RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Heizung » Aktuelles » Artikel » Erneuerbare verlieren Anteile bei neuen Heizungen

Rücknahme der KWK-Förderung würde Markt kaputt machen

Erneuerbare verlieren Anteile bei neuen Heizungen

27.01.2010, 17:06

Teilnehmer der Wärmekonferenz
Wärmekonferenz konstatiert Bedeutungsverlust für Erneuerbare. Bild: pgl

Auf der Wärmekonferenz 2010 hat der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) Bilanz gezogen über die Umsatzentwicklung 2009. Das Resümee war gemischt. Insgesamt ist der Heizungsmarkt zwar leicht gewachsen, aber die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien ist 2009 eingebrochen.

Nur noch bei jeder dritten Neuinstallation von Heizungen wurden Erneuerbare Energien mit verwendet. Im Vorjahr waren es noch 45 Prozent. Mit dem Einbruch 2009 ist der BDH weiter entfernt vom selbst gesteckten Ziel, bis 2015 einen Anteil von 80 Prozent neu installierter Systeme mit Erneuerbaren zu haben. Klaus Jesse, Präsident des Verbands, hat für den Rückgang vor allem eine Erklärung: "Die Hausbesitzer rechnen, und Umweltargumente sind nur ein Hilfsargument." Wer in  Erneuerbare Energien investiert, schaut sich also den Kostenvergleich mit konventionellen Wärmeträgern an. Die waren 2009 günstiger als im Vorjahr.

Vor allem die Solarthermie, die Erzeugung von Wärme für Heißwasser und Heizung mit Sonnenkollektoren, musste nach einem guten Jahr 2008 kräftig Federn lassen und Umsatzeinbrüche von 26 Prozent verkraften. Konkurrenz um Dachflächen und die Förderung der Fotovoltaik seien die Gründe, meinte Jesse und ist deshalb auch nicht unglücklich über die Debatte um eine Reduzierung der Einspeisevergütung. Einbrüche in ähnlicher Höhe gab es für die Hersteller von Festbrennstoffkesseln, also Holzheizungen.

Auch der Bundesverband Wärmepumpe konstatiert rückläufige Installationszahlen und konnte 12 Prozent weniger Geräte als im Vorjahr verkaufen. Allerdings war 2008 ähnlich der Solarthermie auch für die Wärmepumpen enorm erfolgreich. Kurzfristige Trends bei den Energiepreisen hätten immer noch einen hohen Einfluss bei der Entscheidung für eine Heizung, meint Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Wärmepumpe. Um das zu ändern, müsse es stärkere Anreize von Seiten der Politik geben.

Gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hat der BDH vier Handlungsfelder definiert, die eine Modernisierung des Heizungsbestands beschleunigen und den Anteil erneuerbarer Energien schnell erhöhen sollen. Frühere Gräben zwischen "klassischen Heizungsbauern" im BDH und Verfechtern erneuerbarer Energien im BEE sollen mit solchen gemeinsamen Aktionen verkleinert werden. Pro Jahr werden derzeit nur 3 Prozent der Heizungen ausgetauscht. BDH und BEE wollen diese Zahl verdoppeln. Das sei auch notwendig, um die Klimaziele zu erreichen, auf die sich die Bundesregierung verpflichtet habe, sagte Jesse.

Eine erste Maßnahme, die die beiden Verbände in ihrer Resolution vorschlagen,  könnte ein verpflichtender Heizcheck ähnlich dem TÜV sein. Als zweiten Hebel sehen die beiden Verbände das Marktanreizprogramm, das Wärmepumpen, Solarthermie und Biomasse-Heizungen fördert. Das Programm müsse auf eine Milliarde Euro aufgestockt werden, sagte Jesse. Außerdem sei es notwendig, die einzelnen Fördersätze zu erhöhen sowie eine Degression einzuführen. Damit würden die belohnt, die schneller investieren.

Auch sei es notwendig, Lösungen zu entwickeln, um in vermieteten Objekten einfacher sanieren zu können. Solche Änderungen seien in der jetzigen Koalition leichter machbar als in den vergangenen, meinte Jochen Homann, der als Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums an der Konferenz teilgenommen hat. Insbesondere, so forderte Lutz Freitag, Präsident des Bundesverbands der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GDW), müsse es bessere Lösungen für das Contracting geben. Dabei wird die Wärmeversorgung an einen externen Betreiber abgegeben. Das müsse für die neue Regierung Vorrang haben, meinte Freitag. Diese Zusage wollte Homann nicht machen, sagte jedoch zu, dass sich die Regierung des Themas annehmen werde.

Insgesamt, so betonte Jesse, sei seine Branche aber im Vergleich zu anderen 2009 mit einem blauen Auge davongekommen. Der Gesamtmarkt für Wärmeerzeuger ist um drei Prozent gewachsen. Dennoch sind die Hersteller von Haus-, Energie- und Umwelttechnik nicht wirklich zufrieden. Vor allem im langfristigen Vergleich sinkt die Zahl der verkauften Anlagen. 1999 waren es noch über 900.000, mittlerweile 638.000. Das liege nicht daran, dass Technologien fehlen, sondern dass diese keine Marktdurchdringung erreichten, sagte Jesse.

Der Verbandschef macht dafür unterschiedliche Ursachen aus. Eine wesentliche Ursache sieht er darin, dass es keine Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in effiziente Heizanlagen gibt. "Das würde wirken, wird aber von der Politik verweigert", ärgert sich der Verbandschef. Im vergangenen Jahr habe außerdem die Abwrackprämie für Autos geschadet. Viele Hausbesitzer hätten nur das Geld für eine Großinvestition und hätten sich dann für ein neues Auto anstatt für eine bessere Heizung entschieden, meinte Jesse.

Dazu komme die Unberechenbarkeit der Förderpolitik. Das jüngste Beispiel: Die Pläne der Bundesregierung, möglicherweise künftig kleine KWK-Anlagen aus der Förderung herauszunehmen. Das würde einen sich gerade entwickelnden Markt durch eine zu frühe Rückführung der Förderung kaputtmachen, warnte Jesse. 2008 wurde die Förderung eingeführt, nun steht sie auf dem Prüfstand. Der Markt habe sich 2009 verdoppelt, berichtete Jesse. Insgesamt müsse es zu einer Verstetigung der Förderung kommen, unabhängig von kurzfristigen Spielräumen und Schwerpunkten der jeweiligen Regierungen, meinte Jesse.

Das gelte auch für die KfW-Kredite, die 2008 und 2009 so stark in Anspruch genommen worden sind, dass nun für 2010 deutlich weniger Geld zur Verfügung stehen könnte. "Ich denke, die Bundesregierung hat erkannt, dass die Mittel aufgestockt werden müssen", gab Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur Teilentwarnung. Er sprach sich für die Einrichtung eines Energieeffizienzfonds aus. Gespeist werden könne dieser Fonds aus den Geldern, die für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke anfallen. Er soll die Abhängigkeit von der aktuellen Haushaltslage verringern, meinte Kohler auf der Wärmekonferenz. pgl

 

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner

Anzeige