RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Heizung » Aktuelles » Artikel » Einkommen entscheidet über Beitrag zum Klimawandel

Geringverdienende sind mit Sanierung oft finanziell überfordert

Einkommen entscheidet über Beitrag zum Klimawandel

12.02.2014, 13:09

Fassaden im Quartier
Menschen mit geringem Einkommen wohnen nicht in Neubauten oder gut sanierten Häusern. © Baumann

Die Brancheninitiative "Zukunft Erdgas" hat auf der Fachmesse "E-world 2014" in Essen eine Studie vorgestellt, die aufzeigt, dass aufgrund unterschiedlicher Einkommen der Hausbesitzer eine CO2-Einsparung um 80 Prozent – wie von der Bundesregierung geplant – ohne Fördermaßnahmen nicht zu erreichen sei. "Nach unseren Berechungen ist im Bestand der selbstgenutzten Einfamilien- und Reihenhäuser nur eine Einsparung des Klimagases von 62 Prozent möglich", fasste Studienautor Havard Nymoen die Ergebnisse der Berechnungen zusammen.

Das grundlegende Problem sei, dass vor allem Hausbesitzer mit niedrigem Einkommen ihre Häuser nicht in dem Maße energetisch sanieren würden, wie es notwendig wäre, um das ambitionierte Ziel bei der Reduzierung des Klimagases zu erreichen, sagt Nymoen. "Deutschland braucht eine Wärmewende. Damit diese gelingt, müssen Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen: Wir müssen Deutschlands Eigenheimbesitzer gemeinsam davon überzeugen, dass es sich für sie rechnet, energetisch zu sanieren und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", fordert Timm Kehler, Sprecher des Vorstands von Zukunft Erdgas.

Die Lebenswirklichkeit, das heißt die finanzielle Leistungsfähigkeit der Hauseigentümer, müsse dazu in den Fokus genommen werden. Die selbstgenutzten Einfamilien- und Reihenhäuser stellen mit rund 83 Prozent die mit Abstand größte Gruppe bestehender Gebäude und bieten damit das größte Einsparpotenzial im Wärmemarkt. Viele Hauseigentümer verfügen aber nicht über die erforderlichen Mittel, um Sanierungsmaßnahmen durchzuführen und damit zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.

"Wir haben ganz bewusst hier einen anderen methodischen Ansatz gewählt, um die Erreichbarkeit der Klimaschutzziele aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten", erläutert der Auftraggeber der Studie. Bisherige Untersuchungen beleuchten das Thema vor allem unter Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen nach dem Motto: Lohnt es sich, in die Technik zu investieren? "Diese Frage stellt sich aber für Hausbesitzer oft nicht. Sie planen die energetische Sanierung danach, was sie sich leisten können", erläutert Kehler den Ansatz.

Das führt dazu, dass nach den Berechnungen der Studie je nach Einkommen bis 2050 unterschiedlich hohe CO2-Reduzierungen erreichbar wären. So würden Eigentümer mit hohem Monatsnettoeinkommen (im Mittel 4.300 Euro) mit einer Einsparung von 82 Prozent die Zielvorgabe von 80 Prozent etwas übertreffen. Die Gruppe mit mittlerem Einkommen (3.100 Euro) erzielt eine Einsparung von 63 Prozent und die Gruppe mit geringem Einkommen (1.400 Euro) nur noch von 44 Prozent.

Wer sein Haus sanieren wolle, wähle stets die Maßnahme mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis, sagt Kehler: "In der Regel entscheiden sich die privaten Hauseigentümer zunächst für einen Heizungstausch oder einfache gebäudeseitige Maßnahmen, wie zum Beispiel die Dämmung der Kellerdecke", so der Sprecher der Brancheninitiative. Weitere Sanierungen würden erst folgen, wenn wieder Geld da ist. "Das heißt: Je früher die erste Maßnahme durchgeführt werden kann, desto größere finanzielle Spielräume ergeben sich für den weiteren Sanierungsverlauf", schlussfolgert Kehler.

Nymoen weist auf einen weiteren Aspekt seines Ansatzes hin. "Die Immobilien der verschiedenen Baualtersklassen im Bestand verteilen sich nicht gleichmäßig auf die drei Einkommensklassen." Der Anteil der ältesten Gebäude ist in der Eigentümergruppe mit geringem Einkommen deutlich höher als in der Gruppe mit hohem Einkommen. Gebäude mit einem Baujahr nach 2000 haben hingegen in der Eigentümergruppe mit hohem Einkommen den größten Anteil.

Das bedeutet, dass die Eigentümer mit den geringsten finanziellen Ressourcen häufiger die Häuser besitzen, die den größten Modernisierungsbedarf haben. "An diesen Ergebnissen sollte sich eine stetige und schlagkräftige Fördersystematik orientieren", fordert Kehler.

Durch eine gezielte Förderung von Eigentümern mit geringem Einkommen sei eine wesentlich höhere CO2-Einsparung zu erzielen, als durch steuerliche Abschreibungen, von denen bislang nur Hausbesitzer mit höherem Einkommen profitierten.

Auf die Frage, was die Brancheninitiative "Zukunft Erdgas" zu der Erstellung der Studie bewogen habe, sagte Kehler: Die Untersuchung belege, dass die Modernisierung bestehender Heizungsanlagen ein wichtiger und realistischer Baustein auf dem Weg zur Realisierung der Reduzierung der Klimagase sei. "28 Prozent der Einsparungen werden durch eine Erneuerung der Heizkessel erzielt", so der Sprecher. Es komme hinzu, dass sich, wie die Studie zeige, Hausbesitzer mit unteren Einkommen, diese Art der Sanierung am ehesten leisten könnten.

Damit gerät die Finanzierung und Lastenverteilung der Energiewende stärker in den Fokus. Erst vor kurzem hatten die zentralen Verbände von Mietern und Vermietern ein Papier zur Gebäudesanierung vorgelegt, das sich mit der Frage der Sanierungskosten beschäftigt.
von Hans Schürmann

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 1 von 1.

Arnold Drewer - 14.02.2014, 12:25

Die Analyse ist korrekt: die einkommensschwächeren Haushalte wohnen in den energetisch schlechtesten Wohnungen. Eine steuerliche Förderung würde sie wenig oder gar nicht begünstigen.
Die Folgerung ist unrealistisch:
Welcher Bundeshaushalt soll denn die energetische Sanierung fördern? Wo wir doch schon mit Banken und Griechenland und kaputten Autobahnen usw. beschäftigt sind?
Der Autor der Brancheninitiative hat - wie die meisten - herzlich wenig Ahnung: Nicht die Dämmung der Kellerdecke ist die sinnvollste Maßnahme, sondern die energetische Ertüchtigung der oberen Geschoßdecke (falls vorhanden), und zwar auf "Passivhaus-Standard". Das rechnet sich in einem Zeitraum von unter 5 Jahren und kann in Kombination mit teureren Maßnahmen diese mit subventionieren.
Die Dämmung der Kellerdecke ist a) ziemlich teuer und b) relativ unwirksam. Daher würde ich sie immer hintenan stellen. Sinnvoll ist sie natürlich.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner

Anzeige