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Weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung ist umstritten

Debatte um Konsequenzen der EnEV bestimmt Energietage

12.05.2010, 07:11

Eberhard Hinz, IWU und Andreas Stücke, Haus und Grund
Eberhard Hinz und Andreas Stücke uneinig über weitere EnEV-Novellierung. Foto: pgl

Die Frage, ob und mit welchen Maßnahmen weitere Energieeinsparpotentiale im Gebäudebereich wirtschaftlich zu heben sind, durchzog die Debatten bei den Berliner Energietagen vom 10. bis 12. Mai 2010 wie ein roter Faden. Besonders heftig diskutiert wurde dabei eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung.

So sieht etwa Gerd Hauser, Institutsleiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik "große Potentiale, die wir noch angreifen wollen", fordert aber eine klare Fokussierung auf die Reihenfolge "Effizienz vor Erneuerbare". Dann sei der Gebäudesektor in der Lage, die Einsparaufgaben anderer Bereiche wie Industrie oder Verkehr teilweise mit zu übernehmen und zu gewährleisten, dass die politisch vorgegebenen CO2-Einsparziele insgesamt zu erreichen seien.

Bei Neubauten könnten Gebäude ab 2020 Plusenergiehäuser sein, prognostiziert Hauser, räumte aber auch mit einem Missverständnis auf: "Das sind keine energieautarken Häuser, sondern Gebäude, bei denen die Energieeffizienz ausgereizt ist und die zudem Energie erzeugen. Sie verbrauchen zu bestimmten Zeiten Energie, ernten aber zu bestimmten Zeiten deutlich mehr."

Deutliche Kritik kam von Hauser an der Fokussierung auf Erneuerbare Energien. Entscheidend sei es, den kostengünstigsten Weg zu wählen, mahnte Hauser und kritisierte deshalb auch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz. Er zeigte auf, welche neuen Materialien in Zukunft dazu beitragen sollen, den Energieverbrauch zu senken und nannte dabei unter anderem Vakuumdämmung, Nanogele und Aerogele. Mit Vakuumdämmung gebe es aber noch keine Langzeiterfahrung, Nanogele und Aerogele seien genauso wie Vakuumdämmung noch sehr teuer.


Minispiegel im Fenster schützen vor Wärme und Kälte

Komplett neu ist eine Entwicklung bei Fenstern, von der Hauser berichtete. Dort gebe es ein Projekt, bei dem im Scheibenzwischenraum Minispiegel angebracht sind, die durch ein Anlegen von Spannung die Position verändern. Im Winter und in der Dämmerung lassen sie möglichst viel Licht in den Raum gelangen, bei starker Sonneneinstrahlung wird es fast vollständig reflektiert. Das könnte in fünf Jahren zur Verfügung stehen und würde das leidige Thema des Sonnenschutzes überflüssig machen. Hausers Fazit: Es sei klar, dass es ab 2012 eine weitere Verschärfung der EnEV gebe, eine weitere Reduzierung sei realistisch und auch wirtschaftlich umsetzbar.

Für einige Kommunen ist die Frage der Wirtschaftlichkeit des Baustandards EnEV 2009 bereits kein Thema mehr, sie haben sich auf ehrgeizigere Ziele verpflichtet. So berichteten Nürnberg und Heidelberg im Forum zum Energiemanagement in öffentlichen Einrichtungen auf den Berliner Energietagen auch über ihre Erfahrungen mit Passivhausbauweise. In Heidelberg sei die Fortschreibung des städtischen Energiekonzepts vom Umwelt- und vom Finanzausschuss verabschiedet und im Gemeinderat unstrittig, erklärte Ralf Bermich vom Amt für Umweltschutz der Neckarstadt. Diese Fortschreibung schlägt den Passivhaus-Standard als Regel für Neubauten vor, kontrollierte Lüftung wird Pflicht und beim sommerlichen Wärmeschutz die maschinelle Kälteerzeugung vermieden. Bei Sanierungen sollen künftig in Heidelberg die Kriterien der EnEV 2009 für den Neubau als Maßstab angelegt werden. Bermich verwies zudem darauf, dass gerade im Neubau die Ausgaben für energierelevante Maßnahmen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielten.

