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EU-Projekt zielt auf Wohnungsgesellschaften

"Square" soll bei der Sanierung für Qualität sorgen

18.03.2010, 10:52

Sanierungsprojekt Dieselweg in Graz
An diesem Objekt in Graz wird Square derzeit in der Praxis erprobt. Bild: AEE-Intec

Im Rahmen des europäischen Projektes "Square" haben acht Forschungsinstitute ein Qualitätsmanagement-System für die Sanierung von großen Wohngebäuden entwickelt. Das Projekt läuft noch bis Ende April 2010 und wird derzeit in der Praxis erprobt – unter anderem in Österreich. In Deutschland dürften die Ergebnisse vor allem für Wohnungsgesellschaften interessant sein. Doch die reagieren zurückhaltend. Man habe das Thema Sanierungsqualität im Griff, heißt es.  

Die Abkürzung Square steht für "Qualitätssicherung in der Gebäudesanierung – Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Verbesserung des Wohnraumklimas und der Energieeffizienz bei der Sanierung von großvolumigen Wohngebäuden". "Ziel ist es, einen systematischen Projektverlauf für die Sanierung von großvolumigen Wohngebäuden zu entwickeln, der ein verbessertes Wohnraumklima und einen effizienten Energieeinsatz gewährleistet", berichtet Armin Knotzer. Er ist Square-Projektleiter am Institut für Nachhaltige Technologien der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE-INTEC), einem der acht Partner des Projekts, das von der Europäischen Union Co-finanziert wird. Die anderen Partner kommen aus Schweden, Spanien, Bulgarien, Finnland und den Niederlanden. Aus Deutschland gibt es keine Beteiligung.  

Dabei besteht auch hierzulande Handlungsbedarf, ist sich beispielsweise Roland Gräbel sicher, Leiter des Bauzentrums München, das im Referat für Gesundheit und Umwelt der bayerischen Landeshauptstadt angesiedelt ist. Ein einheitliches Qualitätsmanagementsystem würde auch in Deutschland weiter helfen, ist er überzeugt und ergänzt: "Auch bei unseren Bemühungen im Rahmen des Münchner Qualitätsstandards geht es letztlich um eine ganzheitliche, standardisierte Vorgehensweise."

Das Gütesiegel "Münchner Qualitätsstandard" wurde in München Anfang 2009 vorgestellt. Impulsgeber für die Entwicklung war der Blick nach Stuttgart auf den Stuttgarter Sanierungsstandard. Auch der Münchner Standard empfiehlt eine umfassende Beratung und Bauüberwachung, legt bestimmte Vorgehensweisen fest und definiert verbindliche Anforderungen für bauliche Sanierungsmaßnahmen. Eine solche verbindliche Anforderung ist beispielsweise im Bereich Außenwände/ Fenster, dass der Fachunternehmer, der Fenster und Türen einbaut erklären muss, dass er die Vorgaben im "Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren", herausgegeben von der Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e.V., eingehalten hat.

"Anders als das EBZ Stuttgart führen wir die Qualifizierungs- und Qualitätsmaßnahmen aber nicht selbst durch", nennt Gräbel einen wesentlichen Unterschied zum Stuttgarter Sanierungsstandard. "Uns geht es um eine saubere Vereinbarung, wie genau saniert wird und welche Ziele erreicht werden sollen. Und das zu einem möglichst frühen Zeitpunkt." Dabei sollen die umfangreichen Checklisten des Münchner Qualitätsstandards helfen.

Zudem gehen die Münchener einen Schritt weiter und beziehen die Finanzierung ein: Zusätzliche Fördergelder aus dem Förderprogramm Energieeinsparung der Stadt München können nur noch beantragt werden, wenn der Münchner Qualitätsstandard eingehalten wird. Damit kommt kaum ein Sanierungsprojekt – sei es nun das von einem privaten Hausbesitzer oder von einer Wohnungsbaugesellschaft – am Münchner Standard vorbei.

