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Interview mit dem Vorsitzenden des GIH Jürgen Leppig

"Energieberatung ist ein People-Business"

26.11.2015, 08:30

Jürgen Leppig, GIH
Jürgen Leppig, GIH: "Für gute Beratung bezahlen die Kunden auch gut." © Silke Thole

Jürgen Leppig ist der neue Bundesvorsitzende des Bundesverbands Gebäudeenergieberater, Ingenieure Handwerker (GIH). Er will das Thema Qualitätssicherung in der Energieberatung stärker nach außen tragen. Die Energieeffizienzexpertenliste sei dafür der kleinste gemeinsame Nenner. Leppig positioniert sich außerdem explizit gegen eine Absenkung von Baustandards. Das wurde von Teilen der Baubranche gefordert. Das Thema Flüchtlinge dürfe nicht zum Anlass genommen werden, den eigenen Profit zu maximieren und eine gute Sache anzuhalten.

Qualitätssicherung ist ein zentrales Thema in der Energieberatung. Wie adressieren Sie das als neu gewählter Vorsitzender des GIH?

Rezertifizierung liegt mir am Herzen. Ich sehe ein, dass es notwendig ist, sehe jedoch auch, dass ein Energieberater für Wohngebäude, der gleichzeitig Energieberater für Baudenkmale ist, innerhalb von zwei Jahren jeweils 40 Stunden Zertifizierungslehrgänge für jede der Energieberaterausbildungen besuchen muss. Für Wohngebäude und Baudenkmale gilt aber die selbe Bauphysik. Hier sollte man den Weiterbildungsaufwand auf das Notwendige reduzieren. Außerdem muss es uns gelingen, unsere Qualität gegenüber den Kunden besser darzustellen. Energieberater ist leider kein geschützter Begriff. Beratung ist aber auch, wie man ja neudeutsch sagt, ein "People-Business". Wenn der Berater keine Beziehung, kein Vertrauen, zum Kunden aufbauen kann, nützt das beste Qualitätssiegel nichts. Hierauf möchte ich mehr Gewicht in der Ausbildung der Energie"berater" legen.

Qualität war ja ein zentrales Projekt die Energieeffizienz-Expertenliste. Hat die Liste da etwas gebracht?

Die Energie-Expertenliste ist für mich der kleinste gemeinsame Nenner. Man kann in Richtung Kunde darstellen, dass diese Energieexperten Vorbildung aufgrund ihres Berufs und eine Weiterbildung zum Thema Energie haben. Damit lässt sich die Spreu vom Weizen trennen.

EU will Berufsbild Energieberater nicht

Den Energieberater als Berufsbild gibt es ja nicht. Was ist für Sie der nächste Schritt um da hinzukommen?

Wir versuchen in Zusammenarbeit mit den anderen wichtigen Verbänden, weitere Schritte zu gehen. Das ist im Moment nicht einfach. Im letzten Jahr hat uns die Bundesumweltministerin dargelegt, dass sie im Moment keine Chance sieht, ein Berufsbild des Energieberaters zu etablieren. Vor dem Hintergrund, dass die EU aktuell versucht, über die Auflösung oder Aufweichung der Meisterpflicht in verschiedenen Berufsständen den Zugang zum Markt zu erleichtern, ist dieses Bestreben nicht durchsetzbar. Aus Sicht der EU würde Deutschland durch die Einführung des Berufsbildes Barrieren aufbauen. Da liegen noch ein langer Weg und viel Überzeugungsarbeit vor uns.

Schadet es Ihnen, dass dieses Berufsbild so diffus ist?

Ja, es schadet uns zumindest vor dem Kunden, weil er oft gar nicht mehr weiß, welcher Energieberater oder welcher Berater ihn da anspricht. Es gibt beispielsweise Energieberater im Baustoffhandel. Dazu benötigen Sie ein paar Stunden in einem Lehrgang. Es werden dort keine komplexen Zusammenhänge in der Bauphysik von so einem Gebäude gelehrt. Es geht in erster Linie darum, Baustoffe zu verkaufen. Es gibt Energieberater im Handwerk, es gibt Energieberater, die HWK-zertifiziert sind, Energieberater bei Energieversorgern... Wie soll der Kunde da den Überblick behalten?

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