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Geringere Fördersätze bewähren sich besser als schwankende

Fördersystem in Deutschland ist mangelhaft

25.10.2011, 00:00

Blick in den Saal während der Konferenz Wärmeerzeugung aus Biomasse
Förderung für Erneuerbare in der Kritik. © Morhart

Das System staatlicher Förderung für die Wärmenutzung der Biomasse in Deutschland hat schwerwiegende Mängel. Auch deshalb betreiben viele Hausbesitzer die alte Ölheizung weiter. Zu diesem Ergebnis kam die Tagung "Wärmeerzeugung aus Biomasse" der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Berlin.

Ulrich Sattler vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), das die Förderanträge für Pelletanlagen und Scheitholzvergaseranlagen bis 100 Kilowatt Wärmeleistung bearbeitet, berichtete von einem dramatischen Rückgang der Anträge. 2009 waren es noch knapp 60.000 gewesen, 2010 noch gut 22.000. Bis zum 30. September dieses Jahres lagen noch keine 12.000 Förderanträge vor. Obwohl auch Anlagen ohne Förderung gekauft werden, dürften diese Zahlen die Marktentwicklung recht gut abbilden.

Sattler führt die Entwicklung auf zwei Ursachen zurück. Allein 10.000 Anträge habe es 2011 gekostet, dass Anlagen in neuen Gebäuden nicht mehr gefördert würden. Daran werde sich, wie er gerade erst aus dem Bundesumweltministerium erfahren habe, auch 2012 nichts ändern. Verheerend habe außerdem die Haushaltssperre gewirkt, wegen derer das Bafa das Programm zwischen März und Juli 2010 vorübergehend habe stoppen müssen. "Irgendwelche Abgeordneten meinten da irgendwas gefunden zu haben, und da wurden uns 115 Millionen aus den zugestandenen Haushaltsmitteln gesperrt", beklagte sich der Bafa-Experte. Zusammen mit der Verunsicherung durch die Energiewende habe das bei vielen zur Haltung geführt: "Erst mal abwarten, was kommt."

Horst JauschneggHorst Jauschnegg (Bild links), Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbands, fasste die Erfahrungen der Branche in seinem Land so zusammen: Es sei "gescheiter, man hat mehrere Jahre nicht so viel, aber das stabil." Bei seinen Worten nickte Helmut Lamp, der den Bundesverband Bioenergie vertrat, heftig, und auch Manfred Greis, Generalbevollmächtigter des Kesselherstellers Viessmann, pflichtete ihm bei: "Wir dürfen keine Förderung haben, die es mal gibt und mal wieder nicht gibt."

Doch auch in Österreich, wo für die Biomasse-Förderung die Bundesländer zuständig sind, ist eine stetige Unterstützung nicht überall gewährleistet. In der Steiermark zum Beispiel werden Pelletheizungen und Scheitholzfeuerungen seit sieben Jahren kontinuierlich mit 1.400 Euro je Installation gefördert. In anderen Bundesländern wurden zeitweise 5.000 Euro gezahlt, die Förderung inzwischen aber völlig eingestellt.

Bezogen auf ganz Österreich gab es zwar bei neuen Anlagen 2010 wie in Deutschland einen Rückggang gegenüber dem starken Jahr 2009, jedoch in keinem Segment um mehr als 30 Prozent. Die Anzahl der installierten Pelletfeuerungen erreichte mit gut 8.131 sogar fast den Wert des Vorjahres. Der Biomasse-Verband meldet für 2010 einen Zubau an installierter Biomasse-Wärmeleistung von 750 MW.

Eine peinliche Parallele zu Deutschland ist allerdings, dass "in der Wahrnehmung der hohen Politik die Realität des Wärmemarkts nicht angekommen ist" (Jauschnegg) - im "Nationalen Aktionsplan" des österreichischen Wirtschaftsministeriums ist für 2010 ein Zubau um lediglich etwa 50 Megawatt vorgesehen.

Die reale Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch eindeutig nach oben. Zwischen 2005 und 2009 stieg der Anteil der Haushalte, die von einer holzgefeuerten Zentralheizung mit Wärme versorgt werden, von 18,7 Prozent auf 20 Prozent. Der Anteil von Heizöl und Flüssiggas ging von 26,5 auf 20,5 Prozent zurück, obwohl die Heizölwirtschaft seit einigen Jahren die Anschaffung von Ölkesseln mit 2.000 bis 3.000 Euro fördert. Die gelieferte Biomasse-Fernwärme konnte von 2005 auf 2009 fast verdoppelt werden - wegen der sehr gestreuten Siedlungsstruktur vor allem mit Mikronetzen.

Jauschnegg: "Wir haben in Österreich das Potenzial, bis 2020 ungefähr 545.000 fossile Heizungen auf Biomasse umzustellen, das wären etwa 75 Prozent der Ölfeuerungen." Das würde einem Ausbau der Biomasse-Wärmegewinnung um 26 Prozent entsprechen. Da die heimische forstliche Biomasse in Österreich maximal 15 Prozent Steigerung zulasse, wolle man auch neue agrarische Brennstoffe einbeziehen: "Im Süden Österreichs ist die Maisspindel ein Thema, die im Zuge der Maisernte anfällt. Da haben wir im Bereich der Brennstoffnormung aber einiges an Nachholbedarf", sagte Jauschnegg.

Anlagentechnisch entfielen 60 Prozent des möglichen Ausbaus auf Einzelfeuerungen und 40 Prozent auf Biomasse-Fernwärmeanlagen, Mikronetze und Abwärmenutzungen aus Biomasse- und Biogas-Kraftwärmekopplungs-Anlagen. Jauschnegg wies auch darauf hin, dass ein immer größerer Teil des Sozialbudgets für Heizkostenzuschüsse verwendet werde, die höchsten für Ölfeuerungen. Das soll sich ändern, sagt Jauschnegg: "Da laufen bei uns Gespräche, statt dieser Heizkostenzuschüsse den Leuten ein erneuerbares Heizsystem zu geben, um langfristig dann kostengünstig heizen zu können."

Er forderte auch eine höhere Besteuerung fossiler Brennstoffe. Darin unterstützte ihn Ludger Eltrop vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart mit dem Hinweis auf die ungedeckten externen Kosten. Darauf angesprochen winkte Peter Bleser vom Bundeslandwirtschaftsministerium jedoch ab: "Es wagt keiner, jetzt noch irgendwelche Mineralölsteuern oder Steuern auf Heizöl zu erhöhen. Der politische K.-o.-Schlag ist dann vorauszusagen."

Volker LenzZumindest in Deutschland wird man sich also bis auf weiteres mit Fördermaßnahmen behelfen. Volker Lenz vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (Bild links) wies jedoch dem derzeitigen Fördersystem Mängel bis hin zum Versagen nach. So habe das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, in das mancher große Hoffnungen gesetzt hatte, "bisher keine signifikante Auswirkung auf den Ausbau der energetischen Nutzung von festen Bioenergieträgern im Wärmemarkt".

Lenz brachte eine lange Liste von Kritikpunkten vor. Dazu zählte die Beschränkung auf neue Gebäude, der "mangelhaft bis gar nicht geregelte Vollzug" und die vielen Ausnahmeregelungen. Dagegen will Carsten Wachholz vom Naturschutzbund Deutschland es bei der Beschränkung auf Neubauten belassen: "Auch wenn es überraschend klingt: Ich glaube, wir handeln uns mit einer Ausweitung der Nutzungspflicht auf den Bestand deutlich mehr Probleme ein, als dass wir einen Nutzen davon haben."

von unserem Redakteur Alexander Morhart

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