"Höhere Abschreibung ist nötig für niedrigere Mieten"

Baugewerbe klagt über zu hohe Standards am Bau

Baugewerbe klagt über zu hohe Standards. © B. Baumann

Hans-Hartwig Loewenstein vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe fordert mehr Haushaltsmittel für Infrastruktur.

Der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe Hans-Hartwig Loewenstein warnte auf dem Deutschen Baugewerbetag insbesondere mit Blick auf den Wohnungsbau und die Infrastruktur vor einem wirtschaftlichem Abschwung seiner Branche, sollten notwendige Investitionen ausbleiben.

Loewenstein forderte die Finanzierung der Infrastruktur aus Haushaltsmitteln zu erhöhen. Angesichts eines Haushaltsvolumens von rund 300 Milliarden Euro müssten vier bis fünf Milliarden Euro jährlich zusätzlich vorhanden sein. Mit Blick auf die aktuelle Situation im Wohnungsbau kritisierte Loewenstein vor allem die politisch indizierten Standards und Anforderungen, zum Beispiel bei der Energieeffizienz, dem Schall-und Brandschutz sowie der Barrierefreiheit, die das Bauen teuer gemacht haben. Daraus resultierten zwangsläufig Mieten von rund 10 Euro/qm.

Vor diesem Hintergrund sei die Erhöhung der AfA von zwei auf vier Prozent notwendig, um niedrigere Mieten zu erreichen. Der ZDB-Präsident erinnerte daran, dass beim Neubau von Wohnungen rund ein Drittel der Investitionssumme in Form von Steuern und Sozialabgaben in den staatlichen Kassen lande. Loewenstein forderte alle drei staatlichen Ebenen auf, ihren Beitrag zur Lösung der Wohnungsbauproblematik zu leisten: den Bund durch die Erhöhung der AfA, die Länder durch Investitionen in den sozialen Wohnungsbau sowie die Kommunen durch Bereitstellung von kostengünstigem Bauland.

Weiterhin verlangte der ZDB-Präsident mehr Anstrengungen und vor allem Klarheit im Hinblick auf die energetische Gebäudesanierung. Hier müsse die Energieeinsparung im Fokus stehen. "Die Energie, die nicht gebraucht wird, muss erst gar nicht produziert und über lange Trassen von Nord nach Süd transportiert werden."

Momentan sei die Sanierung aber ins Stocken geraten, denn auf Seiten der Hausbesitzer herrsche Unklarheit und Unsicherheit. Eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung könne dem Sanierungsprozess neuen Schub geben. "Hier muss die Bundesregierung endlich Farbe bekennen." So Loewenstein.

Die Konjunktur-Forschungsinstitute wie das Ifo haben zwar insgesamt in der Herbstprognose die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts zurückgesetzt. Die Eintrübung sei jedoch so gering, dass zumindest bis 2015 noch nicht mit Rückgängen in Bauinvestitionen zu rechnen sei, so Erich Gluch, Experte für die Braubranche des Ifo-Instituts auf der Pressekonferenz zur Bau 2015. Für 2014 erwartet er ein Plus von 3,5 Prozent, auch 2015 könnte es noch ein Plus von 2 Prozent geben. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen wird im laufenden Jahr bei 215.000 Wohnungen liegen.

Am Schluss seiner Rede ging Loewenstein noch auf die sogenannte EU-Transparenzinitiative ein. Er kritisierte die EU-weite Harmonisierung der Ausbildung, die in Wahrheit zu einer Verkürzung der Lehrzeiten und einer Aushöhlung der einzelnen Berufe führe. Er verteidigte in diesem Zusammenhang den deutschen Meisterbrief als Zulassungsvoraussetzung. Die Abschaffung des Meisterbriefes im Fliesenlegerhandwerk habe zu höheren Schäden für die Verbraucher, zu einer Halbierung der Ausbildungszahlen und vor allem zu Scheinselbstständigkeit und illegaler Beschäftigung geführt. Quelle: ZDB / pgl

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