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Heizkostenabrechnung ist nicht notwendig

Esslinger Siedlung nutzt dezentrale Wärmepumpen

26.08.2014, 10:15

Neubausiedlung in Esslingen
In Esslingen nutzt eine Neubausiedlung dezentrale Erdwärmepumpen. © Sierig

Mit einer spannenden Wärmepumpen-Lösung heizen künftig die Bewohner einer neuen Siedlung in Esslingen bei Stuttgart. Dezentrale Wärmepumpen in den Wohnungen mit einer variablen Leistung zwischen 2 und 8 kW kommen dort zum Einsatz.

Erstellt wurde die Siedlung vom Wohnungsbauunternehmen Metzger, das Konzept für die Heizung hat die Tübinger Geothermie-Kontor konzipiert. "Wir haben eine Anlage gesucht, die in den Leistungsstufen von 2 bis 8 kW gefahren werden kann. Die gab es nicht, deshalb haben wir eine entsprechende Anlage selbst entwickelt", berichtet Jakob Sierig, Geschäftsführer des auf Wärmepumpen-Lösungen spezialisierten Geothermie-Kontors. Von den Tübingern kommt das Schallkonzept, die Hydraulik und die Steuerung, der Kältesatz stammt von einem Schweizer Hersteller. Die Anlage kommt komplett ohne Heizstab aus.

Dezentrale Wärmepumpen gibt es auch von anderen Herstellern. Das besondere an der in Esslingen eingesetzten Lösung ist, dass die Wärmepumpe unterschiedliche Leistungen stufenlos variabel bedienen kann. Sie muss also im Sommer nicht auf voller Last gefahren werden. Gleichzeitig ist das Gerät sehr kompakt und nach Angaben des Herstellers nicht lauter als ein Kühlschrank. Der Kompressor kann also auch in den Wohnungen untergebracht werden. Das Esslinger Projekt ist bundesweit das erste, in dem die Technik zum Einsatz kommt.

Aus Sicht des Wohnungsunternehmens hat die Installation der Heiztechnik direkt in den Wohnungen Vorteile: Es muss kein Warmwassernetz verlegt werden. Stattdessen wird die Sole aus den zirka 100 Meter tiefen Sonden direkt zu den einzelnen Wärmepumpen in den Wohnungen gepumpt. Dort wird Heizwärme und Warmwasser erzeugt. Verteilverluste für Wärme entfallen. "Wir geben eine Warmwassertemperatur von 52 Grad vor. Das ist für den Betrieb einer Wärmepumpe optimal und aus hygienischen Gründen sinnvoll", so Sierig. Auch der Schutz vor Legionellen ist in den dezentralen Anlagen einfacher, wenn das warme Wasser direkt vor Ort erzeugt wird und die Gefahr geringer ist, dass sich in den Leitungen Keime bilden. Geheizt wird mit Fußbodenheizung.

Ein langfristiger Vorteil für die Bewohner: Langwierige Debatten um die Heizkostenverteilung entfallen, da Heizwärme vor Ort erzeugt und direkt von den Bewohnern über die Stromrechnung bezahlt wird. Einen Extra-Zähler gibt es dazu nicht. Dessen Kosten wären so hoch, dass sie den Vorteil günstiger Wärmepumpentarife für Strom egalisieren würden. Dazu kommen die Kosten für den Strom, den die Pumpen der Wärmepumpen benötigen. "Für die Sole, die zu den einzelnen Wärmepumpen gefördert wird, benötigen wir in dem Esslinger Projekt für je 4 bis 7 Wärmepumpen eine Pumpe mit 60 Watt Leistung. Die läuft das ganze Jahr und wird über den Allgemeinstromzähler abgerechnet", erklärt Sierig.

Ein weiteres Plus: Die Anlage kann im Prinzip im Sommer je nach Bedarf auch Kühlen. Dafür fehle allerdings im Moment noch die Software, man arbeite aber daran, so Sierig. Und durch die dezentrale Lösung können die Kunden auch die Temperatur der Fußbodenheizungen selbst regulieren.

