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Vor allem die Generalisten können davon profitieren

Energielabel sind Steilvorlage für Wärmepumper

18.11.2014, 09:10

Podiumsdiskussion beim Wärmepumpen-Forum
Schiefelbein: Energie-Label sind "Pass auf den Elfmeterpunkt". © BWP

Ein "Pass auf den Elfmeterpunkt" für die Hersteller von Wärmepumpen ist die ErP-Richtlinie der EU, so Kai Schiefelbein, Technikvorstand bei Stiebel Eltron auf dem Wärmepumpenforum in Berlin. Ob der Ball allerdings im Tor landet ist noch nicht ausgemacht. Denn durch das Energie-Label steigen die Anforderungen an die Handwerker. Wenn ein Planer Produkte unterschiedlicher Hersteller kombinieren will, muss er bereits in den Angeboten künftig das Effizienz-Label berechnen. Das könnte viele abschrecken. Profitieren könnten die Generalisten.

"Es wäre blamabel wenn wir den Ball nicht ins Tor bringen", so Schiefelbein. Im Neubau sei das Mittel, um Kunden von Wärmepumpen zu überzeugen der Energiebedarfsausweis, in der Sanierung könne das Ecolabel das zentrale Instrument werden. Wärmepumpen werden vom Start weg A++ erreichen. Die besten Wärmepumpen werden ab 2019, mit der zweiten Runde der Kennzeichnung, A+++ bekommen. Es bestehe die Chance, effizientere Produkte zu entwickeln und die sich daraus ergebenden Mehrpreise zu kommunizieren, so Schiefelbein.

Technische Innovationen seien weiter möglich, so könne man mit Luft-Wasser-Wärmepumpen derzeit Jahresarbeitszahlen von 2,3 bis 3,5 erreichen, Geräte der jüngsten Generation kämen dagegen auf eine Jahresarbeitszahl von 4. Das werde durch effizientere Ansteuerung, Bedarfsanpassung und niedrigere Vorlauftemperaturen erreicht.

Floris Akkermann von der Bundesanstalt für Materialforschung macht klar, dass die Notwendigkeit, die neuen Labels zu vermitteln auch bei der Politik angekommen sei. Maßnahmen dazu seien auch Teil des Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz NAPE, an dem die Regierung derzeit arbeitet, auch mit einem Vergleich zum Bestand um zu erklären, wie hoch die Potentiale sein können.

Man arbeite an der Umsetzung in der Kommunikation, so Jens Schuberth vom Fachgebiet Energieeffizienz beim Umweltbundesamt. In Arbeit sei auch ein Internet-Angebot dazu. Im Gebäudebestand biete das Labeling eine große Chance. Wie bei der Energieeinsparverordnung sind die Bundesländer für den Vollzug zuständig. In einer ersten Phase werden sie sich darauf konzentrieren zu überwachen ob überhaupt gelabeled wird. In einer zweiten Runde soll es dann darum gehen zu testen, ob die Labels richtig sind.

An einer korrekten Messung, die Produkte wirklich vergleichbar macht, haben auch die Verbände Interesse. Man möchte perspektivisch eine herstellerunabhängige Messung durch eine neutrale dritte Partei einführen mit einem Zertifikat, erklärte Thomas Nowak vom europäischen Wärmepumpenverband EHPA.

Ein kritischer Punkt könnte es sein, die Handwerker für die Energie-Labels zu gewinnen. "Handwerker optimieren, sie führen nur noch Aufträge aus, die sich besser rechnen", beobachtet Hans-Arno-Kloep, Chef der Unternehmensberatung Querschiesser. Er führt regelmäßig umfangreiche Befragungen von Handwerkern durch. So sei der Wettbewerber der Wärmepumpe nicht in erster Linie der Gaskessel, sondern die Duschabtrennung, da sie mehr Geld bringe. Heizungsaufträge würden von den Handwerkern finanziell meist als unattraktiv gesehen.

