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EU-Initiative Concerto gibt Beispiele für die Quartierssanierung

Städte müssen im Großen denken

13.08.2012, 08:30

Sanierungsmodell Poptahof Delft
Durch die Sanierung wieder zu einem attraktiven Quartier geworden: der Poptahof in Delft. © Concerto-Projekt SESAC

Europas Städte stehen vor einer gewaltigen Herausforderung: Bis 2020 sollen sie ihren CO2-Ausstoß um 20 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 reduzieren, ihre Energieeffizienz um 20 Prozent verbessern und den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch auf 20 Prozent erhöhen. Und das bei begrenzten Mitteln. Gefragt sind daher Konzepte, die aufzeigen, wie sich ganze Stadtviertel kostenoptimal energetisch umgestalten lassen. Hier setzt die EU-Initiative Concerto an.

"Seit 2005 fördert die Europäische Kommission mit Concerto Demonstrations- und Forschungsprojekte, die ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung von Stadtteilen - Neubauten und Sanierung - legen und dabei erneuerbare Energien nutzen und energieeffiziente Maßnahmen anwenden", berichtet Valerie Bahr, Projektleiterin am Steinbeis-Europa-Zentrum und Koordinatorin für die Evaluierung und Verbreitung der Projektergebnisse von Concerto.

Inzwischen finden sich Concerto-Projekte in 58 Städten in 23 europäischen Ländern. Allen gemeinsam ist das Ziel, die CO2-Emissionen auf die kostengünstigste Art und Weise zu senken und gleichzeitig die Lebensqualität im urbanen Raum zu verbessern. Hinzu kommt der ganzheitliche Ansatz bei der Planung und darüber hinaus.

So werden bei der Verbesserung der Energieeffizienz nicht die einzelnen Gebäude für sich betrachtet, sondern nach der energie- und kostenoptimalen Lösung für das gesamte Quartier gesucht. Die kann je nach lokalen Gegebenheiten variieren. In dünner besiedelten Stadtteilen mit vielen Ein- und Zweifamilienhäusern etwa ist es oft die beste Wahl, die Gebäude aufwändig energetisch zu sanieren und dann die bestehende Heizung durch eine Pelletheizung oder eine Wärmepumpe zu ersetzen. In dichter besiedelten Quartieren mit großen Mehrfamilienhäusern dagegen ist unter Umständen die Errichtung eines neuen oder der Ausbau eines bestehenden Fernwärmenetzes die ökonomisch sinnvollere Alternative. 

Egal welcher Mix aus Sanierungsmaßnahmen und Energieversorgung vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele gewählt wird, entscheidend für den Erfolg ist, dass alle Beteiligten, von den Hausbesitzern über die Planer, Architekten und Handwerker bis hin zu den Mietern, frühzeitig in das Projekt einbezogen werden. Auch dafür, wie das bewerkstelligt werden kann, liefert Concerto Beispiele. 

So wurden im italienischen Turin ebenso wie in Hannover einzelne Quartiersbewohner ausgebildet, um Umfragen unter ihren Mitbewohnern durchzuführen oder diese zu beraten. Auf diese Weise wurden sie zu Multiplikatoren und glaubwürdigen Ansprechpartnern für andere Einwohner. Und im holländischen Delft moderierte ein externes Büro die Zusammenarbeit zwischen der Stadt, der Eigentümergesellschaft der Gebäude im Quartier Poptahof und den Bewohnern.

Das Quartier Poptahof gilt als Vorzeigeprojekt für die Sanierung von Quartieren mit einkommensschwachen Bewohnern. In die Jahre gekommene Gebäude, Konflikte zwischen den Anwohnern und vernachlässigte öffentliche Räume begründeten einen schlechten Ruf, das Viertel drohte ins Abseits gedrängt zu werden. In dieser Situation entschlossen sich die Stadt Delft und das Wohnungsunternehmen Woonbron als Eigentümergesellschaft 2001 zum Handeln. Im Rahmen der Concerto-Initiative werden im Proptahof über 800 Wohnungen und Appartments in acht Hochhäusern saniert und 58 Wohnungen neu errichtet. Gleichzeitig wird der öffentliche Raum aufgewertet, wobei den Wünschen der Anwohner Rechnung getragen wird. Auf diese Weise führt die energetische Aufwertung des Viertels auch zu einer Aufwertung der generellen Lebensumstände, was die Akzeptanz der Maßnahmen erhöht.

Eine erste Auswertung der sozioökonomischen Untersuchungen im Rahmen der Concerto-Projekte zeigt, dass Sanierungsarbeiten vor allem in jenen Städten, in denen die Bewohner von Beginn an in die Aktivitäten involviert und über alle Entwicklungen informiert wurden, reibungslos abliefen. Hier war die Akzeptanz für die Maßnahmen hoch. 

Nicht ganz so einheitlich fällt das Fazit zu den Informations- und Fortbildungsmaßnahmen für Handwerker aus. "Bei uns haben nur sehr wenige Handwerker unser Fortbildungsangebot angenommen. Offenbar waren sie der Meinung, dass sie die Fortbildung nicht brauchen. Schließlich wurden sie ja für das Projekt ausgewählt", berichtet Malorie Clermont, Concerto-Koordinatorin in Lyon. In der spanischen Stadt Viladecarns dagegen werden über die Concerto-Beteiligten hinaus hundert arbeitslose Handwerker in Sachen Installation erneuerbarer Energiesysteme und energieeffizientes Bauen trainiert und so ihre Aussichten auf dem Jobmarkt verbessert.

Von unserer Redakteurin Silke Thole

 

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