Einen Haken hat die Lösung allerdings: Sie ist im Vergleich zu einer zentralen Wärmepumpe, die mehrere Wohnungen versorgt, einiges teurer. "Die Mehrkosten pro Wohnung lagen im Esslinger Projekt von 28 Wohnungen zwischen 3.000 und 4.000 Euro pro Wohnung im Vergleich zu einer zentralen Erdwärmepumpe", erläutert der Entwickler. Allerdings sei der Stromverbrauch sehr viel geringer als bei einer zentralen Lösung. Man habe einen um zwischen 30 und 40 Prozent geringeren Verbrauch errechnet. Auch die Jahresarbeitszahl sei durch die Vermeidung der Verteilverluste hoch, man gehe von einem Wert von 4 und höher aus. Auch die Kosten für die Heizkostenabrechnung entfallen.

Eingesetzt wird es in Esslingen in einer Neubausiedlung. Im Prinzip sei aber auch der Einsatz im Gebäudebestand denkbar, so Sierig: "Das Heizkonzept ist theoretisch auch in der Sanierung einsetzbar mit Niedertemperatur-Heizkörpern in gedämmten Häusern." von Pia Grund-Ludwig

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 4 von 4.

heizerhermann - 30.08.2014, 09:13

Hallo Herr Millmann, entgegen Ihrer Einschätzung erscheint mir die dezentrale Lösung sogar sehr zukunftsfähig, vor allem im Hinblick auf die entfallenden Nebenkosten und geringeren Leitungsverluste. Wenn die Mini-WP tatsächlich eine JAZ von ca.4.0 erreichen, werden sowohl der Endenergiebedarf als auch der Primärenegiebedarf minimal. Eine Strahlungsheizung bei normalen Raumhöhen halte ich in Verbindung mit Wärmepumpe nicht für zweckmäßig, es sei denn, man beabsichtigt intermittierend zu heizen.
Wo sollen denn die 35% weitere Einsparungen bei gleichem Komfort herkommen? -die sind allenfalls bei einer hohen Halle durch Änderung des vertikalen Temperaturprofils möglich! Was soll das Stromsparmodul noch bringen?
Bitte keine Produktvertreter-Werbespüche ohne rechnerischen Nachweis!

heizerhermann

Kurt Bucher - 29.08.2014, 18:53

Das nenne ich ein cleveres und innovatives Projekt! Die Vorteile werden die Mehrkosten mehr als aufwiegen. Ich würde gerne noch mehr darüber erfahren.

Hermann Palmen - 26.08.2014, 16:43

Wenn man mit einer Brennstoffzelle aus 24.000kWh 12.000 kWh Strom für die Wärmepumpe bekommt, hat man eine Zero-Lösung. Dann würde ich Lieber eine Gastherme nehmen und mit Wasserstoff und Sauerstoff = Brownsgas zuheizen.
Die vorbeschriebene Lösung erscheint in einem anderen Licht, wenn man die Amortisation des eingesparten Leitungsnetzes noch mit ins Kalkül zieht. Es überrascht allerdings, dass der Bauträger diese dezentrale Lösung mit Fussbodenheizung betreibt. Eine Strahlungsheizung über Decke, Wand oder Fussleiste würde efektiver und bei der Klimadecke auch wirklich zur Wärmeverteilung und zur Kühlung beitragen. Die Weitere Einsparung könnte mit bis zu 35% kalkuliert werden. Dann noch ein Stromsparmodul mit einer garantierten Einsparung von 5% des gesamten Stroms der Wohnung und erfahrungsgemäß 8 - 12 Prozent würde die Sache rundmachen.

Manfred Millmann - 26.08.2014, 15:31

Wenn man mit einer Brennstoffzelle aus 24.000 Kilowattstunden Gas 12.000 Kilowattstunden Strom bekommt und damit Wärmepumpen betreibt, müsste die Heizwaerme recht preiswert sein ?
oekologierat, Manfred Millmann

 

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