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KfW-taugliche Baubegleitung gibt es nicht zum Festpreis

Tchibos Paket zur Baukontrolle ist wenig transparent

02.06.2016, 08:30

Eingerüsteter Neubau
Nur im Neubau gelten die Pauschalpreise. © B. Baumann

Tchibo bietet noch bis Ende Juli 2016 die Begleitung von Bauvorhaben im Neubau in unterschiedlichen Gesamtpaketen an. Bauherren können Gutscheine jetzt erwerben und zwei Jahre lang einlösen. Im Basispaket von knapp 1.000 Euro sind zwei Begehungen enthalten, eine bei geschlossenem Rohbau und eine kurz vor Fertigstellung. Drei Kontrollgänge gibt es für 1.555 Euro. Bei diesem Paket gibt es auch einen Mängelverfolgungsbericht. In beiden Paketen ist jeweils ein Blower-Door-Test enthalten. Geprüft werden bei den Paketen nur Häuser in Massivbauweise. Für einen separaten Blower-Door-Test sind knapp 400 Euro fällig. Außerdem gibt es ein Bauabnahmepaket für Häuser, die schon kurz vor der Fertigstellung stehen für knapp 1.000 Euro. Die Pauschalpreise beziehen sich nur auf Neubauten in Massivbauweise.

Partner von Tchibo ist der Verein zur Qualitätskontrolle am Bau, der VQC. Man wolle die Konfrontation zwischen Bauherren und Bauträgern auflösen, formuliert Udo Schumacher-Ritz, Vorstandsvorsitzender der VQC die grundsätzliche Position seines Vereins. Das Bauen werde immer komplexer, viele Handwerker wüssten zu wenig über Baustoffe, da vermittle man Wissen. Man verstehe sich als "Vermittler zwischen Bauherren und Bauträgern." Damit grenze er sich von Verbänden wie dem Verband Deutscher Bauherren oder dem Bauherrenschutzbund ab, die nach Auffassung des VQC zu sehr auf Konfrontation setzten.

Genaue Leistung ist nicht wirklich transparent

Es muss aber die Frage erlaubt sein, ob der VQC als Verein eine neutrale Prüfung im Sinne der Bauherren gewährleistet. Mitglieder sind dort ausschließlich Bauträger, also die Unternehmen, die Häuser bauen. Die vermitteln die Sachverständigen. Die Unabhängigkeit der Berater sei aber dennoch garantiert, sagt Schumacher-Ritz: Die Sachverständigen seien selbstständig und dürften nicht für die im Verein organisierten Bauträger arbeiten.

Verbände wie der GIH – ein bundesweiter Verband von Handwerkern, Architekten und Ingenieuren, die sich auf Gebäudenergieberatung spezialisiert haben – begrüßen zwar prinzipiell den Fokus auf Bauqualität. Das Angebot von Tchibo und VQC sei allerdings Bauernfängerei, sagt Wolf-Dieter Dötterer vom GIH. Es sei überhaupt nicht transparent, welche Leistungen dahinterstehen: "Der Kunde ist gut beraten sich beim Angebot von Tchibo sehr genau anzuschauen, welche Leistung er für sein Geld bekommt". So bleibt beispielsweise offen, ob neben der technischen Bauausführung auch Leistungen wie der hydraulische Abgleich der Heizung oder ein Lüftungskonzept abgefragt werden.

Pauschalpreis für KfW-Baubegleitung wird nicht genannt

Bei den Preisen liegen die Tchibo-Offerten in der Größenordnung, die auch von Instituten wie Dekra oder TÜV angeboten werden. So gibt es bei der Dekra eine Überprüfung der Bodenplatte für 530 Euro. Die ist beim VQC in keinem der Pakete enthalten. Für jeden weiteren Prüfungsschritt setzt die Dekra 660 Euro an.

Für eine Baubegleitung nach den Anforderungen KfW eignen sich die Pauschalpakete von Tchibo und VQC nicht. Einen Pauschalpreis für KfW-Baubegleitung gibt es nicht. Entsprechende Angebote sind individuell anzufordern.

Wolf-Dieter Dötterer verweist bei KfW-geförderten Häusern auf ein weiteres Problem: Bauherren müssten darauf achten, wirklich alle Unterlagen selbst zu erhalten. "Schließt man einen Vertrag mit einem Fertighaushersteller, dann muss man das im Vertrag festhalten", betont er. Bei einer eventuellen Vor-Ort-Kontrolle müsse man diese Unterlagen vorlegen können, sonst drohen ein Entzug oder eine Kürzung der KfW-Mittel. In den Standard-Verträgen der Fertighaus-Anbieter sei eine solche Übergabe der Dokumente meist nicht vorgesehen, so Dötterer.

von Pia Grund-Ludwig

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