Checks durch Experten nahmen die Eigentümer in Anspruch, Ergebnis: Vier Fünftel der analysierten Gebäude würden sich für den Einbau eines BHKW eignen. In der Regel läge die CO2-Einsparung bei rund 50 Prozent. Auf die gesamte Wiehre hochgerechnet wäre das ein Einsparpotenzial von 50.000 Tonnen CO2 jährlich.

25 geförderte Energiekonzepte für BHKW

Aus den Checks entstanden 25 geförderte Energiekonzepte. Acht Interessenten beantragten die Förderung für den Einbau eines BHKW in Höhe von 3000 Euro. Zwei Anlagen laufen, wie Rouven Kraft von der Energiefachstelle beim Umweltschutzamt der Stadt Freiburg erklärt. Weitere vier könnten im Lauf des Jahres noch die Förderung erhalten, da die Umsetzung länger dauerte, als im Projekt zunächst angenommen. Wie viel CO2 in der Wiehre tatsächlich eingespart wird, wüsste man nur, wenn man die Anlagen überwachen würde. "Das ist wie bei einem Auto", vergleicht es Kraft, "der tatsächliche Verbrauch hängt immer davon ab, wer es wie und wo fährt."

Um Eigentümer zu überzeugen, konnten Kraft und seine Kollegen auf frühere BHKW-Initiativen verweisen, wie beispielsweise eine denkmalgeschützte Altbauvilla in der Wiehre aus dem Jahr 1889, die bereits 2002 eine Anlage mit 14,5 kW thermischer und 5,5 kW elektrischer Leistung erhielt. Seitdem versorgt sie das Haus mit Wärme und speist Strom ins Netz ein. Rund 15 Prozent der jährlich erzeugten etwa 15.500 kWh nutzen die Bewohner selbst.

Im Moment erarbeitet das Umweltschutzamt einen Plan, wie man die Kraft-Wärme-Kopplung in Freiburg weiter ausbauen könnte. Denn das Hauptproblem ist nicht die Technik, zeigte sich in der Wiehre - obwohl sich die Eigentümer teilweise schwer taten, überhaupt einen Handwerker für das BHKW zu finden, weil die den Aufwand scheuen.

Organisatorische Hürden für Stromerzeugung in Eigentümergemeinschaften sind hoch

Laut Kraft versperren vor allem rechtliche und organisatorische Hürden den Weg zu einem eigenen Heiz-Kraftwerk: das Steuerrecht, komplizierte Fragen bei einer Stromeinspeisung ins Netz beziehungsweise Messkonzepte bei Eigenstromnutzung, die Organisationsform bei einer Eigentümergemeinschaft, die dann zu einem Stromlieferanten wird.

In aller Regel benötigt man aufgrund dieser Fragen einen spezialisierten Dienstleister. Deshalb prüfe man nun beispielsweise, "ob es sinnvoll ist, im kleinen Bereich zu arbeiten" oder ob man nicht größere Verbünde von jeweils 60-100 Wohneinheiten bilde.

Eine zentrale Rolle als Multiplikatoren spielten laut Kraft die Hausverwalter. Häufig hätten die jedoch nicht die Zeit, sich intensiv in die Thematik einzuarbeiten, weshalb man Experten in die Eigentümer-Versammlungen geschickt habe. "Im Prinzip brauchen wir einen BHKW-Lotsen, der das Projekt bis zum Ende des ersten Betriebsjahres begleitet", so sein Fazit.

Förderung erhöht Zahl der Einstiegsberatungen

Einen ähnlichen Ansatz - aber mit einem anderen Förderschwerpunkt - wählte die Stadt beim Projekt "Energie-Quartier Haslach". In dem gartenstadtähnlichen Viertel mit rund 19.000 Einwohnern sollten energetische Sanierungen vorangetrieben werden. Bis Ende 2015 standen Eigentümern auch dort 100 Einstiegsberatungen zu Möglichkeiten einer Sanierung zur Verfügung, die die Stadt förderte. Zehn vorbildliche Sanierungen unterstützte Freiburg, bei Einfamilienhäusern mit 2000 Euro, bei Mehrfamiliengebäuden mit 9500 Euro.

So wurde beispielsweise ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1965 so saniert, dass es zwei Drittel weniger Energie als zuvor verbraucht und mit dem KfW-Effizienzhaus-55-Niveau 45 Prozent weniger Primärenergie benötigt als ein Neubau zum Mindeststandard.

Dazu erhielt das Gebäude unter anderem eine Holzständer-Fassade mit Zellulosefüllung, eine 32-Zentimeter-Zwischensparren-Dämmung im Dach, eine Photovoltaik-Anlage, eine Fußboden-Heizung mit Solarnutzung sowie eine Regenwasser-Zisterne für Toilette und Waschmaschine.

Bei der Stadt bewertet man das Energie-Projekt durchaus als Erfolg. "Es gab eine wesentliche Erhöhung der Fallzahlen in dem Stadtteil während des Projektzeitraums", sagt Iris Basche, Energieberaterin im Umweltschutzamt. Der Standard gehe bei den Sanierungen überwiegend zum KfW-Effizienzhaus 85. Mit dem Wissen aus dem Projekt will Freiburg weitere Sanierungen anstoßen, wie genau, müssen der Gemeinderat und die Bürger im Zukunftsprozess erst noch entscheiden. Von Daniel Völpel

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