Für 2015 komme durch einen altersbedingten Wegfall von Monteuren eine Verminderung der Kapazitäten erschwerend dazu. Nach den Ergebnissen der jüngsten Handwerkerumfrage rechnet man mit einem Plus im Bereich Sanitär von 2 Punkten, bei Heizungen werde man im besten Fall bei 95 Prozent der Umsätze von 2014 landen.

Verschärft wird dies auch durch einen relativ niedrigen Ölpreis, der seit Wochen unter 90 Dollar liegt. "Ölheizer werden frühestens wieder im dritten Quartal 2015 über Kesseltausch nachdenken, sie haben Öl gebunkert", sagt Kloep. Wenn es hart komme, könne es sogar zu einem totalen Einbruch im Heizungsbereich kommen.

Er erwarte, dass es verstärkt Contracting-Modelle geben werde bei denen die Handwerker von Selbständigen zu Kundendienstleuten würden. Es würden zunehmend Heizungsanlagen inklusive Wartung verkauft, an der die Hersteller mit verdienten, so Kloep.

Neben dem Energie-Label der EU gibt es auch eine neue VDI-Norm mit VDI 4650 zur Berechnung der Jahresarbeitszahl. Notwendig wurde sie durch die zunehmende Entwicklung leistungsgeregelter Wärmepumpen, die sind jetzt in der Norm.

Die Grundstruktur der bisherigen Messung wurde beibehalten, ebenso die bisherige Bilanzgrenze. Neu ist neben der Berechnung für leistungsgeregelte Wärmepumpen die Einbeziehung unterschiedlicher Speicher sowie die Berücksichtigung von Solarunterstützung und Kühlung.

Leistungsgeregelte Wärmepumpen sind mit der neuen Methode bei der Jahresarbeitszahl um 0,1 Punkte besser als Anlagen mit fixer Geschwindigkeit. Bei der Warmwasserbereitung seien bisher berechnete Werte zu gut gewesen, so Johannes Brugmann, Mitglied der Normierungskommission. Jetzt werden Vor- und Nachladezyklen und unterschiedliche Speichertypen mit einbezogen.

Nach wie vor kommt es aber zu Abweichungen zwischen Feldmessungen und VDI-Norm. "Die gemessenen Mittelwerte sind deutlich geringer, wir messen aber optimale Installationen", so Brugmann. Nachvollziehbar ist dies für Praktiker nicht wirklich: "Eine Norm muss die Realität wiedergeben", monierte etwa Oliver Nick, Mitglied des Expertenkreises Wärmepumpen des Fachverbands Elektro- und Informationstechnik in Baden-Württemberg auf der Tagung in Berlin. Er verstehe eine Norm nicht, die 20 Prozent bessere Ergebnisse berechne als der Durchschnitt der installierten Anlagen.

Nick mahnte außerdem Verbesserungen in der Ausbildung an. So gebe es keine Ausbildung speziell für die Installation von Wärmepumpen. Es gibt zwar das Zertifikat "EU-zertfizierter Wärmepumpen-Installateur", aber das ist in in Deutschland handwerksrechtlich nicht anerkannt. Deshalb gibt es hierzulande auch nur zirka 100 EU-zertifizierte Installateure. "Sinnvoll wäre eine Zusatzausbildung zum Wärmepumpen-Installateur", regt Nick an.

In Frankreich ist man da weiter und hat erkannt, dass es bei Wärmepumpen darauf ankommt, die Handwerker speziell zu schulen. Steuerförderung gibt es dort beim Einbau von Wärmepumpen nur dann, wenn der ausführende Handwerker mit einem Zertifikat eine entsprechende Schulung nachweisen kann. Das habe vor allem im Neubau die Akzeptanz der Technologie deutlich erhöht, berichtete der französische Wärmepumpen-Experte Michel Roffè-Vidal. von Pia Grund-Ludwig

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