Empirica-Studie zur Gebäudesanierung in der Kritik
10.01.2013, 07:00
Mit einem provokanten Beitrag hatte sich Professor Harald Simons vom Berliner Empirica-Institut in einer Studie des Verbands der Privaten Bausparkassen zu Wort gemeldet. Sein erstaunliches Fazit: Der "aktuelle energetische Zustand des älteren Ein- und Zweifamilienhausbestandes ist – gerade vor dem Hintergrund der diskutierten Einsparpotenziale – beeindruckend gut". Klaus-Dieter Clausnitzer vom Bremer Energie Institut und Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur widersprechen ihm vehement.
Die zentralen Aussagen von Simons: energetische Sanierungen seien im Regelfall unwirtschaftlich. Die eingesparten Kosten deckten nicht die Kosten der energetischen Sanierung. Dabei geht er von einem derzeitigen mittleren Energieverbrauch "nicht wesentlich sanierter Ein- und Zweifamilienhäuser" von 167 kWh/m2 a, Energiekosten von 8 Cent pro Kilowattstunde, Energieeinsparungen von 60 Prozent und einem Nutzungszeitraum von 15 Jahren aus.
Bei vielen Bauteilen sei der energetische Zustand gut. Bei Heizungen spricht er davon, dass 81 Prozent hoch und höchst effizient seien. 96 Prozent aller Fenster seien "mindestens zweifach verglast." Aufgrund bereits erfolgter Maßnahmen und fehlender Wirtschaftlichkeit rechnet Simons mit einer sinkenden Sanierungsrate.
Klaus-Dieter Clausnitzer hat sich mit den zentralen Annahmen des Empirica-Forschers beschäftigt und wirft ihm an vielen Stellen vor, Zahlen nicht richtig eingeordnet zu haben. So beziehe sich Simons bei seinen Annahmen zum Energieverbrauch auf eine Studie von Norbert Fisch. Dessen Daten stammen aus Verbrauchsausweisen, beziehen sich also nicht auf die Wohnfläche, sondern auf die Nutzfläche eines Hauses. Das bedeutet, dass auch nicht geheizte Räume berücksichtigt werden. Das senkt den Durchschnittswert des Energieverbrauchs.
Clausnitzer hat ihn auf die Wohnfläche umgerechnet. Er geht dabei davon aus, dass die Objekte keine beheizten Keller haben. Eine weitere Annahme ist, dass es sich bei den Erdgasverbrauchsdaten um Heizwert-Daten handelt. Energieverluste des Wärmeerzeugers werden dabei herausgerechnet. Warmwasser sei nicht enthalten, so eine weitere Annahme. Er kommt dann umgerechnet auf die Wohnfläche auf einen Wert von 200 kWh/m2a.
Das entspricht auch den durchschnittlichen Endenergieverbrauchswerten, die die Dena bei der Auswertung von 1.000 Energieausweisen im Rahmen einer Studie erhoben hat. "Der Fehler, die 167 kWh/m2a versehentlich als Wohnflächenwert zu interpretieren (...) wird mit dafür verantwortlich sein, dass Simons die Bausubstanz als beeindruckend gut bewertet", so Clausnitzer.
Kommentare zur Meldung
Hans-Jürgen Werner - 16.01.2013, 19:42
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