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Kunden entscheiden sich bei Sanierung für Kleckern statt Klotzen

Vor-Ort-Beratung bei Gebäudesanierung verliert Relevanz

26.10.2015, 10:00

Bei den Aufträgen der Energieberaterinnen und Energieberater sind mittlerweile die KfW-geförderten Einzelmaßnahmen an die erste Stelle gerückt. Auf Platz zwei folgen der bedarfsorientierte Energieausweis und danach die Baubegleitungen. Das hat die Fachzeitschrift "Gebäude-Energieberater" in einer aktuellen Umfrage ermittelt.

Dasselbe Bild ergab auch die Frage nach Geschäftsfeldern, die mehr Umsatz bringen. Die Teilnehmer führten hier am häufigsten die KfW-Förderprogramme an, wobei die Hälfte explizit Einzelmaßnahmen nannte. Auch Beratungen für klein- und mittelständische Unternehmen (KMU), Sanierungsberatung und -konzepte, Schimmelberatung sowie Energieaudits (EDL) wurden vereinzelt angeführt.

Der größte Verlierer bei den Geschäftsfeldern ist hingegen die BAFA-geförderte Vor-Ort-Beratung – und zwar mit Abstand. Zum einen liegt das vermutlich daran, dass die Anforderungen und der Aufwand für das dazugehörige Gutachten über die Jahre gestiegen sind. Grund ist sicherlich aber auch, dass dieses Förderprogramm auf Maßnahmenpakete bzw. ganzheitliche Energiekonzepte ausgerichtet ist. Eigentümer von Gebäuden greifen jedoch derzeit eher zu einzelnen Maßnahmen.

Energieberater haben im Berufsalltag einige Hürden zu bewältigen. So sind unvollständige Pläne oder Daten an der Tagesordnung. Viele Kunden stellen die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen an die erste Stelle. Immer wieder erwarten sie auch geringere Honorare als diejenigen, die Energieberater verlangen müssen, wenn sie kostendeckend arbeiten. Viele Teilnehmer berichteten, dass ihnen die Billigmentalität der Kunden Schwierigkeiten bereite.

Die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit spiegelt sich auch in den Einschätzungen zum Hauptgrund für die mangelnde Sanierungslust und die niedrige Sanierungsquote in Deutschland wider. Dies sehen die Umfrageteilnehmer darin begründet, dass einige Maßnahmen nicht wirtschaftlich sind oder sich erst nach langer Zeit rechnen. Manches ist schlichtweg so teuer, dass den Gebäudeeigentümern das Geld fehlt oder aktuell nicht verfügbar ist. Auch das hohe Alter vieler Immobilieneigentümer wirkt hinderlich. Dazu kommt die Verunsicherung der Verbraucher durch widersprüchliche Aussagen und die Negativberichterstattung in den Medien. Ein weiterer Grund sind die niedrigen Gas- und Ölpreise. Viele beklagten auch die fehlende politische Linie in Sachen Energiewende und Energieeffizienz.

Energieberater werden zwar häufig nach Förderungen gefragt, doch der Dschungel der verschiedenen Möglichkeiten und Vorschriften sowie die dazugehörige Bürokratie verschreckt Sanierungswillige. Einige hingegen berichteten, dass Sanierungen in ihrem Gebiet zunehmen, doch es gebe Engpässe beim Handwerk und auch sie selbst hätten kaum Kapazitäten frei.

Der starke Fokus der Energieberatungs-Kunden auf der Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen, die stark gestiegene Bedeutung von Einzelmaßnahmen und die weiter abnehmende Tendenz der BAFA-geförderten Vor-Ort-Maßnahmen – all das lässt darauf schließen, dass Gebäudeeigentümer sich scheuen oder schwer tun, ihr ganzes Bauwerk energetisch auf Vordermann zu bringen. Es ist jedoch nicht so, dass sie gar nichts tun. Anstatt des "großen Ganzen" werden nur einzelne Maßnahmen angegangen, um die dringlichsten Bedürfnisse sicherzustellen: zum Beispiel weil der Heizkessel die nächste Heizperiode nicht mehr übersteht oder der Wind durch die Fensterritzen pfeift.

Doch auch hier sind Energieberater wichtige Ratgeber. Sie können den Hausbesitzern die Einzelmaßnahme in den Kontext eines Sanierungsfahrplans stellen und damit vermeiden, dass sie sich den Weg zu einem abgestimmten energetischen Gesamtkonzept verbauen. Im novellierten Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) in Baden-Württemberg ist solch ein Sanierungsfahrplan bereits Teilerfüllungsoption. Auch auf Bundesebene soll 2016 ein solches Stufenkonzept in die Förderlandschaft integriert werden. Quelle: Gebäude-Energieberater / pgl

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