Bauen im Passivhausstandard sei dann möglich, wenn es dafür Unterstützung durch die Kommunen gebe wie in Hamburg oder München, meinte auch Ingrid Vogler vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Nur dann seien Mieten möglich, "die auch Normalbürger bezahlen können".


Untersuchung zum Break Even von Sanierungen

Eberhard Hinz vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU) stellte erste Zahlen einer neuen Untersuchung vor, die einen Break Even energetischer Maßnahmen bei Sanierungsmaßnahmen aus Sicht des Vermieters und Warmmietenneutralität für den Mieter ermittelt. Er hat dazu Mehrfamilienhäuser aus der Datenbank der Deutschen Energie-Agentur (Dena) untersucht, die im Rahmen von Projekten zu Niedrigenergiehäusern umgebaut worden sind. Sein Ergebnis: Sanierungen nach dem KfW-55-Standard seien ökologisch vertretbar und ökonomisch sinnvoll. Sozial verträglich sei eine Sanierung nach den Standards KfW 70 und 55.

Gleichzeitig wies Hinz aber auf die enorme Bandbreite hin. Die gab es zum einen bei der Möglichkeit, die Miete auf die Vergleichsmiete anzuheben, aber auch bei den realen Kosten, beispielsweise beim Einbau von Lüftungsanlagen. Das Fazit aus Sicht von Hinz: Eine Verschärfung der EnEV sei nicht nur erlaubt, sondern sogar dringend erforderlich.

Widerspruch kam vom GdW, aber auch vom Hausbesitzerverband Haus und Grund. Ingrid Vogler fasste für den GdW erste Erfahrungen zusammen, betonte aber sie habe noch keinen vollständigen Überblick, da die Projekte nach EnEV 2009 noch nicht abgeschlossen seien. Eines der Probleme seien unzutreffende Annahmen zu den realen Verbräuchen. Auswertungen von Anbietern wie der Brunata hätten ergeben, dass die älteren Bestände teilweise niedrigere Kosten hätten, bedingt auch durch geringeren Komfort wie fehlende Bäder. Deshalb seien auch die Vorteile, die man dort für die Mieter erzielen könne, teilweise geringer als gedacht.

Vogler monierte zudem einen höheren Überwachungsaufwand auf den Baustellen, da die Komplexität der Maßnahmen höher sei. Die Umlegung der Kosten sei insbesondere bei einer Sanierung der Fenster schwierig. Es handele sich dabei um Kunststofffenster aus den 70er Jahren, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprächen, aber noch funktionsfähig sind. "Dann ist der Tausch keine Modernisierung, sondern Instandhaltung und nicht umlagefähig". Diese Objekte würden dann auch bei der Dämmung der Fassade zurückgestellt. Zudem seien die erzielbaren Mieterhöhungen nicht ausreichend, eine Bruttowarmmietenerhöhung in vielen Gegenden unmöglich. "Aus Sicht der Wohnungswirtschaft empfehlen wir dringend, 2012 keine Verschärfung der EnEV vorzunehmen“, so Vogler in ihrem Fazit.

Darin fand sie Unterstützung von Andreas Stücke vom Eigentümerverband Haus und Grund. Er forderte vehement die in der Koalitionsvereinbarung festgelegte Evaluierung der EnEV 2009 vor weiteren Verschärfungen ein. Stücke verwies zudem darauf, dass zwischen 2000 und 2008 die Mietsteigerungen in Deutschland unterhalb der Inflationsrate gelegen hätten und bemängelte die Vielfalt an energetischen Verordnungen, sei es aus Brüssel, Berlin oder auch in einzelnen Bundesländern.

Für Peter Rathert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, der ein Forum zur EnEV 2009 auf den Berliner Energietagen moderierte ist klar, dass es 2012 eine Novelle der EnEV geben wird. "Das heißt aber nicht, dass es zu Verschärfungen kommt", versprach er. Offene Fragen zur derzeitigen EnEV 2009 soll ein Auslegungskatalog beantworten, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) bis Mitte 2010 vorlegen wird. Das sei kein unverbindliches Dokument, sondern rechtlich belastbar, betonte Rathert. pgl

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