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VdZ-Projektforum diskutiert EnEV 2014 und Heiztrends 2020

"Energieausweis macht Wohnkosten nicht transparent"

08.05.2014, 11:55

Bert Oschatz
Oschatz: "Instrument der Effizienzklassen ist erst einmal verbrannt." © VdZ

Heftige Kritik am Energieausweis war eines der Themen des VdZ-Projektforums 2014 in Berlin. Deutliche Worte fand Professor Bert Oschatz zum Energieausweis in der Form, die seit dem 1. Mai 2014 festgeschrieben ist: "Ich glaube, dass das Instrument der Effizienzklassen mit dieser Lösung erst einmal verbrannt ist".

Die EnEV 2014, bei der auch der Energieausweis behandelt wird, sei zwar lange beraten, dann aber im Schnellverfahren mit den Änderungen des Bundesrats und der Verabschiedung durch den Bundestag gebracht worden. Einwände von Fachleuten seien dabei unter den Tisch gefallen.

In der Tat gibt es bei der jetzigen Form des Energieausweises Ungereimtheiten. Einer der Gründe: bei der Einteilung in Effizienzklassen ist der Endenergiebedarf die Basis für die Klassifizierung. Der sagt aber nichts aus über die Kosten, die durch die Beheizung eines Hauses entstehen. Das ist aber eine Größe, die für Verbraucher relevant ist, die sich für ein Mietobjekt interessieren oder ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollen. "Die Wohnkosten am Energieausweis abzulesen wird schwer", bemängelte deshalb Peter Friemert vom Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen beim VdZ-Projektforum.

Vor allem die Hersteller von Pellet-Heizungen fühlen sich benachteiligt und hatten noch im Gesetzgebungsprozess Nachbesserungen gefordert. Um die Energieeffizienzklassen zu einem sinnvollen Instrument der Verbraucherinformation nutzbar zu machen, hat der Deutsche Industrieholz- und Pelletverband vorgeschlagen, den Endenergiebedarf mit einem Faktor zu multiplizieren, der die Energieträgerkosten abbildet. Dieser Faktor, so der Vorschlag des Verbands, solle aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes ermittelt werden.

Michael Herma, Geschäftsführer des VdZ und Sprecher des Bündnisses Energieausweis, stört der nach wie vor bestehende Dualismus von Bedarfs- und Verbrauchsausweis. Der verhindere eine echte Vergleichbarkeit, "deswegen fordern wir einen einheitlichen Energieausweis, mit dem der Verbraucher die energetische Qualität von Wohnungen gleichen Typs verlässlich vergleichen kann". Das leiste der Energieausweis auch mit der neuen Form nicht.

Die Konsequenz: Der Energieausweis stößt kaum auf Akzeptanz. Friemert zitierte dazu eine Erhebung aus dem Jahr 2014 für Hamburg. Dabei gaben 77 Prozent der befragten Hausbesitzer an, dass sie Energie sparen wollen, aber nur ein Drittel hatte einen Energieausweis für das eigene Haus. Der Ausweis gebe außerdem zu wenig Anreize für konkrete Modernisierungsmaßnahmen, so Friemert.

Außerdem sei auch die jetzt verabschiedete Pflicht zur Veröffentlichung der Angaben aus den Energieausweisen in Immobilienanzeigen nur eine halbe Sache. Die müssten schließlich nur dann angegeben werden, wenn der Energieausweis bereits vorliege. "Warum verpflichtet man nicht zur Veröffentlichung ohne Wenn und Aber, das würde für Klarheit sorgen", fordert er.

Nicht nur an den Energieausweisen, auch an den Berechnungsverfahren der Energieeinsparverordnung für Wohngebäude gab es auf dem Projektforum in Berlin Kritik. Für Wohngebäude sind mit dem Modellgebäudeverfahren, der DIN V 18599:2011 und den Normen DIN V 4701-10 und DIN V 4108-6 nicht mehr zwei, sondern drei Berechnungsverfahren zulässig. EnEV Easy, das Verfahren, das eigentlich Vereinfachungen bringen solle, werde dem Namen nicht gerecht, es bringe wenige Vorteile und wesentliche Nachteile, so Oschatz. Es gebe nach wie vor keine geeignete Vereinfachung für den Massenmarkt der kleinen Wohngebäude.

Zudem würden in den EnEV-Normen nach wie vor innovative, aber am Markt verfügbare Technologien wie Mikro-KWK, dezentrale Heizungspumpen oder Gaswärmepumpen nicht abgebildet, kritisierte Oschatz. Er skizzierte außerdem die Konsequenzen, die die gerade in Kraft getretene Energieeinsparverordnung EnEV 2014 vermutlich auf die Anlagentechnik haben wird. Seine Prognose: Gasbrennwert-Anlagen mit solarer Unterstützung werden die wichtigsten Heizsysteme bleiben.

Einen Trend sieht er zudem zu Luft-Wasser-Wärmepumpen. Die profitieren von einer Veränderung des Primärenergiefaktors, der bei der Berechnung des Anforderungsniveaus zugrundegelegt wird. Der Primärenergiefaktor bildet ab, wie viel Primärenergie in einer Kilowattstunde Strom steckt, die zum Heizen verwendet wird. Durch den vermehrten Einsatz Erneuerbarer Energien im Strommix sinkt dieser Faktor, Strom wird grüner. Der Effekt: Mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe lassen sich die verschärften Anforderungen der EnEV im Jahr 2016 erfüllen, ohne die Gebäudehülle zu optimieren. Außerdem sieht Oschatz mit der EnEV-Novelle einen Trend hin zu Erneuerbaren und zur Kraft-Wärme-Kopplung. von Pia Grund-Ludwig

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