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Wirtschaftliche Bewertung soll erweiterte Grundlage erhalten

Studie monetarisiert Zusatznutzen bei Gebäudesanierung

31.03.2016, 08:30

Lichtaktivhaus in Hamburg
Den Komfortgewinn nach einer Sanierung berücksichtigt eine Studie des BPIE. © Velux

In einer umfangreichen Studie hat das Building Performance Institute Europe untersucht, wie sich der Nutzen der Gebäudesanierung wirtschaftlich bewerten lässt. Bisherige Erhebungen befassen sich in der Regel mit einer Gegenüberstellung von Energiekostenreduktion und Kosten für die energetische Sanierung. Die Forscher des BPIE wollen Zusatznutzen berücksichtigen. Sie legen außerdem besonderen Wert darauf, Komplettsanierungen voranzubringen. Zu den Vorschlägen, die sich aus der Studie ergeben gehört unter anderem eine Anpassung der Heizölsteuer sowie ein gemeinsamer Investmentfonds für Sanierungprojekte.

Das BPIE erweitert zunächst den Ansatz der wirtschaftlichen Bewertung: "In unserer Studie wollen wir den Zusatznutzen ermitteln, der sich durch die Energieeffizienz von Gebäuden ergibt und der über die reine Energieeinsparung hinausgeht. Das bei der wirtschaftlichen Bewertung von Gebäuden zu berücksichtigen ist schwierig, aber wir geben einen ersten Anstoß, werfen sozusagen einen Stein ins Wasser. Einige Studien, unter anderem von der internationalen Energieagentur, setzen diesen Zusatznutzen beim bis zu fünffachen der direkten Energieeinsparung an", erklärt Oliver Rapf, Geschäftsführer des Instituts, gegenüber EnBauSa.de.

So sei umfassend belegt, dass Gebäudenutzer höhere Innentemperaturen genießen, wenn die Energieeffizienz der Gebäudesubstanz optimiert werden. Ergebnisse aus einer Untersuchung des ZVSHK belegen, dass derzeitge Normen dies nicht abbilden. Menschen nehmen sich mehr Komfort als die Normen definieren, wenn Heizanlagen und Baustandard dies erlauben.

Komfort ist wirtschaftlicher Zusatznutzen

Der Ansatz der Forscher des BPIE berrücksichtigt dies. Es werde von den Nutzern teilweise auf das volle Kosteneinsparpotential verzichtet. Es sei aber gerechtfertigt, diesen zusätzlichen Komfort für den Nutzer mit einem bestimmten wirtschaftlichen Wert gleichzusetzen. Die Experten setzen die wirtschaftlichen Einsparpotentiale, auf die zugunsten des Komforts verzichtet wird, bei ihren Überlegungen teilweise ebenfalls als Gewinn an. Ein stark vereinfachtes Beispiel: Gäbe es in einer Wohnung ein Einsparpotential von 20 Euro im Monat aufgrund einer Sanierung, wird aber durch eine Erhöhung der Wohnungstemperatur nur 10 Euro realisiert, wird der volle Betrag in den entsprechenden Szenarien angesetzt.

Die Studie setzt dabei den Schwerpunkt auf umfassende Sanierungen. Der Zeithorizont der Untersuchung reicht bis 2030. Das soll es ermöglichen, die Ergebnisse politisch jetzt getroffener Maßnahmen abzuschätzen ohne sich auf Spekulation zu langfristigen Technologietrends oder mittelfristigen Energiepreisen einzulassen. Bei den Energiepreisen wird eine Zunahme der Handelspreise zwischen 1,1 und 2,6 Prozent jährlich zugrunde gelegt.

Der Maßstab für eine Komplettsanierung wird relativ niedrig angesetzt: "Unsere Analyse ist sehr konservativ gehalten, denn wir setzen die Gas-Brennwert-Heizung bereits als Referenz an", so Rapf. Die Forscher haben unteschiedliche Kategorien gebildet, für die sie untersucht haben, wo welche Sanierungsmaßnahmen rentabel sind und welche Maßnahmen geeignet wären, um weitere Sanierungen rentabel zu machen.

Komplettsanierung bereits in acht von 16 Kategorien rentabel

Die Ergebnisse zeigen, dass umfassende Gebäudesanierungen an Gebäudehülle und Heizungsanlage unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen für acht der 16 Gebäudekategorien rentabel sind und sich daraus Energieeinsparungen in Höhe von 60 TWh/Jahr ergeben. Zu den Kategorien, bei denen sich Sanierungen auch unter heutigen Bedingungen rechnen zählen ältere Wohngebäude bis zum Baujahr 1948, Einfamilienhäuser bis zum Baujahr 1978 und zahlreiche Kategorien von Nichtwohngebäuden. "Sind die richtigen Marktbedingungen gegeben, kann das kostenwirksame Sanierungspotential mehr als verdoppelt werden", so die Studie weiter.

Die Autoren schlagen auch eine stärkere Differenzierung der Förderung vor, um diejenigen Immobilien zu erreichen, für die derzeit eine Sanierung knapp nicht kostenwirksam ist. Sonderkonditionen könnten auch für Mietwohnungsbestände Sinn machen. "Vermietete Immobilien, für die Mieterhöhungen aus gesellschaftlicher Sicht nicht machbar oder wünschenswert sind, könnten von spezifischen Fördermaßnahmen profitieren", so die Autoren.

Energiesprong erprobt in Holland bereits Mustersanierung

Sie raten außerdem zur Entwicklung von einheitlichen Konzepten für Quartiere mit identischen Gebäudetypen. Das könnte bis hin zur Vorfertigung gehen. Erfahrungen damit gibt es bereits in anderen Ländern. So testet Energiesprong in Holland, ob sich durch Mustersanierungen Kosten senken lassen. In Deutschland stößt das auf verhaltenes Interesse. Es gebe zwar Vorteile hoher industrieller Fertigung, aber zur Sanierung einzelner Gebäude sei Vorfertigung wenig geeignet, hieß es aus dem Bauministerium.

Die Studie des BPIE legt vor allem Wert darauf, dass politische Hebel entwickelt werden, um Komplettsanierungen anzustoßen. "Eine der Maßnahmen die wir uns vorstellen können sind Einspeisetarife, die sich auf eingesparte Energie, also auf Effizienzmaßnahmen beziehen. Eine solche Förderung wäre mit eingesparten Investitionen bei der Energieversorgungsinfrastruktur sicher darzustellen. Und sie würde eine direkte Motivation für Gebäudebesitzer sein", sagt Rapf.

"Heizölsteuern auf europäisches Maß anpassen"

Eine weitere Maßnahme wäre es, Steuern auf das europäische Maß anzuheben: "Eine Heizölsteuer wäre aus unserer Sicht sinnvoll, denn der deutsche Steuersatz liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt, aber das wird wohl in dieser Legislaturperiode eher nicht mehr angefasst." Ob höhere Steuern auf Energie überhaupt politisch durchsetzbar sind ist fraglich. Auf jeden Fall, so auch die Studie, müsse es Ausgleichsmaßnahmen geben, um Haushalte zu entlasten, die höhere Energiepreise nicht bezahlen können.

Als finanzielles Instrument, das ebenfalls umfassende Sanierungen voranbringen kann schlägt die Studie einen Investmentfonds vor. "Wir könnten uns vorstellen, dass man Sanierungsfälle in einem Fonds bündelt mit einer garantierten Vergütung. Wir appellieren an Finanzwirtschaft und Politik solche neuen Instrumente zu entwickeln", schlägt Rapf vor. von Pia Grund-Ludwig

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