Wohnungsunternehmen wie die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugellschaft (SWSG) oder die Gewofag in München sehen die Entwicklung der Standards zur Qualitätssicherung der Kommunen zwar mit Wohlwollen, fühlen sich in ihrer täglichen Sanierungsarbeit jedoch kaum davon betroffen. "Das richtet sich an Leute, die nicht vom Fach sind, und da ist es auch sinnvoll", sagt etwa Sigismund Mühlbauer, Prokurist des Münchner Wohnungsunternehmens Gewofag. Die Wohnungsunternehmen hätten aber die Expertise in der Beratung und Baubegleitung im eigenen Haus, für die machten diese Standards nicht wirklich Sinn. 

Auch dem Projekt Square begegnen die von EnBauSa befragten Wohnungsunternehmen mit Zurückhaltung. Man habe die Qualitätssicherung seiner Sanierungsmaßnahmen im Griff, heißt es allenthalben. Laut Stephanie Ahr, Pressesprecherin der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft, ist unter bestimmten Bedingungen "ein Qualitätsmanagement-System sicherlich sinnvoll und begrüßenswert. Wie immer gilt: Auf das Maß kommt es an. Ein ausgefeiltes QM-System reguliert nur die wichtigsten Schnittstellen und Kontrollschritte des Projekts – sonst droht Überregulierung und am Ende Ineffizienz. In Anbetracht der ständig steigenden Bürokratisierung im Bauwesen stellt sich allerdings die Frage, ob sich die EU nun auch dieses Themas annehmen muss."

Square-Projektleiter Armin Knotzer weiß sehr wohl, dass Wohnungsunternehmen ein sehr hohes Interesse an einer hochwertigen Sanierungsqualität haben. "Es gibt Wohnungsgesellschaften, die in der Qualitätssicherung bereits sehr weit sind", bestätigt er. Andere dagegen fingen gerade erst an. Insgesamt sei das Bewusstsein, dass durch die Einführung von Qualitätssicherung Zeit und Kapital eingespart werden können, noch zu wenig vorhanden. Das soll sich durch Square ändern. "Ein Qualitätsmanagementsystem hilft, innerhalb einer Organisation einen standardisierten Prozess aufzubauen, umzusetzen und aufrecht zu erhalten. Square bildet einen solchen Rahmen für die Qualitätssicherung von Sanierungsprojekten", sagt Knotzer. Dabei ist den Forschern durchaus bewusst, dass dieser Rahmen flexibel sein muss. Denn zum einen sind die Voraussetzungen in den verschiedenen Ländern der Europäischen Union unterschiedlich und zum anderen gibt es für die thermische Gebäudesanierung kein Patentrezept, die meisten Maßnahmen müssen für jedes Projekt individuell angepasst werden. 

Square setzt auf bestehende Normen und Systeme zur Qualitätssicherung wie der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001, die grundsätzliche Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest legt. Dementsprechend findet sich die wesentliche Methodik "Plan – Do – Check – Act" (Planung – Einführung/ Umsetzung – Überprüfung – Verbesserung) in Square wieder. "Ein zentraler Punkt ist dabei, dass neben der Planung und Umsetzung auch der spätere Gebäudebetrieb in den Sanierungsprozess einbezogen wird", betont Knotzer. So müsse schon in der Planungsphase betrachtet werden, wie später ein optimaler Betrieb sicher gestellt werden kann. Und auch später während des Betriebs gelte es, laufend den Energieverbrauch zu kontrollieren, regelmäßig die Mieter zu befragen und auftretende Problempunkte zu analysieren. "Das Qualitätsmanagement-System zielt darauf ab, die Lücke zwischen den baulichen Sanierungsmaßnahmen und dem anschließenden Betrieb zu schließen", so Knotzer. Und das mit Hilfe von Wartungs- und Kontrollbüchern, Checklisten für Routinetätigkeiten und regelmäßige Inspektionen, Energiebuchhaltung und regelmäßige Evaluationen

Gräbel findet die Idee, ein einheitliches Qualitätsmanagement-System für Sanierungsprojekte zu entwickeln, spannend und bedauert es ein wenig, dass kein deutscher Partner daran beteiligt ist. "Der Ansatz, sich von Beginn an, Gedanken über Qualitäten und Ziele zu machen, ist sicher auch in Deutschland nicht in allen Wohnungsbaugesellschaften verankert", ist sich der Leiter des Münchner Bauzentrums sicher. sth

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