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Viele Berater treiben die Kosten für Bausparer hoch

Fast jede vierte Bauspar-Beratung ist mangelhaft

18.07.2012, 00:00

Geldscheine in einer Reihe
Zu viel Geld nehmen die Berater Bausparkunden ab. © Hoffmann

Wer sein Haus oder seine Wohnung modernisieren oder energetisch sanieren will, finanziert das häufig mit einem Bausparvertrag. Wie aber sieht ein guter Bausparvertrag für eine solche Maßnahme aus? Das wollte die Stiftung Warentest wissen und berichtete gestern auf einer Pressekonferenz in Berlin vorab über ihre Ergebnisse.

Nur vier von 22 Bausparkassen schnitten im Praxistest der Stiftung Warentest-Finanztest mit einem einfachen Modernisierungsfall gut ab. Fast jedes vierte Angebot bewertet Finanztest sogar als mangelhaft.

30 Millionen Bausparverträge gibt es heute in Deutschland. Ein Bausparvertrag sei auch immer noch eine gute Lösung für die Immobilienfinanzierung, eine Modernisierung oder energetische Sanierungsmaßnahme, so Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztest. Wichtig sei aber gerade bei diesen Verträgen, dass sie eben passgenau für die Finanzierung seien, sonst verliere der Sparer viel Geld. Daher habe man am Beispiel einer Modernisierungsfinanzierung die Beratungsqualität getestet.

Von Januar bis April ließen sich die Tester in jeweils sieben Filialen der 22 Bausparkassen Angebote zur Finanzierung einer Modernisierung erstellen. Der Testfall war immer gleich: In vier Jahren wollen sie ihre Immobilie modernisieren. Sie benötigen 50.000 Euro für eine Modernisierung und bringen 10.000 Euro Eigenkapital ein, die monatliche Belastung sollte 400 Euro nicht überschreiten.

Die Erfahrungen waren oft frustrierend: Häufig berieten die Bausparkassen am Kunden vorbei und machten dabei überteuerte Angebote. Mal war die Spar- oder Darlehensrate für den Kunden zu hoch, mal die Zeit bis zur Zuteilung zu lang. Oft wählten die Berater den falschen Tarif oder eine ungünstige Sparvariante. Gleich mehrere Angebote waren so schlecht, dass eine Bankfinanzierung selbst bei einem späteren Zinssatz von 10 Prozent noch günstiger gewesen wäre.

Deutsche Bank Bausparkasse, Huk-Coburg, LBS Ost und LBS Rheinland-Pfalz fielen im Test durch - bei diesen und weiteren Kassen wurden die Testkunden in drei von sieben Fällen schlecht beraten. Mitarbeiter desselben Anbieters erstellten hier völlig unterschiedliche Angebote. Für den Kunden sei es hier reine Glückssache, so Finanztest, ob der Kunde eine gute oder schlechte Beratung erhalte.

Dagegen war beim Testsieger Wüstenrot selbst das schlechteste der sieben Testgespräche noch gut, ebenso mit "gut" bewertet wurden die Landesbausparkassen Bremen, Nord und die LBS Baden-Württemberg. Sechs Bausparkassen berieten im Test mit "befriedigend", acht Unternehmen nur "ausreichend". "In nicht wenigen Fällen war die festgelegte Bausparsumme um bis zu 10.000 Euro zu hoch", berichtet Tenhagen, "die brauchte der Kunde gar nicht, so verdient die Bausparkasse mehr."

 

Häufig ließen die Bausparkassen den Kunden auch zu lange sparen, teilweise bis zu zehn Jahren, die Modernisierung müsste damit unnötig lange warten, so das Ergebnis nach der Beratung bei der LBS Bayern, den Landesbausparkassen Ost und Bayern sowie den Bausparkassen Signal Iduna und Deutscher Ring. Oft fehlte bei der Beratung auch ein Tilgungsplan. Jede fünfte Finanzierung hätte die Kunden deutlich zu viel Geld gekostet. Bei allen mit mangelhaft bewerteten Bausparkassen müsse der Kunde sogar darauf gefasst sein, eine Fehlberatung zu erhalten, so Tenhagen.

Zudem wurde bewertet, wie gut sich das Angebot zur Finanzierung eignet. "Dazu haben wir einen Vergleich zu einer Kombination von einem Banksparplan und einem Bankdarlehen gemacht", erläutert Stephan Kühnlenz, wissenschaftlicher Leiter Stiftung Warentest. "Zum Beispiel waren vier Angebote der Deutschen Bank so schlecht, dass eine Bankfinanzierung mit einem Zinsanstieg über zehn Prozent noch günstiger gewesen wäre."

Im Moment sind die Zinsen für Baufinanzierungskredite niedrig. Dennoch sei, wer vorausschauend eine energetische Modernisierung plant, mit einem Bausparvertrag weiterhin im Vorteil, so Kühnlenz, denn der Sinn wären ja weniger die Ansparungszinsen, die relativ niedrig sind, sondern vor allem die Sicherung eines günstigen Zinssatzes für den Zeitpunkt der Modernisierungsmaßnahme.

Aktuell betragen die Zinssätze meist 2,75 bis 3,75 Prozent. Die Stiftung Warentest fordert aufgrund dieser schlechten Ergebnisse, dass die Anbieter von Bausparverträgen vollständige Informationen zu ihren Produkten anbieten. Es dürften dabei keine Kosten und Gebühren versteckt werden, mahnte Kühnlenz.

Am besten sollten die Produktinformationen standardisiert werden, damit eine Vergleichbarkeit möglich ist. Berater sollten so geschult werden, dass die Verbraucher gleichbleibend gute Beratungen in Anspruch nehmen können, Bauprodukte in Hinsicht auf individuelle Kundenwünsche optimiert werden. Da dies aber leider noch nicht der Fall sei, so Kühnlenz, solle man sich nicht von einer freundlichen Atmosphäre und einem guten Gefühl beeindrucken lassen, das sage noch nichts über die Beratungsqualität aus.

Wichtig sei es, konkrete Angaben zu Zeitpunkt, Art und Kosten der vorgesehenen Modernisierung zu machen, Details abzufragen, das Gespräch nachzubereiten und vor allem zwei Vergleichsangebote einzuholen und diese im Bedarfsfall von einer Verbraucherzentrale prüfen zu lassen.

von Nicole Allé

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