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Konferenzen in den USA und Kanada zeigen Trends

Tiny Houses sind eigene vier Wände zum geringen Preis

12.08.2015, 08:30

Modelle von Tiny Houses
Tiny Houses sollen einfach und bezahlbar sein. © Hütten und Paläste

Die Hütte, das Iglu, die Jurte: Tausende Jahre lang waren menschliche Behausungen klein und einfach. Jetzt kommen sie in Gestalt der Tiny Houses zurück.

"Winzige Häuser" begannen als ein Label, das der Amerikaner Jay Shafer prägte. Sein Wunsch war, ein einfaches Leben in einem kleinen, bezahlbaren Haus zu führen. Mit der Finanzkrise 2008 und der Zwangsversteigerung von Millionen Eigenheimen nahm die Idee an Fahrt auf. Teilen kann man sie, indem man Shafers Do-it-yourself Baupläne kauft und nachbaut. Ende Juli haben sich die Freunde der kleinen Häuser bei einem Tiny House Festival in Kanada, Anfang August kam die Szene in Colardo zum Tiny-House-Jamboree zusammen, was man mit "Riesengaudi fürs kleine Haus" übersetzen könnte.

Oft sind die Modelle rustikal wie das Modell eines frühen Adepten aus Deutschland. Das Black Forest Tiny House von Hanspeter Brunner aus Staufen bei Freiburg steht ebenfalls auf einem Anhänger und reist wie ein Schneckenhaus mit dem Besitzer mit.

Schaut man auf die deutsche Website tiny-houses.de, wird es komplizierter. Hier fallen alle Bauten bis 100 Quadratmeter Wohnfläche unter den Begriff - auch Baumhäuser, Zirkuswagen und sogenannte Singlehäuser. Mit einer Wohnfläche von 40 bis 80 Quadratmetern sollen sie dem Wohnbedarf von Alleinstehenden gerecht werden. "Unter Tiny Houses kann man vieles verstehen und jeder Architekt hat seinen eigenen Zugang", sagt Frank Schönert. Zusammen mit Nanni Grau bildet er das Duo "Hütten und Paläste". Die Berliner haben sich aufs Entwerfen von kleinen Häusern spezialisiert.

Nanni Grau sieht die Tiny Houses als "Phänomen, weil es in einer immer komplizierter werdenden Welt eine Sehnsucht nach Einfachheit gibt". Ob es sich um einen Trend handelt, kann man nicht genau sagen. "Natürlich gibt es auch in Deutschland postmaterialistisch eingestellte Menschen, die nicht viel Platz brauchen", sagt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau.

Geht es um Häuschen auf Anhängern, sind sie aber baurechtlich gar keine Gebäude, werden also auch statistisch nicht als solche erfasst. Mit drei Arten von rechtlichen Beschränkungen müssen die Konstrukteure von kleinen Häusern in Deutschland leben: Für Gartenlauben gilt das Bundeskleingartengesetz, das höchstens 24 Quadratmeter Grundfläche und anderthalb Geschosse erlaubt. Wochenendhäuser müssen, wenn sie auf Grundstücken für Einfamilienhäuser stehen, deren baurechtliche Vorgaben erfüllen. Vor allem bei den Dämmvorschriften macht sich das bemerkbar, denn ein Wochenendhaus würde man eher nicht so stark dämmen wie ein Einfamilienhaus.

Wenn die Häuser grundsätzlich transportabel sind, etwa mit einem Kran umgeladen werden können, aber länger als drei Monate an einem Ort bleiben, gelten sie nicht mehr als fliegender Bau. Dann unterliegen sie ebenfalls den Landesbauordnungen.

Auf jeden Fall ist ein kleines Haus nicht einfach zu bauen: "Man muss sich anstrengen, dass es einfach wird", sagt Nanni Grau. Diese Erkenntnis hat sie gemeinsam mit Jay Shafer. Er sagt: "Das Schwierigste ist herauszufinden, was die Leute für ein sicheres, komfortables und glückliches Leben brauchen."

Effizient sollen seine Häuser sein in dem Sinne, dass sie sie wenig Ressourcen verbrauchen und gleichzeitig viel Lebensqualität bieten. Die Konzentration auf das Wesentliche ist jenseits von Quadratmeterzahlen also wohl die eigentliche Definition von Tiny Houses. Die Häuser von "Hütten und Paläste" erfüllen diese Aufgabe, indem sie den Außenraum immer mit einbeziehen. Den Sonnenverlauf, den Blick nach Draußen und alles anderes, was kostenlos da ist, findet Frank Schönert für seine Häuser wichtig. In vielen steht eine kompakte Einheit, die das Duo "Schrank" nennt. In ihm ist von der von der Küche bis zur Toilette alle Infrastruktur untergebracht.

Nicht ganz einfach zu beantworten ist die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck. Kleine Häuser sind meist aus Holz und werden oft mit einem Ofen beheizt wie das Schwarzwaldhaus von Hanspeter Brunner oder das Unreal Estate House des Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel. Insofern sind sie eine Senke für Kohlendioxid und beim Heizen mit Holz CO2-neutral.

Eins der wenigen energieautarken Modelle ist das Mobil Chalet von Hans Georg Dieterle, für das er 2003 den Deutschen Solarpreis bekam. Inzwischen geht er mit diesem Konzept aber "nicht mehr an die Öffentlichkeit", sagt er. Energiesparend ist auf jeden Fall eine kompakte Bauweise, die kleine Häuser nicht unbedingt bieten. Viele kleine Singleappartments in einem Haus sind effizienter als lauter Singlehäuser, wären sie auch noch so klein.

Für Frank Schönert und Nanni Grau ist Kleinheit deshalb auch kein Dogma. In einem aktuellen Projekt entwerfen sie für eine Baugruppe auf dem Land ein Gebäudeensemble mit Gemeinschaftsräumen wie Kochhaus und Werkstatt, das daneben kleine Rückzugmöglichkeiten bietet.

Insgesamt nimmt die Quadratmeterzahl pro Einwohner immer noch zu. Lag sie 1998 bei 39 Quadratmetern pro Person, stieg sie auf zuletzt rund 45 Quadratmeter, meldet das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Bis zum Jahr 2030 soll sie 55 Quadratmeter betragen, prognostiziert das Berliner Forschungsinstitut Empirica im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS). Ein Grund für den wachsenden Wohnflächenbedarf ist aber nicht der Wunsch nach viel Platz, sondern dass die Menschen immer älter werden und in ihren Eigenheimen und Wohnungen möglichst lange bleiben wollen, so die LBS.

Grundsätzlich gilt: "Je kleiner man wird, desto teurer ist der Quadratmeter", sagt Nanni Grau. Auf teurem Baugrund wie in Berlin werde eher noch ein "Dreigeschosser reingequetscht" als ein kleines Haus gebaut, sagt sie. "Es gibt nicht die eine Zukunftsarchitektur und die eine Lösung", sagt Frank Schönert. So entfaltet sich innerhalb der großen Welt der Tiny Houses eine große Bandbreite von Möglichkeiten. Preislich sowieso.

Der stilvolle Fincube des deutschen Designers Werner Aisslinger kostet rund 200.000 Euro, während die schlichte Hermit's Cabin des Schweden Mats Theselius für etwa 11.000 Euro zu haben ist. Je mehr man sich dem schillernden Begriff Tiny House nähert, desto weniger fassbar wird er. Als Fazit bleibt: Es geht auch einfach. Oder wie Nanni Grau sagt: "Man muss nicht viel Geld haben, aber man muss kreativer sein und an den Lösungen forschen." von Susanne Ehlerding

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