Tchibo verkauft im August, geliefert wird im Herbst und Winter

Vor-Ort-Energieberatung der EcoUnion ist noch im Aufbau

Die Dena empfiehlt auch für den bedarfsorientierten Energieausweis eine Vor-Ort-Begehung. Bild: Dena

Seit 11. August 2010 verkauft der Kaffeeröster Tchibo Bedarfs-Energieausweise, Thermographie und Vor-Ort-Energieberatung. Dienstleister ist die EcoUnion, die derzeit von einem weiteren Dienstleister ein Netz aus Energieberatern für die Vor-Ort-Beratung aufbaut. In einigen Regionen werden noch Berater gesucht.

Seit 11. August 2010 bietet Tchibo in 900 Filialen und im Internet Energiesparprodukte der EcoUnion an. Ziel der EcoUnion sei es dabei, ihre Energieeffizienzprodukte auch beim Endverbraucher bekannt zu machen und Energieeffizienz generell in den Fokus zu rücken, sagte Lars Wolfram, Vorstand der EcoUnion AG. Letzteres wird auch von anderen Marktteilnehmern begrüßt. So sagte etwa Thomas Kwapich, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (Dena), gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die Aktion bringe das Thema Energiesparen ins Bewußtsein vieler Verbraucher und eröffne es auch neuen Kundengruppen. Dennoch gibt es weiterhin Kritik.

Während Thermographie-Aufnahmen und das Ausstellen bedarfsorientierter Energieausweise zum angestammten Geschäft der EcoUnion gehören, befindet sich die Vor-Ort-Energieberatung derzeit noch im Aufbau. Diesen erledigt die EcoUnion nicht selbst, sondern hat damit wiederum einen Dienstleister beauftragt: Mellowtec Business Engineering. Aufgabe der derzeit noch in Gründung befindlichen GmbH ist es, ein bundesweites Netz aus beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gelisteten Energieberatern zu knüpfen, die die von Tchibo verkaufte Vor-Ort-Beratung durchführen. "Einige Gebiete sind bereits ausreichend abgedeckt, in anderen Regionen suchen wir noch Energieberater, die mit uns zusammenarbeiten", berichtet Mellowtec-Geschäftsführer Hans Jörg Broda, selbst Architekt.

Man befinde sich im Aufbau des Angebots noch in einer sehr frühen Phase, arbeite aber eben von Beginn an mit einem starken Vertriebspartner. Der EcoUnion zufolge sollen die Anfragen der Kunden bei Tchibo zunächst gesammelt und dann zeitnah zwischen September und Dezember bearbeitet werden. Viel Zeit für den Aufbau bleibt also nicht mehr.

Nach Tchibo ist Broda zufolge die Fortsetzung der Aktion mit anderen, ähnlich starken Vertriebspartnern geplant. Der Stuttgarter Architekt bestätigt, dass natürlich beim Energieberater vor Ort nicht so viel Geld hängen bleibt wie bei der direkten Beauftragung durch den Endkunden. Schließlich wollen alle Beteiligten mitverdienen: Tchibo, die EcoUnion und Mellowtec. "Allerdings muss sich der Energieberater auch nicht selbst um Kunden kümmern. Mit 15 bis 20 garantierten Terminen können sie ganz anders planen. Und auch bei der Vororganisation versuchen wir, ihnen so viel wie möglich Arbeit abzunehmen", argumentiert Broda. Für den Besuch vor Ort sieht das Tchibo-Angebot ein Zeitkontingent von drei Stunden vor.

Für den Endverbraucher ist der Preis der Vor-Ort-Beratung laut Kwapich kein Schnäppchen. Laut einer KfW-Studie betrage der Preis für diese Dienstleistung im Schnitt 649 Euro. Verbraucher könnten mit einem selbst engagierten Energieberater also durchaus kostengünstiger fahren – und dabei höhere Qualität bekommen, meint der Verband der Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker GIH. "Bei dem, was letztlich beim Energieberater verbleibt, ist gute Qualität kaum zu machen. Engagierte Kollegen machen hier ein schlechtes Geschäft", sagt Dieter Bindel, Vorsitzender des GIH in Baden-Württemberg.


enbausa.de und GIH starten gemeinsame Aktion

Für den GIH Grund genug, in einer Aktion für Qualität in der Energieberatung zu sensibilisieren, mit Unterstützung von enbausa.de. Am Donnerstag, 19. August 2010, informieren der GIH und das Online-Magazin auf dem Stuttgarter Kronprinzplatz zum energieeffizienten Bauen und Sanieren. "Wenn Kaffee-Röster Energieberatung verkaufen, verkaufen Energieberater Kaffee",  bringt es Dieter Bindel, Vorsitzender des GIH Baden-Württemberg, auf den Punkt. Das ist nicht nur im übertragenen Sinne gemeint: Der GIH vertreibt ab sofort fair gehandelten Kaffee. 

Auch an den in der Tchibo-Aktion angebotenen angestammten Energieeffizienzprodukten der EcoUnion gibt es Kritik. So sagte Kwapich, 69 Euro für einen bedarfsorientierten Gebäude-Energieausweis seien ungewöhnlich niedrig. Für die Ausstellung eines solchen Ausweises hat die Dena in ihrem Gütesiegel eine Vor-Ort-Begehung festgelegt. Die EcoUnion sieht bei ihrem Angebot jedoch keinen Besuch vor Ort vor. Verarbeitet werden lediglich Daten, die die Haus- beziehungsweise Wohnungseigentümer angeben. "Niemand kontrolliert, ob diese Daten richtig sind", so ein Energieberater gegenüber enbausa.de. Auch Thermographie-Aufnahmen, die der EcoUnion zufolge natürlich nur in der Heizperiode gemacht werden, machen Experten zufolge nur mit qualifizierter Beratung Sinn.

Nicht die Produkte selbst, sondern die Art, wie sie beworben werden, kritisiert die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und hat die Wettbewerbszentrale um Prüfung gebeten. Stein des Anstoßes ist die Formulierung in der Tchibo-Werbung "Je nach Wahl, sparen Tchibo Kunden bis zu 35 Prozent." Nach Ansicht der Architektenkammer NRW handelt es dabei um irreführende Werbung. Der Grund: Tchibo erweckt den Eindruck, dass es preisrechtliche Vorgaben für die genannten Angebote gibt, die unterboten werden. Die Kosten für die genannten Leistungen sind jedoch zwischen Dienstleister und Bauherr/Hauseigentümer frei verhandelbar. Zudem ist nach Auffassung der Architektenkammer nicht ersichtlich, auf welcher Basis Tchibo die im Angebot genannten und unterbotenen Preise nennt. 117sth

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